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Full text: Alte und Moderne Kunst XII (1967 / Heft 94)

Karcl Holeäovsky 
SEZESSIONISTISCHE 
PLAKATKUNST IN BÖHMEN 
Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts voll- 
zogen sich in den böhmischen Ländern 
ebenso wie im übrigen Europa durch- 
greifende Veränderungen auf allen Ge- 
bieten des kulturellen Lebens. Vor allem 
die Sezession wurde zu deren ausdrucks- 
vollstem Träger und formte grundsätzlich 
die neuen künstlerischen Anschauungen. Die 
Anregungen dazu kamen aus verschiedenen 
europäischen Kulturzentren nach Böhmen. 
Anfänglich waren es Wien und München, 
später trat aber noch Paris hinzu, das nicht 
nur bei der Entstehung der tschechischen 
Sezession, sondern überhaupt beim Auf- 
kommen der modernen tschechischen Kunst 
die unumstrittene Hauptrolle spielte. Da- 
neben gewann auch der indirekte, jedoch 
nicht zu übersehende Einüuß der angel- 
sächsischen Länder und Belgiens, vor 
allem in der angewandten Kunst, an Be- 
deutung. Die Reaktion auf den sterilen 
akademischen Historismus und Naturalis- 
mus entstand aber nicht nur durch die 
zahlreichen fortschrittlichen Impulse aus 
dem Ausland, sondern erwuchs auch aus 
der Originalität der Begabungen und aus 
der Vitalität der jungen, in den neunziger 
Jahren hervortretenden Künstlergeneration, 
die der tschechischen Sezession die ihr 
eigene Form eines lyrischen Symbolismus 
aufprägte. Zu dem weiten Interessengebiet 
der sich neu formenden sezessionistischen 
Bestrebungen in Böhmen gehörte auch das 
Plakat, eines der bedeutendsten zeitgenössi- 
schen Kunstdokumente aus jener von 
schöpferischer Gärung erfüllten Zeit der 
Jahrhundertwende. Hier, ebenso wie in 
den deutschsprachigen Nachbarländern, er- 
reichte dieser Kunstzweig erst um das Jahr 
1900 und im Verlauf des ersten Jahrzehnts 
unseres Jahrhunderts seinen Höhepunkt, 
also mit einem beträchtlichen zeitlichen 
Abstand zu Frankreich und England, wo 
es bereits um ein Jahrzehnt früher auf dem 
Gebiet der Plakatkunst zu einem für ganz 
Europa und die Vereinigten Staaten vor- 
bildlichen Aufschwung gekommen war. 
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