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fullscreen: Alte und Moderne Kunst XI (1966 / Heft 88)

AUS DEM KUNSTLEBEN 
XXXIII. BIENNALE VON VENEDIG 
;leicht man die größten, weltweit 
:innten internationalen Ausstellungen 
lerner Kunst miteinander, so wird 
l übereinstimmend feststellen. daß 
n allen neben dem Bemühen um ein 
eigen neuer künstlerischer Aspekte. 
tionen und Entwicklungstendenzen 
Hang zur großen, lebendigen Show. 
Charakter einer Monstermesse eigen 
mag zwar einiges dagegen einzu- 
den haben, die Notwendigkeit und 
nigfachen Vorteile einer weltweiten 
stdiskussion vor dem Objekt, wie 
eben nur derartige Ausstellungen 
öglichen, überwiegen indes die 
znken. 
bis Oktober dauernde XXXIII. Bien- 
von Venedig bietet in dieser Hin- 
keine Ausnahme. steht sie doch 
1er noch als in den Jahren vorher 
Dienste des Allerneuesten. das die 
ende Kunst unserer Zeit in ihrer 
pferischen Vielfalt, aber auch in all 
't Widersprüchlichkeiten zu bieten 
I Unterschied von einer bis ins 
lll vom Veranstalter nach dessen 
en und Wertmaßstäben geplanten 
tellung, ergibt sich das Gesamtbild 
lenedig auf Grund der von den 
einen Nationen getroffenen Selek- 
3h. Das schließt selbstverständlich 
ensätzlichkeiten und Deplaciert- 
EFI aller Art mit ein. 
Teilnahme an der venezianischen 
nale erfordert daher von jedem 
l sehr viel taktisches Geschick, eine 
iue Kenntnis der Biennale-Gewohn- 
in und der gesamten internationalen 
itsituation. Wer sich Chancen auf 
1 der begehrten Preise ausrechnen 
muß daher unbedingt auch dem 
echarakter dieser Exposition Rech- 
i tragen. Mit Würde allein ist da 
s zu machen. Es kommt in Venedig 
mehr als sonstwo darauf an, im 
igen Moment das dem jeweiligen 
rend Entsprechende auffallend vor- 
llen; e eine Praxis. die Österreich 
r nur recht unzulänglich be- 
scht. Als vor zwei Jahren der Ameri- 
-r Robert Rauschenberg den großen 
nale-Preis für Malerei erhielt und 
irch die gesamte Pop-Art groß ins 
iräch kam und eine deutliche Auf- 
ung erfuhr, war so etwas wie eine 
wie-Sensation perfekt. Demgegen- 
läßt sich heuer keine eindeutig 
nierende Richtung feststellen. 
man vom linientreuen sozialisti- 
i Realismus der Sowjets und einigen 
ren in Venedig völlig deplacierten 
ägen ab, trifft man auf all jene 
enzen, die im Bereich der bilden- 
Kunst seit 1945 den Ton angeben: 
Ilalerei und Skulptur in den Stilarten 
ET Abstraktion. auf Neofiguratives 
figurativen Expressionismus. auf 
und Op-Art. Kirietisches sowie eine 
2 interessanter und vom Material 
rappierender künstlerischer Misch- 
en im großen Zwischenbereich 
Malerei und Plastik. 
vtanifestation des jungen Franzosen 
ial Raysse. der in einem eigenen 
eren Raum mit bewußt primitiven 
knallig gewählten Tricks heutiger 
enreklame die dadurch erweckten 
suchte und Wünsche des Durch- 
ttsbürgers aufs Korn nimmt. die 
erisch etwas ergiebigeren. doch 
nicht gerade nachhaltigen Ex- 
BILDTEXTE 1 e4 
1 
Al-JN 
Wander Barium. Spiegel I. 1963IÖ4. 
Messing, H. 5a cm 
Rudolf Kedl, Urweib. 1963. H. 38cm 
Faul Flora, Katzendame, 1966 
Curt Slenvert. XLI. Menschliche Situa- 
liOriI Sl(l't jenes Gedankenganges Gottes 
bewußt werden, def unsere Welt ist 
(Abb. 1-4, die österreichischen Künstler 
auf der XXXlll. Biennole in Venedig) 
perimente des Schweden Oyvind Fahl- 
ström, die im Stil der populären Comic 
strips gehaltenen Bilder des Ameri- 
kaners Roy Lichtenstein und die vom 
Bildnerischen her jedoch zumindest 
überlegenswerten, dreidimensionalen 
Arbeiten des Engländers Richard Smith 
lassen sich in diesem Zusammenhang 
als markante Beispiele jener noch nicht 
definierten neuen künstlerischen Zwi- 
schenphasen und Ausdrucksmöglich- 
keiten anführen. 
An dieser Stelle bedürfen auch die 
Zeichnungen, Collagen, Montagen und 
neuen großen Bildwerke des Wieners 
Curt Stenvert besonderer Erwähnung. 
zählen doch gerade seine mit analyti- 
scher lntelligenz, humanem Engagement 
und einer für den Außenstehenden 
kaum glaublichen Intensität herge- 
stellten und von ihm als .,Funktionelle 
Kunst des 21. Jahrhunderts" propagan- 
dierten Werke zum Meistdiskutierten 
der gesamten Biennale. Die Resonanz 
in der internationalen Presse und in 
Fachzeitschriften zeigt jedenfalls deut- 
lich. wie sehr Stenverts Arbeiten. die 
mit gewohnten Vorstellungen von Kunst 
nichts gemein haben, doch deswegen 
nicht weniger ernst zu nehmen sind, 
im Ausland in ihrer grundsätzlichen 
Bedeutung erkannt und geschätzt wer- 
den. 
Dank Stenvert kann sich also auch der 
österreichische Pavillon über mangeln- 
des lnteresse nicht beklagen. Das sollte 
man. obwohl man auch dieses Mal 
traditionsgemäß keinen Preis erhielt, 
keineswegs unterschätzen. 
Gegenüber der dicht gedrängten, einer 
Schaubude im Dada-Stil gleichenden 
Kollektive Stenverts. die schon allein 
die Nachteile einer Vier-Mann-Nomi- 
nierung unmißverständlich aufzeigt. 
kommen die weniger problematischen 
Beiträge der übrigen Österreicher 
jedenfalls im Hinblick auf die Auf- 
stellung um einiges vorteilhafter zur 
Geltung. Das betrifft die aus allen 
wichtigeren Schaffensabschnitten aus- 
gewählten Plastiken Wunder Bertonis 
genauso wie die aus Edelserpentin 
hergestellten Skulpturen Rudolf Kedls 
und die köstlichen, gut bekannten 
Zeichnungen Paul Floras. die sich 
allerdings einer ganz und gar anders 
gearteten Konkurrenz gegenübersehen. 
Welches sind nun die diesmal interes- 
santesten Beiträge und Ergebnisse, von 
wem stammen die künstlerisch bedeu- 
tendsten und bei allerVorsichtgegenüber 
einem vielleicht etwas vorschnellen 
Urteil haltbarsten Werke? 
Bei einem von 37 Nationen bestrittenen 
Monsterangebot von rund 2000 Ex- 
ponaten ist das nicht leicht und ein- 
deutig zu beantworten. 
Sieht man von den beiden im italieni- 
schen Pavillon stattfindenden Retro- 
spektiven für Umberto Boccioni und 
Giorgio Morandi ab. und läßt man 
überdies die Einzelausstellungen für den 
zu Anfang dieses Jahres verstorbenen 
französischen Maler Viktor Brauner und 
den Schweizer Johannes ltten außer 
acht, so sind die wichtigsten Schwer- 
punkte bei Nationen festzustellen, wo 
man sie gar nicht so sehr erwartet 
hatte. 
Bei den besonders gut vertretenen 
Deutschen, die nicht zum erstenmal von 
der Jury etwas stiefmütterlich behandelt 
wurden, überzeugen mit Abstand Horst 
Antes (er erhielt von einer ge! 
Jury immerhin den Unesco-P 
wohl beste Maler dieser Bieni 
der durch seine hligranen, l 
charmanten und wohltuend L 
zierten plastischen Gebilde ai 
Günter Haese, dessen Arbeiten 
ser Hinsicht den humorvol 
schwingten Graphiken Paul Fl 
wandt sind. 
Qualität und Eigenwilligkeit 
desgleichen: die Einmannsc 
Zeichnungen. Modellen. Malei 
architektonischen Entwürfen , 
utopischen Neu-Babylon des H 
Constant: die Kollektiven de 
Robert Jacobsen und des F 
Etienne Martin (sie erhielten z 
den ersten Preis für Skulp 
großformatigen, ansprechend 
reien des international kaum b 
Norwegers Jakob Weidemann 
metrisch-abstrakten, meditativi 
des Japaners Onosato; die Sl 
des Jugoslawen Tihec, aber 
skurrilen,dämonischenSchweil 
des Belgiers Reinhoud sowie VX 
Spanier Gabino (Aluminiumski 
Juana Frances (gleichnishofte 
in dunklen Farben) und Juan 
(realistische Bilder zum The 
massung und isolation des Men 
Unterden Druckgraphikernfal 
dem überragenden und auch 
1, Preis in dieser Sparte völlig 
bedachten Japaner Masuo ll 
Brasilianer Piza und die Jui 
Branko Milius und Vladimii 
auf. 
ln ähnlicher Weise wie der 
Hauptpreis für Malerei ausge 
argentinische Kinetiker und 
Julio Le Parc zählen der Jopai 
mit seinem vierteiligen ..l 
Environment" (es handelt sii 
um eine riesige, begeh- und bei 
plastisch-reliefartige Arbeit. di 
sucher als Mitakteur mannigfac 
raschungseffekte auslöst) und c 
zuelaner Jesus R, Solo zu de 
prägtesten Einzelgüngerndieser 
ausstellung. 
Ohne Sensationen sind die 
der USA und Englands, entti 
auch die Beiträge der FFOFtZt 
der meisten Ostblockländer. C 
ner (Preis für Malerei: Lucio 
haben zwar gewohnheitsmäf. 
weniger als 58 Säle ihres gc 
Pavillons in Beschlag genomm 
gen sich aber darum selbst 
nachhaltige Wirkung. 
Von einer Biennale ausschliel 
gebnisse und daraus in Kür: 
leitende Wertmaßstabe zu ve 
wäre grundfalsch. Sie erfi 
Funktion vielmehr als inleri 
Stätte der Begegnung. als 
Forum, das nicht nur die Fort 
lung der Kunst unserer Zeit 
Markt mitbestimmt, sondern ac 
untersuchenswerten Spiegel de 
gesellschaftlichen Situation und 
von heute darstellt (Abb. 1 -l 
Peli 
Die Wiener und ihre Museen. 
Das BUFVCJESFYHFHSlEFIUW fur Unler 
bekannt, daß in den iiini unter 
Staatlichen Kuiiurseinrniungen Urtl 
in den NtonatenJunil966lOO 549 uni 
115,723 Besucher gezahlt wurden.
	        

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