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Full text : Alte und Moderne Kunst XIII (1968 / Heft 101)

qmm-au

Die Wappenschränke in Sdmloß jindxichuv Hradec, CSSR

Schranktnlwxxrf des Mouogxammisten H5. Holzschnitt.

um 1530- 1540

Kanzel der Stadtkirdle in Laun, 1540. Nach Entwurf von

Benedikt Rind

Meister IP (Werkstatt?) Christus und die Fraum, Relief

aus Zlichov. Prag. Nationalgalerie

Mcistcr IP (Werkstatt?) Christus am Ölberg, Relief aus

Zljdzov. Png, Nationalgalerie

ANMERKUNGEN 1 1 712

11 Z. B. die großen Schränke im Vorraum zum Kapilalsaal

der Kathedrale von Toledo. Auch ckyrt werden von

kuienden Engeln gehaltene Wappen, die allerdings nicht

von einem Giebel gerahmt. sondern freistehend über dem

Abschlußgcsirns des Kastens angebracht sind, von geschnirzren

 Zierkzudelabem flankiert. Die prachtvollen

Toledaner Schränke - auch an den Türiiügeln, Lisenen

und Friesen reich mit Reliefs geschmückt - zählen zu

den Hauptwerken der Möbelkunst und zugleich der

Plastik ihres Landes aus der Epoche der Renaissance. Ihr

Meister und das Jahr ihrer Bltstehutlg sind bekannt. sie

wurden von Gregorio Pardo im Jahre 154a geschaffen. -

Zwei so weir voneinander entfernte Vergleicl-isbeispiele

deuten darauf hin. daß sie nur ein gemeinsames Vorbild,

in diesem Falle lralien, zurückgehen.

17- Heinrieh Kreisel, Die Kunst des deutschen Mbbels. Von

den Anfängen bis zum Hochbarock, Verlag c. H. Beck,

München, 196a, s. eerr.

Geschnjtzte Drachen oder Delphine waren

ein zu jener Zeit sehr beliebtes Motiv,

Womit man hauptsächlich die verschiedensten

 Arten von Bekrönungen verzierte, so

wie es hier der Fall ist. Zumal Delphine

Enden sich als Zwickelstücke oder verbindende

 Elemente zwischen Aufsätzen oder

Giebeln und dem waagrechten Gesims auf

zahlreichen kirchlichen und profanen

Kunstwerken.

In so ausgeprägter, phantastischer Form

und derart bestimmender Wirkung für die

gesamte Komposition wird man den

Drachenzierat allerdings nicht oft antrelfen.

Daß er jedoch in einer ähnlich bewegten

und bizarren Auffassung, bloß in etwas

kleineren Ausmaßen, als Möbeldekor durchaus

 im Bereich des Möglichen lag, ja sogar

von einem Großen auf dem Gebiet der

Möbelkunst zum Vorschlag gebracht wurde,

zeigt der bekannte Holzschnitt des Meisters

HS (Abb. 4). Zeitlich besteht kaum eine

Schwierigkeit für die Annahme, daß der

Künstler, der den bildhauerischen Schmuck

der Neuhauscr Schränke schuf, oder dessen

Entwerfer, den Holzschnitt gekannt haben

mag, der nach Augsburg lokalisiert oder

doch dem Augsburger Kunstkrcis zugeordnet

 wird. Die Blätter dcs Meisters HS

werden in die Jahre um 1530 bis 1540

datiert 11. Da es der Sinn einer solchen Zeitabgabe

 ist, flexibel zu sein, wäre es völlig

vertretbar, die untere Grenze der Zeitspanne

um einige jahrc gegen 1520 zurückzuvetlegen.

 Damit wäre chronologisch die Voraussetzung

 für das Bestehen einer Beziehung

zwischen der Schnitzerei und der Vorlage

gegeben, die formal nahezu auf der Hand

liegt. Denn die Kopf bildung des Drachens,

die Kombination von akanthusartigem

Blattwerk mit dem Tierkörper und die

spiralig cingedrehten Ranken weisen viel

Ähnlichkeit auf.

Daß die Schränke mit einem hohen Hauptgeschoß

 über dem niedrigen Sockel und

mit bloß zwei großen Türflügeln den neuzcitlichcren

 Typus verkörpern, ist, wenn

wir als Entstehungszeit die Jahre um 1520
            
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