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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XIV (1969 / Heft 103)

be zu fördern und den Geschmack der Zeitgenossen zu bilden. Dies

ah nicht nur in Wort und Schrift, sondern vor allem durch „Vorführung

ümlicher und hervorragender moderner Muster", die den „Formenreichund

 die „Arbeitsweisen" auf diesen Gebieten vermittelten, durch Kontion

 mit den „Fortschritten des Geschmackes", die „zu neuen Wegen

i", durch Schärfung des „Sinnes für das Mustergültige und Lebensfähige".

hließlich „nicht nur zur Nachahmung zu befähigen, sondern selbständige

ngen hervorzubringen".

eginn des Wirtschaftsaufschwunges, des „Wirtschaftswunders" in Ostermit

 seinen gesteigerten Ansprüchen an die Konsumgüterproduktion, ist

emühen nach Gestaltung aller den Lebensbedürfnissen dienenden Dinge

ler eigenen Umwelt unverkennbar. Allern, das damit zusammenhängt,

t ein erhöhtes Augenmerk, eine besondere Bedeutung zu. Das, womit

ts umgeben, womit wir leben, womit wir essen und trinken, worin wir

en, womit wir uns und unsere Umgebung schmücken, worauf wir sitzen,

e Dinge des täglichen Lebens, die diese Urfunktionen des menschlichen

15 auch in unserer modernen Welt sinnvoll ermöglichen, haben wieder

zht bekommen, stehen im Blickpunkt künstlerisch-gestaltender Bemühunilicht

 nur die „freien Künste", die „Sonn- und Feiertagskünste", sind allein

s kulturelle Ansehen in der Welt von Bedeutung. Das kulturelle Niveau

wesentlich von den für den Markt, für die breite Masse, für den Alltag

enden „nützlichen und angewandten" Disziplinen mitbestimmt, die, wie

;andinavische Beispiel beweist, einen ganz entscheidenden Beitrag hierzu

I.

usstellung „sitzen '69" zeigt Produkte, die diese menschliche Urfunktion

ilichen: Sessel, die von ihren Entwerfern für die handwerkliche und

:rielle Erzeugung in kleinen und mittleren Tischlerbetrieben und Möbelen

 gedacht sind. Sie sind keine dem allzu raschen Modewandel folgenden

lle, keine mit ästhetischer Funktion bloß oberflächlich angereicherten Nutzle.

 Sie sind insofern „TischlersesseV, weil sie ausschließlich aus dem

atoff Holz bestehen und die Handarbeit des Tischlers bei der Fertigung

ibezogen ist. Sie ermöglichen daher, trotz rationell abgeleiteter praktischer

ion, eherjene nur zu oft unterschätzte psychische Beziehung herzustellen,

er moderne Mensch auf die Dauer bei den ihn umgebenden Dingen nicht

hren kann. Sie sind Beispiele, „eigentümliche und hervorragende moderne

er", und stammen mit wenigen Ausnahmen aus den vierziger, fünfziger

echziger Jahren des 20. Jahrhunderts.

Ausstellung will nicht allein nur den Produzenten, den Tischlern, als

iung dienen, sondern gleicherweise auch den Konsumenten, vor allem

ijungen Publikum, das Wert auf qualitätvolle Gebrauchsgegenstände legt.

neisten Exponaten sind eine Werkzeichnung und Detailfotos beigefügt,

lfmerksam machen, worauf es bei der Gestaltung und Ausführung ankam.

iese Weise soll an geeigneten Beispielen die Qualität begreiflich gemacht

lie Bildung von Maßstäben angeregt werden. Dies erscheint uns gerade

em Zeitalter besonders notwendig, wo alles im Flusse ist, wo das Gleich-:ht

 zwischen Tradition und Fortschritt völlig gestört ist, wo wieder eine

ürdige Stilimitation und eine ebenso fragwürdige Modernität die völlige

herheit aller Bevölkerungskreise in Geschmacksfragen erkennen lassen.

ernünftige Maßstäbe, Relationen und Ansichten kaum mehr ernst geten

 werden.

Wilhelm Mrazek

Äusschlag gab, daß hier, um Vorbildliches zu leisten, nicht erst ein Anfang

cht werden mußte, sondern eine ungebrochene Tradition bestand. Somit

eine Veranlassung vor, die revolutionäre Forderung nach dem totalen

eginn zu stellen, wie sie vorn Bauhaus propagiert wurde. Vielmehr erwies

der Weg der Evolution als naheliegender und geeigneter. Auch waren

r zurückliegende Impulse maßgebend, die seinerzeit bereits von Adolf

und Arthur von Scala, dem Direktor und Reformator des Osterreichischen

iums für Kunst und Industrie, ausgegangen waren und nun durch das

eifen englischer Anregungen wieder zur Anwendung kamen. So wie Loos

en Frank und seine Freunde die Standard-Garnituren und -Einrichtungen

as heftigste ab. Sie zogen ihnen die einem bestimmten Zweck zugedachten

lmöbel vor. Das führte sie folgerichtig dazu, sich mit dem Sessel zu ben

 einer Möbelart, die wie kaum eine andere in eine Vielfalt von Typen

.g iedert werden kann.

dinavien trug wesentlich zur Ausbildung neuer Herstellungsmethoden und

r Folge zur Entwicklung daraus abgeleiteter Möbelformen bei, die auch den

gen Sesseln ihr Gepräge geben.

isgeschickt sei, daß es nicht das Ziel dieser Ausstellung sein kann, sämt-Möbelentwerfer

 Österreichs zu erfassen. Wie im Falle der hier vertretenen

inder kann es sich nur um einen Querschnitt handeln. Es geht hier nicht

hr um Vollständigkeit, sondern vielmehr um die Darstellung der Kontinuität,

ber Krieg und Krisen hinweg erhalten und wirksam geblieben ist.

n der Ausstellung gezeigten österreichischen Sessel der Nachkriegszeit

iten mehrere Richtungen. Die einen schließen vorwiegend an solche

en an, die bereits in den dreißiger Jahren aufgekommen waren, zeigen

verschiedene Variationen des damals besonders beliebten Stuhls oder

tuhls mit Sprossenlehne, eines letztlich auf englische Vorbilder zurücknden

 Typs. Andere Beispiele greifen dänische Anregungen auf und verten

 sie auf eigenständige Weise. Weiters zeichnet sich eine Gruppe ab,

urch die Neuartigkeit der formalen Lösungen auffällt. Diese drei Kategorien

Sesseln sind durchwegs handwerklich gefertigt. Ihnen stehen die industriell

astellten Stühle gegenüber. Eine Form und Auffassung sui generis vertritt

Lnssiel Vftfl Frnst Fuchs. der. von ihm entworfen und bemalt, die ästhetische

Alvar Aallo (Finnland), Arrnstuhl, 1946

Finn Juhl (Danemark), kleiner Armsruhl, 196

Verrier Panron (Dänemark), Armstuhl, ISSS

Josef Frank (Osterreich), Armsruhl, um 1930

msimuiaum-9,

 1D Einblicke in die Ausstellung ,.Sil29l'l '69"

angewandte Kunst Wien

l

Hans J. Wagner (Dänemark), Armstuhl, 1950

Erwin Kuba (Österreich), drei Kiridersessel, 1964

Domini: Habsburg-Lothringen (Österreich), Stuhl, 1960

Johannes Spalt (Osterreich), Armstuhl (Fautouil), 1963

im Saulenhof des Osterreichischen Museu


            
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