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Full text : Alte und Moderne Kunst XII (1967 / Heft 93)

BUCHBESPRECHUNGEN

Gottfried Semper, Wissenschaft. Industrie

und Kunst und andere Schriften über Architektur.

 Kunsthandwerk und Kunxtunterricttt.

mit einem Aufsatz von Wilhelm Mralek. ausgewählt

 und re rt von Hans M. Wingler.

Neue Bauhaus . Neue Folge der von

Walter Gropiu: und Lanlo MolioIy-Nagy

begründeten "Bauhausbiicher". herausgegeben

 von Hans M. Wingler bei

Florian Kupferberg. Mainz-Berlin.

1966. 128 Selten und 51 Abbildungen.

Kleine Schriften von Gottfried Semper in

einer anziehenden. modernen Ausgabe mit

einer höchst reizvollen Bildausstattung herauszubringen.

 ist nicht nur dankenswert und

verdienstvoll. sondern entspricht bereits

einem wirklichen Bedürfnis. Je mehr der

Horror vor der Architektur der Z. Hälfte des

19. Jahrhunderts einem interessierten Studium

 diser Epoche weicht. um so deutlicher

steigt die imporlierende Figur des Künstlers

und Theoretikers Semper empor. Die unabweislictte

 Qualität seiner künstlerischen

Leistung und das entwicklungsgeschichtliche

Gewicht seiner Gedanken sichern Semper

"Aktualität" auch für jene Perioden. die sich

von ihm abwendeten. Dali die vorliegende

Publikation der Reihe der Neuen Bauhausbücher

 angehört. zeigt. welcher Wandel in

der Einstellung zu einer nüberwundenen"

Periode erfolgt ist. Mdn erkennt nun. daß

Sempers Forderungen nach den inneren

Zusammenhängen VOtt Form und Mdteridl.

die er seinen Kritiken an der Kunst- und

Industrieproduktion seiner Zeit zugrunde

legte. die Intentionen des Bauhauses vorausahnen

 lassen. Deutlich kommt bei seinen Ideen

immer wiederdie Verankerungin der Romantik

 zum Vorschein. die bereits die nWahrhaftigkeit"__

 in der Architektur forderte.

Sempers Aullerungen zu Problemen der

Form. des Materials und Gebrauchszwecks

sind dem wesensverwandt 7 ebenso wie

dem von Christian Ludwig Förster geforderten

"Materialbau". aber auch der iiMaterialgerechtigkeit"

 des ZO. Jahrhunderts gleiches

Gedankengut zugrunde liegt. Matt muß sich

bewullt nidchen, ddß sernpers erste t-lduplwerke

 noch zu Lebzeiten Schinkels entstanden

 und dall sein Spätwerk in Wien zur

Ausführung kam. als Otto Wagner sich am

Anfang seiner Laufbahn befand. Steht demnach

 der Historist und Positivist Semper in

einem künstlerischen Ablauf. der scheinbar

vom radikalen Klassizismus direkt zur

Moderne führen wollte als Reaktionär. so

verblüfft es um so mehr. wenn viele seiner

Ideen als modern und zukunftweisend erkannt

 werden müssen. senipers romantische

Basis wird deutlich in der wiederholt aufklingenden

 Forderung nach der inneren

Einheit der Dinge. die im "Gsamtkunstwerk"

manifest wurde. Um in der Architektur nicht

nur die von ihm in archäologischen Forschungen

 wieder erkannte Farbigkeit neu zu

erwecken. Sondern auch die Plastik. die

textilen Künste. Keramik. Metall- und Möbeltechnik.

 mit einem Wort alles. was zur Erreichung

 eines künstlerischen Ensembles nötig

ist. einzubeziehen. bemüht sich Semper um

eine Neugestaltung des Kunslunterrichtes

einerseits und um die Gestaltung da Museums

als wissenschaftliche Institution anderseits.

wobei schon Gedanken aufklingen. welche

die Vorstellung eines Musee imagirtaire vorwegnehmen.

 Wilhelm Mrazek hat im Anschlult

 an SempeN "Plan eines idealen

Museums" von 1852 Wichtiges zu Sempers

Bedeutung für die museal-wissenschaftliche

Reformbewegung des 19. Jahrhunderts dusgesagt.

 Das Österreichische Museum für angewandte

 Kunst. eine Gründung von Rudolf

Ritter von Eilelberger. ist zusammen mit der

angeschlossenen Kunstgewerbeschule ein Institut.

 das sich eng dn das von Semper inspirierte

 Vorbild. nämlich das Victoria- und

Albert-Museum in London und das dortige

Departrnent af Praclical Art anschließt. Die

hier gegebene Verbindung von Museum und

Schule entspricht der von Semper verlangten

inneren Einheit. die durch wissenschaftliche

Analyse getrennt worden war. Diese innere

Einheit will Sempcr auch im Lehrbetrieb

wieder hergestellt sehen. bei dem er die in

den Akademien üblich gewordene Schulausbildung

 durch den alten Werkstattbetrieb

zu ersetzen vorschlägt. Als Semper in London

1851 dieses Programm aufslellte. war in Wien

irn zuge der Reorganisation der Akademie

der bildenden Künste bereits 1850 die Einrichtung

 von "Meisterschulen" im Sinne des

Werkslaltbetriebes beschlossen und im Jiinner

1352 verwirklicht worden.

Sempers Text eröffnet eine Fülle von Problemen,

 die besonders unsere Zeit. die sich

bemüht. ihren eigenen Standpunkt mit dem

derVergangenheit zu konfrontieren. angehen.

Um seiner Aktualität. aber noch mehr um

seiner eigenen Werte willen sollten die

Schriften Sempers nun wirklich gelesen

werden.



Renate Wagner-Rieger

Hans-Christoph Hoffmann. Die Tlteaterbauten

von Fellner und Helmer. Studien zur Kunst

des neunzehnten Jahrhunderts. Bd. ll. Fartchungsunt

 nehmen der Fritz-Thysen-Stiftung.

 Arhe kreis Kunsigeschichte. Prestel-Verlag.

 München 1966. 14a Seiten.

181 Abbildungen auf Tafeln

Unter den Bauaufgaben. denen das 19. Jahrhundert

 eine neue Bedeutung verliehen hat.

gehört das Theater zu jenen. bei denen die

ewältigung funktioneller Probleme einerseits

 und das Bemühen der gewandelten

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soziologischen Situation gerecht zu werden.

anderseits leicht die architektonischen Probleme

 überschichten. Bei den Theaterbauten

von Ferdinand Fellner und Hermann Gottlieb

Helmer. die von ihrem gemeinsamen Atelier

aus zwischen 1873 und 1916 den Bedarf an

Thedterbauten in der Österreichisch-ungarischen

 Monarchie und darüber hinaus noch

in Städten Deutschlands. der Schweiz. Rußlands.

 Bulgariens und Rumäniens deckten und

dabei mit 47 ausgeführten Theatern die gleiche

Zahl erreichten. wie die verschiedenen

theaterbauenden deutschen Baubürots zusammengenommen.

 scheint dies besonders

der Fall zu sein. Zumindest spielen die künst-Ierisch-archilektonischcn

 Probleme in den

Aussagen. die zu ihren Werken vortie en.

eine recht geringe Rolle. während es ihr iel

war. den Bedürfnissen der Zeit und den

Ansprüchen der zuin überwiegenden Teil

bürgerlichen Auftraggeber gerecht zu werden.

 Für die Organisation des Zuschauerraumes

 gingen sie von Grundsätzen aus. die

Heinrich Laube vom Standpunkt des Schauspielers

 und des Thealerstückes her formuliert

hat. für die Gesinnung des Kommunikationssystems.

 das der stollweisen Füllung und Entleerung

 der Räume gewachsen sein mußte.

trachteten sie größtmoglichste Beauemlich-.

keit, Sicherheit und Billigkeit zu erreichen. Der

allso in den Vordergrund gerückte Funktionalismus

 des Theaters brachte dem Atelier

die zahlreichen Aufträge ein. um die sie sich

nur selten im Rahmen von Wettbewerben

bemühen mußtert. Bei solchen Grundsätzen

und darüber hinaus bei einem gut eingespielten

 Atelierbetrieb mit reichem Formenfundus

ist es nicht verwunderlich. wenn den über

Mittel- und Osteuropa verstreuten Bauten

eine gemeinsame Note anhaftet. Diese liegt

aber keineswegs nur im funktionellen Bereiche.

 sondern primär in der architektonischen

 Erscheinung. welche die Fellner- und

Helmer-Theater als Repräsentanten eines in

Wien seit den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts

 ausgebildeten ..Späthistorismus" zu

erkennen gibt. Jo. es läül sich sogar innerhalb

dieser Arbeitsgemeinschaft zwischen den

beiden führenden Architekten ein Stilunterschied

 aufzeigen: der dus der wiener Trcidition

 erwachsene Ferdinand Fellner verband

eine dekorative Begabung. der die Leistungen

eines Van der Nüll viel gesagt haben müssen.

mit einem stark plastischen Gefühl. welches

er den von ihm gestalteten Bauten mitzuteilen

 wußte. Die Fähigkeit. vor allem spätbarocken

 Formenreichtum leicht und spielerisch

 dnzuwenden. gibt seinen Bauten eine

..wienerische" Note. Dem gegenüber bleibt

der aus dem Hannoveranischen stammende

Helmer in seinem persönlichen Stil der kühleren.

 klassizistischen Tradition seiner Heimat

auch in der Folgezeit verpflichtet. Seine Bauten

wirken kubischcr und groflformiger. zeigen

ein gewisses Pdthds und fügen sich duch leicht

den strengen Losungen einer klassizistischen

Richtung des lugendstiles.

Neben solch kunsthislarischen Aspekten erschließt

 die schöne Arbeit Hoffmanns noch

die bedeutungsmäßlge Seite des Theaterbaues.

die besonders in den ..Hoheitsformen". wie

Loggien oder Giebelfronten. greifbar werden.

Den hier angebahnten We weiter zu verfolgen.

 wird der wissenscha tlichen Erhellung

der gesamten Epoche zugute kommen.

Die vielfältigen interessanten Ausführungen

Hoffmanns geben Auskunft über die Architekten

 Fellner und Helmer und über ihrWerk:

über die verschiedenen Gesichtspunkte der

inneren Anlage ihrer Theater; über die Zuschauerräume,

 deren verschiedene Typen

einen Ausgleich zwischen den einem gesellschaftlichen

 Leben dienenden Logen und den

einem auf die Bühne hin aus erichteten

Publikum entsprechenden Bai dnrdngen

suchen 7 all diese und noch eine Menge

anderer Probleme werden vor dem Leser in

klarer und konzentrierter Form ausgebreitet

und verraten die souveräne Beherrschung

des Stoffes vom Technischen und Architekturgeschichtlichen

 her. Die zuverlässige Basis

für die Ausführungen bietet der Katalog der

ausgeülhrten Theater mit einem umfangreichen.

 viele Baupläne und Photos umfassenden

 Bildteil, eine Dokumentation. die jede

weitere Arbeit über den Theaterbau berücksichtigen

 wlrd müssen. Eine Fülle von Material

wurde hier verarbeitet m und doch zeigen

sich schdn trotz des relativ geringen zeitlichen

Abstandes bereits manche Lücken in den

Quellen. Sie bringen zum Bewußtselrt. daü

es bereits höchste Zeit ist. auch die Architektur

des späten 19. Jahrhunderts aufzuarbeiten.

sollen nicht wertvollste Unterlagen ungenützt

verloren gehen. All diesen Untersuchungen

aber möchte man das Niveau der vorliegenden

 Arbeit wünschen.

Renate Wagner-Rieger

Neue Doxenliterutur

Das gesteigerte Interesse am Sammeln

schöner Dosen hat uns in letzter Zeit 3 Bücher

über dieses Thema beschert:

B0 Bremsen, Nordiske Snusdaser pa europaeiik

 baggrurrd. Kopenhagen. Politikens

 Forlag 1965. 335 Seiten. 351 Abbildungen.

 145 Kronen

Der Autor. selbst Sammler. gibt zunächst eine

Kulturgeschichte des Tabakschnupfens mit

zirka15O Abbildungen. Das eigentliche Thema

gliedert er nach Ländern und innerhalb

dieser nach Material. so daß man Silber oder

Porzellan dreimal getrennt verrindet. Wären

die nordischen Dosen nicht durch Punzen

identifiziert. könnte man sie mit Ausnahme

derfinnischen und isländischen Schnupfhörner



für deulschoderfran sch halten. Das reiche

Bildmaterial aus nordischem Besitz gibt einen

guten Uberblick und gute Vergleichsmöglichkeit.

 doch sind ein Teil der Bilder durch

schräge Aufnahme undeutlich oder durch

Kehraufnahme bei Deckelöffnung kopfgestellt.

 Trotzdem eine dankenswerte Arbeit.

leider in Dänisch!

clcire le Corbeiller. European Gnd american

snuff-boxes. London. ßdlsldrd 196a.

7 Gn

dasselbe deutsch:

Alte Tabaksdosen aus Europa und Anierikd.

Keysersche Verlagsbuchhandlung.

München 1966. 400 Seilen. 703 Abbildungen.

 4a DM

Die Autbrin. die einige Jahre im Metrdpdlitdn

Museum. N.Y.. arbeitete. teilt die Kapitel

übersichtlich nach dem Material der Ddscn.

der Text ist mit viel Sachkenntnis geschrieben

und nach Daten gefüllt. bringt jedoch vielleicht

 zu viele. den Laien verwirrende Namen.

Auf 12a Seiten Text folgen 113 unpaginierte

Seiten mit den Abbildungen.

Die Aufnahmen Stammen zu 94x, dus

Museumsbesitz und sind dadurch bereits

teilweise bekannt. Durch ihre Verkleinerung

gegenüber der englischen Ausgabe haben

die Abbildungen dn Deutlichkeit eingebüßt.

Ein Drittel des Textes und die Hälfte (sss)

aller Abbildungen ist den Golcldosen gewidrnel.

 über die cs schon mehrere Spezialwerke

und Fachbücher gibt (Noqu et Dreyfus 1930.

lt. u. M. Narton 193a und H. u. s. Berry-Hill

 1955). Ein wesentlicher Mangel der

deutschen Ausgabe ist das Fehlen eines

Kapitels über deutsche Silberdosen und

Wiener Porzellandosen sowie deren Abbildungen.

 während 8 russische. Z spanische

und 5 Kelsterbacher Porzellandosen reproduziert

 und erwähnt sind. Dem entsprechend

fehlen auch in der nach Sachgebieten geordneten

 Bibliographie Rosenberg. Der Goldschmiede

 Merkzeichen. und Folnesics-Braun.

Geschichte der Wiener Porzellanmanufaktur.

Es fehlen auch Dosen aus lscrlohn. Tournay

und Herrengrund. aus Steinbockhorn und

Cdquitld-Nuß. Der s. so genannte ..unbekannte

 Wiener Dosenmacher IWS" ist wohl

Josef Wolfgang Schmidt (Reitzner 833) und

der S. 96 ..sonst nirgends verzeichnete (!)

Wenceslaus Chudy ist uns nicht so unbekannt.

 siehe Thieme-Becker. Die Abb.601.

als ..amüsante Anleihe deutscher künstlerischer

 Geschmacksrichtung" bezeichnet. ist

durch nichts als englisch bewiesen. sondern

ndlürlich deutsch. Unklarheiten ergeben sich

aus Ubersetzungsfehlern. wenn 5.68 vom

Unterschied zwischen Schnupftabak- und

Tclbakdosen gesprochen wird. da mit tobaccobox

 Rauchtabakdosen gemeint sind. Auch

gibt E im Deutschen keine Dosen dus Pewter

(S. B7 und Abb. 440-444). sondern aus Zinn.

während die Dosen Abb. 6804651 nicht aus

Zinn (tin). sondern dus Blech sind.

A. Kenneth Snowmun. Eighteenth Cenlury

Gold Boxes of Europe. London. Fober

und Faber was. Gr. a. 191 Seiten.

375 Abbildungen. hievon 135 in

Farben, 15 Gn.

A. Kenneth Snowman. der Autor von ltThe

art af Carl Fabergä". Goldschmied und

Juwelier, ist wie kein anderer berufen. dieses

Thema zu behandeln. Dies ist ihm auch in

erschöpfender Art gelungen. In der Einleitung

 bringt er etwa 100 Abbildungen von

Entwürfen für Dosen. Handzeichnungen und

Stiche. Der Text beleuchtet das Thema vorn

historischen. technischen und anekdotischen

Gesichtspunkt. Mangels einer Punzierung.

die für die Höfe nicht vorgeschrieben war.

sind viele Dosen bloß stilistisch einzuordnen.

Der Hauptakzent liegt natürlich bei den

französischen Dosen. von welchen er für

fcßt jedes Jahr Beispiele in chronologischer

Reihenfolge bringt (304). gefolgtvan 74 englischen.

 108 Dresdener und Berliner. 5B russischen.

 die meisten aus dem Goldrauln der

Eremitage. und 91 österreichischen. schwedischen

 und schweizerischen Dosen. Die Abbildungen

 sind unübertrefflich. Ein wohl

teures. aber auch wertvolles Buch.

Richard Steiskal-Paur

lesel Ringler. Tiroler Krippen unserer Ze

Tyrolia-Verlag. tnnsbruck-Wien-München.

 1966. 144 Seiten, 112

Kunstdruckbilder. Leinen

ln einer 15 Seiten langen Abhandlung bemüht

sich Dr. Josef Ringler. die Entwicklung der

Tiroler Krippen in der Zeit ndch den historisch

gewordenen Stilen aufzuzeigen. Das folgende

Bildmaterial zeigt uns an Hand vdn figuralen

Detailaufnahmen, aber auch an ganzen

Krippenaufbauten diesen Werdegang. Wenn

Josef Ringler auch von einem noch vorhandenen,

 ja "lebendigen Krippengeist"(l)

spricht. so müssen wir jedoch bei Betrachtung

der Bilder feststellen. daß nach der barocken

Krippengestaltung nicht viel Nennenswerta

oder Bleibendes aufzuweisen ist. Josef Bachlechner

 d. A.. der eine Zeitlang in gewissen

katholischen Kreisen sehr farcier1 wurde. hat

im Grunde genommen nur zu einer Verüußerlichung.

 zu einem falschen Pathos und

einer Verniedtichung der Ddrstellung im

allgemeinen und natürlich auch des Weihnachtsgeschehens

 geführt. Seine humorigkauzigen

 Gestalten. die eher auf gotische

Vorbilder zurückgreifen wollen. es aber nicht

Schaffen und in einer Pose erstarren. haben

einer ins Kommerzielle. Geschmücklerische

obgleitenden Richtung den Weg geebnet. VOh

viel wesentlicherem Gehalt scheint dem

Autor. sehr zu Recht. das Schaffen des 1876

geborenen und 1918 gestorbenen Ludwig

Ponz. der. von seinen Mitmenschen selbst unverstanden.

 eine neue Richtung in der Entwicklung

 der Krippe wies. Seine von innerer

Bewegung geformten Figuren beweisen sein

Können. Bewegung und Gestik ist frei vdn

unnötiger Palhelik. Auch seinem Schüler. den

in Schwaz ansässigen Sepp Baumgartner.

gelingen saubere. korrekte Lösungen. Während

 er früher auch manchmal zu lieblichsüßen

 Formen kam. werden spdter die Umrisse

 eckiger und herber. Nach ihm scheinen

nach eine stattliche Anzahl von Krippen in

dem vorliegenden Werk auf. dünken uns

aber durchaus nicht weiter nennenswert.

duch wenn sie sich manchmal peinlich genau

an gotische. andere wieder an barocke Vorbilder

 anlehnen. Auch modernistische Bestrebungen,

 wie jene von Heinrich Bacher

oder Martin Gundolf, sind nur ein Zeichen.

wie wenig Gutes auf diesem Gebiet geleistet

wird. Eine rühmliche Ausnahme scheinen uns

die Reliefs von David Moroder. einem Südtiroler

 (nicht mit den anderen Moroders zu

verwechselnl). zu sein. Hier ist echte Gestaltung

 zu sp ren. und wenn der Künstler auch

auf frühchristliche Elemente zurückgreift. so

wollen uns besonders die zwei ersten der

abgebildeten Arbeiten wesentlich erscheinen.

Erst Karl Weis und Franz Baumann zeigen

wieder gestalterlsche Kraft. besonders in den

einzelnen Figuren. Der Krippenaufbau. der

einer theatralischen Bühne gleicht (bei Baumann).

 ist dann wieder problematisch.

Die Abbildungen sind von sehr unterschiedlicher

 Qualität. Oft sind die Photographien

unscharf. so doli die Konturierung. die

technische Bearbeitung. die gerade bei plastischen

 Gebilden sehr wesentlich ist. verwischt

und zu undetinierbarem Vokabular verschmolzen

 wird. Es ist zu überlegen. ob in

diesem Buch nicht weniger mehr gewesen

wäre.

Alois Vogel

Österreichische Akademie der Wissenschaften:

 Wilhelm Hein. Frühe islamische Keramik

im Österre schon Museum für angewandte

 Kunst in Wien. Wien 1963. Hermann

 Böhlaus Nachf.. Wien-Köln-Graz.

 Kommisslonsverlag. 4B Seiten

Text. XX Bildtafeln. brosch.

Mit dieser Veröffentlichung werden in

zusammenfassender Weise die Bestände des

Stubenringmuseums an islamischer Keramik

der Frühzeit aus den Ländern des Vorderen

Orientes der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

 Der Autor geht dabei mlt größter

Behulsamkeit vor; eingangs verweist er auf

die zum Teil unüberwindlichen Schwierigkeiten

 hinsichllich der Lokalisierung und

Dotierung der einzelnen Produkte und zeigt

die Grenzen der stilkrilischen Methode ebenso

auf wie die einer materialtechnologtschen

Betrachtungsweise. Die technischen Aspekte.

Möglichkeiten und Varianten werden genau

behandelt. wobei immer wieder auf Quellenschriften

 erster Hand zurückgegriffen wird.

Die Materie als solche wird nach einem

lypdldgisch-svsterndtischen Schema behandelt.

Zuerst kommt die unglasierte Ware an dle

Reihe. dann die glasierten Objekte bis zum

14. Jahrhundert. Ein eigenes Kapitel ist der

Flächenfüllung gewidmet. wobei neben

Technischem und Stilistischem vor allem das

entscheidende Problem: Dekoration in rein

ästhetischem Sinn oder bewußte. gewollte

Symbolik. eingehend diskutiert wird. Auch

hier stößt man auf Mehrschichtigkeit: neben

rein Dekoratlvem steht tradiertes Gut. dessen

Bedeutungsgehalt zur Entstehungszeit bereits

vergessen und verwischt war. und symbolischbedeutungshclft

 Gemeintes. das seinerseits

wiederum aus den verschiedensten. räumlich

und zeitlich weit getrennten Quellen schöpft.

Im besonderen sei auf den Syrnbolgehalt der

Glasurfarben. der Reiler- und der Fischdarstellung.

 auf Pythagoräisches. Manichäisches

 und Kabbalislisches verwiesen. Mit

einem Exkurs über Herkunft und Bedeutung

des Kräuselarnaments schließt das Werk.

Der Verfasser vefrügt über eine profunde

Kenntnis des Gesamtbestandes an früher

islamischer Keramik in allen bedeutenden

Sammlungen der Welt. Er theoretisiert nicht.

er geht vielmehr so vor. dafl er das von ihm

erfaßte. in Wien befindliche Material mit dem

anderer Institute sorgfältig vergleicht und

sich besondersin Fragen der Dotierung immer

wieder auf das Urteil von Fachgenossen

beruft. Die hier geübte Zurückhaltung ist

ein deutlich faßbarer Trend der Kunstwissenschaft

 von heute. von Abstraktionsschemata

 abzugehen und das Objekt alssolches

in streng positivistischer Weise in den Mittelpunkt

 der Diskussion zu stellen.



Ernst Küller

EINGELANGTE BÜCHER

Karoline Padavonoutous. DieWandmalereien

des Xl. Jahrhunderts in den Kirchen A

Panagio torl Chalkeon in Thessaloniki.

120 Seiten. 39 Abb. auf 10 Tafeln. brosch"

 Hermann Bühlaus Nachfg. Wien.

Floridus Röhrigi Alle Stifte in Österreich.

Band ll. Leinen. 1967. Verlag Anton Schrull 81.

Co.. Wien-München. S 145m

Ursula Pflstermeister. Verborgene Kostbarkelien

 - Rund urn München lll (Südwest).

..Allgäu und Pfaffenwinkel", 104 Seiten.

48 Abb" Halbleinen. 1967. Verlag Hans Carl,

Nürnberg. DM 9.80
            
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