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Full text: Alte und Moderne Kunst XV (1970 / Heft 108)

und Walter Crane-i, so kongenial illustriert 
worden war. Walter Crane war überdies der 
Lehrer von Sykes auf dern Rnyal College of 
Art des South Kensington in London. Man 
glaubt dem Archetypus dieser Sykes' vor- 
schwebetiden Imagination ziemlich nahe auf 
der Spur zu sein, wenn man eine von den 
vielen von Crane erfundenen Figuren darauf- 
hin einmal näher betrachtet, die ganz wie das 
Nlascot vom Rhythmus her inspiriert sind 
(Abb. 2). Anrnutige Gestalten dieser Art lin- 
den sich als Illustration in XV. Crane's be- 
rühmten "(Queen Summer or the Tourney of 
the Lily and the Rose" (1891), das mit Recht 
als eines seiner schönsten Bücher gilt. Es gibt 
noch eine zweite zeitgenössische Äußerung 
über das lllascot zu berücksichtigen. Sie tindet 
sich in dessen Erstveröffentliehung, so nach- 
zulesen in „The Autocar" (Nr. 460), p. 333, 
vnni 11. 3. 1911. Hier steht: „The artist (zu 
erg.: Charles Sykes) explains, that in designing 
this graccful little figure he had in mind the 
Spirit of Ecstasy, who has selected tnad travel 
at her surpremc delight, and has alightcd on 
the prow of a Rolls-Royce car to revel in the 
breeze." Ob die als Vascot dargestellte sehr 
elegante weibliche Gestalt, auf deren Form 
und Benennung wir sogleich zu sprechen 
kommen werden, übrigens tatsächlich die 
idealisierten Züge einer (uns unbekannten) 
Dame, die l.ord Montagu nahestand, wieder- 
gibt, wie eine liebensvaürdige Fama zu be- 
richten weiß, möchten wir dahingestellt sein 
lassen. Wenn sie stimmen sollte, wäre dieser 
Umstand - mit lirwin Panrifskyß zu reden - 
in der Tat der „romantische? Zug des Älascot, 
der sich ideell so gut mit dem „klassischen" 
Ernst der später so berühmt gewordenen 
eckigen Kühlerfrunt des „Silver Ghost" ver- 
bindet. lis ist alles andere als vom Zufall ab- 
hängig. daß die Triangulation der Kühler- 
front in ihrer klassischen Abgevaogenheit der 
Waßverhältnisse genau gleich mit der der 
Tempelfront des Partherions auf der Akropolis 
in Athen ist. 
Glücklicherweise sind wir in der Lage, über 
die Geburtsstunde der ersten serienmäßig her- 
gestellten Autokühlerligur der Welt authen- 
tische Angaben zu liefern, die geeignet sind, 
sowohl das Mascot selbst wie seine vom 
Künstler erdachte Benennung in einem neuen 
Licht erscheinen zu lassen. Der von Sykes 
modellierte Entwurf (Abb. 1) wurde am 
6. 2. 1911 zur Ausführung von RUllS-RUyCC 
angenommen und, wie wir schon hörten, 
anschließend sogleich in „The Autocar" vom 
11. 3. 1911, p. 333, und anschließend in „The 
Car Illustrated" (Nr. 460), p. 153, v.15.3.1911 
veröffentlicht. Das Mascnt zeigt eine in ein 
dünnes schleierartiges Gewand gekleidete 
weibliche Gestalt, deren gleichsam schwebend 
dargestellter Körper von einer bestimmten 
rhythmisierten Bewegung erfaßt ist. Der leicht 
nach unten geneigte Kopf sowie der Ober- 
körper ist vorgestreckt, während die Hüfte 
stark abgebcugt ist. Das rechte Bein ist im 
Begriff, sich soeben ganz leicht vom Boden 
abzustoßen, während der linke Fuß noch auf 
der kreisrunden Plirithe ruht. Dieser Sockel 
dient der wie tänzerisch bewegten Gestalt als 
schmale Basis. Diese Wiederum ist auf der 
kreisrunden Kühlerschraube befestigt. Die 
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