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Full text: Alte und Moderne Kunst X (1965 / Heft 79)

linischen llofwerkstatt aus der Zeit um 1600 
folgt, in die (iesamtkomposition aber barocke 
und Rokokoelemente wie Biedermeierblumen 
einbezieht. "Xhnlich auch die von einem 
unbekannten Künstler in Rom zwischen 1870 
und 1880 hergestellte Brosche (Abb. 10), die 
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der Fürst Odescalchi dem Österreichischen 
Museum geschenkt hat und die eine alle- 
gorische Figur von RaHael in Stäbchenmosaik 
in eine Umrahmung im Stil des frühen 17. Jahr- 
hunderts setzt. Ein besonders interessantes 
Stück aber ist der von Josef Storck entworfene 
und 1887 von Bacher ausgeführte Halsschmuck 
aus Goldi-iligran und Perlen (Abb. 11), der 
ornamentale Einzelformen des späten 16. Jahr- 
hunderts zu einer völlig neuartigen Kompo- 
sition verwendet. Auch bei diesem Stück ist 
die Einheitlichkeit der Gesamtwirkung durch- 
aus gelungen. Doch ist das Bedeutende daran, 
daß hier nur die Ornamente selbst aus dem 
Stil einer vergangenen Zeit stammen, die 
Komposition, wohl im Sinne dieses Stiles, 
nicht aber aus der Übertragung bereits vor- 
handener Formen abgeleitet ist. Daher besteht 
hier die Gesamtwirkung nicht aus der eigen- 
artigen stilistischen Überschichtung, sondern 
aus der Verwendung eines Ornamentes in 
einem neuartigen Entwurf. Nun sind aber 
gerade kunstgewerbliche Werke nicht allein 
für sich konzipiert, sondern in einen Zusam- 
menhang gedacht. XVie die Monstranz für die 
Kirche und die Prunkvase für einen Saal, so 
ist der Schmuck für ein Gewand gedacht. 
Daraus ergibt sich auch weitgehend die 
stilistische Situation bei diesem Brustschmuck, 
da er ja nicht für ein Gewand im Stil des 
späten 16. Jahrhunderts gedacht wurde, son- 
dern für eines der achtziger Jahre, das An- 
regungen aus dem 18. Jahrhundert verwertete. 
Daraus ergäbe sich für den Zusammenhang 
wieder eine stilistische Kombination. Darüber 
hinaus ist aber gerade dieses Stück besonders 
aufschlußreich, weil es eben zeigt, daß wohl 
die Absicht bestand, historisch-stilistische Ele- 
mente zu verwenden, das Stiick aber in seiner 
Gesamtkomposition neu zu erfinden. Und so 
ist es auch bei jenen Gegenständen, deren 
sämtliche Teile wir jeweils einer Zeit zu- 
ordnen können. So kopistisch diese Kunst- 
werke also auch vorerst erscheinen i und 
es gibt ohne Zweifel eine Reihe von rein 
kopistischen unter ihnen -, so geht es doch 
bei den bestrangigen von ihnen immer um 
einen neuen Gesamtentwiurf. Bei einigen dieser 
Stücke, etwa der großen Silbervase oder der 
römischen Brosche, könnte hier eingewendet 
werden, daß es sich um zeitlich nahe liegende 
Stile handelt, deren Unterscheidung für uns 
heute deutlicher hervorträte, als es den Künst- 
lern vor hundert Jahren bewußt war. Für 
die Ferstel-lNIonstranz kann das zweifellos 
nicht gelten, da es sich bei ihr um die Kombi- 
nation des 12., 13., 15. und 18. Jahrhunderts 
handelt. Aber auch sonst wissen wir, daß die 
Studien vergangener Stile in der zweiten Hälfte 
des 19. Jahrhunderts sehr genau betrieben 
wurde, wie die Stilkopienblätter vor allem auf 
dem Gebiet der Ornamentik beweisen. Auch 
der Künstler der großen Silbervase muß ge- 
wußt haben, daß die raffiniert ausgeu-"ogenc 
Dekoration des Gefäßes mit dem Stil der 
Bilder nicht übereinstimmt. Diese Verbindung 
an sich nicht übereinstimmbarer, denn nicht 
der gleichen Zeit entstamrnender Elemente 
war aber die eigentlich stilbildende Idee dieser 
Epoche. Nicht aus Unkenntnis oder zu ge- 
ringem Verständnis wurde das unternommen, 
sondern aus bewußter Überlegung, hinter der 
die Vorstellung steht, daß jeder Stil für einzelne 
Aufgaben Bestleistungen hervorgebracht hätte, 
die über seine zeitliche Dauer hinaus in ge- 
wisser XVeise „absolut" gesetzt werden könn- 
ten, und daß durch die durchkomponierte
	        

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