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Full text: Alte und Moderne Kunst XII (1967 / Heft 95)

Insgesamt sind uns also 35 Mitglieder der 
Familie Zamponi als Zinngießer bekannt. 
Freilich dürfte ihre Gesamtzahl noch wesent- 
lich höher gewesen sein, läßt sich aber aus 
Mangel an sicheren Quellen nicht mehr 
feststellen. Wenn auch die Matriken der 
Pfarre Forno d'Ornegna vom frühen 16. 
Jahrhundert bis zur Gegenwart lückenlos 
vorliegen, so ist doch wegen der großen 
Anzahl der dort verzeichneten Zamponi 
(weit über 300), deren Vornamen sich oft 
wiederholen, eine eindeutige Identifizierung 
der als Zinngießer bekannten Familien- 
mitglieder nur in Wenigen Fällen möglich. 
Der Katalog bringt - ohne Rücksicht auf 
vorhandene Objekte - eine Aufstellung 
sämtlicher bekannter Zinngießer Zamponi 
und ihrer Lebensdaten, soweit sie zu er- 
forschen waren. Zu den 30 von Wolfbauer 
und Hintze veröHentlichten Marken konn- 
ten noch weiter 20 neu gefunden oder zuge- 
schrieben werden. Da die bisher bekannten 
Marken zum großen Teil ungenau wieder- 
gegeben sind, wurden mit Hilfe des umfang- 
reichen Vergleichsmaterials alle Marken neu 
gezeichnet. Die folgende Aufstellung bringt 
ein kurzgefaßtes Verzeichnis aller bekannten 
Zinngießer der Familie Zamponi: 
STEIERMARK 
Graz: Raimund Anton Z., aus Leoben, 
1850-1924; Rudolf Z., 1892-1930 
judenburg: Johann Joseph Z., aus Forno, 
1815-1862. 
Knitleßeld: Joseph Maria Z., 1795. 
Levben: Johann Baptist Policarp  Z., aus 
Forno, 1721-1792; Franz Joseph Z., 
aus Forno, 1739-1792; Joseph Andreas 
(L) Z., aus Leoben, 1759-1775; Joseph 
Andreas (II.) Z., aus Forno, 1772-1837; 
Wilhelm (II.) Z., aus Forno, 1786-1810; 
Joseph Andreas  Z., um 1790-1831; 
Joseph  Z., aus Forno, 1799-1820; 
Johann Anton Policarp (III.) Z., aus 
Forno, 1813-1885; Joseph Andreas (IV.) 
Alois Z., aus Forno, 1836-1852. 
Illariagell: Anton Z., (siehe Wiener Neu- 
stadr!) 
Illurau: Wilhelm  Joseph Dionysius Z., 
aus Forno, 1719-1795; Joseph Maria 
Z., um 1770-1832; Johann Policarp  
Z., um 1780-1823; Ambros Joseph 
Maria Benedikt Z., aus Forno, 1781 bis 
1843. 
DEUTSCHLAND 
Engen in Baden: Anton Z.,1755-1768; Peter 
Z., aus Forno, 1765-13-14; Johann 
Baptist Z., aus Forno, 1782-1828. 
Knrlrruhe: Johann Blasius 7.., aus Sesto, 
1725. 
Xcbänberg in Baden: Peter Z., 1786-1797. 
Aus den zahlreichen in der Ausstellung ver- 
tretenen Exponaten seien hier nur einige 
als Beispiel herausgegriifen: Eßteller mit 
gcschweiftem Proiilrand (Abb. 1), flache 
kreisförmige Tirrhrrboner mit konzentrisehen 
Rillen (Abb. 2), ovale Anrirlzlexrhürreln mit 
steilem Hohlkehlenrand und gesehwcifter 
Proiilkante (Abb. 3), Knäzlelrrllürreln mit 
Durchmessern von 12 bis 33 cm (Abb. 4), 
ein kleines Derkelkrüglein mit palmetten- 
förmiger Daumenrast (Abb. 5) sowie eine 
reich konturierte Derkellerrine in der Art des 
zweiten Barock (Abb. 6). Von besonderem 
Interesse ist ein Alarkenxlempel mit der 
Meistermarke des Anton ZJWiener Neu- 
sradt (Abb. 7). Zur Ergänzung werden 
Arßlxiualien aus dem Steiermärkischen Lan- 
desarchiv gezeigt (Zunftprotokolle, Auf- 
dingbücher, Kaufverträge usw.), wie auch 
eine Reihe von Bildnixren des Leobener 
Meisters Joseph Andreas (II.) Z. (Abb. 8) 
und dessen Xßhnupflahnkdore, welche sich 
noch heute im Besitz der Familie Zamponi 
befindet (Abb. 9). Ein eigenes Kapitel bil- 
den die Arbeiten des am 7. Dezember 1850 
in Lcoben geborenen RnimunzlAnlorl Z.: im 
Gegensatz zu seinen Vorfahren hat er sich 
vor allem mit der Herstellung von Zier- 
stücken befaßt. Entscheidend für sein Werk 
war die Zusammenarbeit mit dem Gründer 
des Kunstgewerbemuseums am Joanneum, 
Professor Karl Ißfllßf (1850-1908). Lacher 
lieferte im Sinne des Historismus Entwürfe 
für Zinngegenstände, bei denen er sich stark 
an Formen und Ornamenten orientierte, 
welche ihm in der Sammlung des Museums 
in Fülle zur Verfügung standen. S0 wurden 
zum Beispiel die geätzten Groresken auf der 
breiten Fahne eines Zierteller: (Abb. 10) 
getreu den Ornamenten einer durchbroche- 
nen SchloB-Abdeckplatte im Deckel einer 
süddeutschen Eisentruhe des 17. Jahrhun- 
derts nachgebildet. Und eine große ÄYIJIeif- 
kann: (Abb. 11), die für die Pariser Weltaus- 
stellung im Jahre 1900 von Lacher entwor- 
fen und von Raimund Anton Z. ausgeführt 
wurde, ist nachgerade ein Musterbeispiel 
für die eklektizistischc Denk- und Arbeits- 
weise des ausgehenden 19. Jahrhunderts: 
der schildtragende Greif auf dem Deckel ist 
auf mehreren Zunftkannen aus dem 17. 
Jahrhundert in der Sammlung des Museums 
wiederzuünden, ebenso die Form des reich- 
geschwungenen Henkels und die umlaufen- 
den Reifen aus Messing. Die gravierte Dar- 
stellung auf dem Schild, ein tanzendes 
Bauernpaar, entspricht (seitenverkehrt) 
einer Gouaehe von Johann Lederwasch in 
der sogenannten Fohnsdorfer „KnafH- 
Handschrift", die sich heute in zwei Exem- 
plaren im Besitz des Steiermärkischen Lan- 
desarchivs befindet. 
Wenn auch RudalfZu der Sohn des Raimund 
Anton, in der Werkstätte seines Vaters ge- 
arbeitet und auch dessen Marke („R 
ZAMPONI") verwendet hatte, so ist docl 
mit dem Tode Raimunds am 14. Mai 1921 
und dem gleichzeitigen Erlöschen SClIICI 
Konzession das Zinngießergewerbe in de 
Steiermark ausgestorben. Rudolf Z., der un 
1900 in Paris in die Lehre gegangen war um 
von dort den Einfluß des „modernen Stils" 
mitgebracht harte (Abb. 12), hat seiner 
Vater nur um wenige Jahre überlebt. 
In einer Zeit, in der das ZinngieBergexxYerb 
nahezu ausgestorben ist, in welcher Technil 
und Arbeitsweise dieser Handwerker nu 
noch wenigen Fachleuten und Liebhaber: 
aus eigener Anschauung bekannt sind, wil 
diese Ausstellung als Beitrag zur Sicherung 
und Bewahrung der noch vorhandenei 
Zeugnisse sieirischer Handwerksgeschichtw 
aufgefaßt werden. Es ist ja im wesentlichen 
unserem Jahrhundert vorbehalten geblie 
ben, nicht nur das Außergewöhnliche, durcl 
die Qualität seiner künstlerischen Gestal 
ÜBRIGES ÖSTERREICH 
Grein: Zamponi, 19. Jhdt. 
Pillen: Johann Z., vor 1917. 
Salzburg: Carl Anton Z., aus Forno, 1760 
bis vor 1833; Wilhelm Anton Vinzenz 
Fortunat Z., aus Forno, 1807-1838. 
Xlejr: Ambros Z. d. Ä., aus Forno, 1804 bis 
1856; Ambros Z. d. J., 1886-1899. 
Wien: Johann Z., vor 1828; Joseph Z., vor 
1831. 
Wiener Neuxtadt: Wilhelm Z., 1814; Anton 
Z., aus Fomo, 179071862. 
BÖHMEN 
Karlxbad: Andreas Z., 1779; Joseph Z., 
1779. 
30 
9 
tung Überragende, sondern auch di 
unscheinbaren, bescheidenen Gegenstand 
des täglichen Gebrauchs in die Forschun 
einzubeziehen. Auch sie verdienen Beacl 
tung: durch den Adel ihrer Form, die sie 
auf Grund jahrhundertclanger Bcxwiährun 
herausgebildet hat, durch ihre Vermittlei 
rolle für die Kenntnis der Lebensweis 
breiter Bevölkerungsschichten in ve' 
gangenen Kulturperinden und nicht zulet: 
auch in unserem Falle als Zeugen für d 
Tätigkeit von Handwerkern, die ihr G: 
werbe durch zwei Jahrhunderte in d: 
Steiermark beziehungsweise in Mitteleuro}: 
ausgeübt haben. 
Anxou 2., Wiener Ncmxadx: Maxkenstem l ("Z1 
chenciscn"). Stahl. L 14 n-n (Kunstgewcr mm" 
Graz, lnv.- r. 0975) 
Brusxhild des joseph Andnas (11.) z., Lesben. 01 2 
Leinwand. unsigmerl. 27,7x2l.2 cm (Eh: Zampo: 
judcnburg) 
äoßcph Andreas (11.) Z., Lcohcu: Schnupftabzkdtx 
.9 x45 x 2.2 cm. (Flsa Zarnponi, Judmburg) 
Raimund Anton z.. Gxar Zicrrellcr. Dm. 34,8 ( 
(Kunstgcwerbcmusuum Graz. lnvrNr. 058) 
Raimund Anton Z., Graz: Schleifkannc. H. 65 an, Dl 
24 cm (Kumtgewcrbcmuscum Graz. [nv.-Nr. 12497) 
RudolfL, Graz: Zicnellex. Dm. 35 cm (Kunstgcwerb 
museum Cm, lnv.-Nx. 0341)
	        

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