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Full text: Alte und Moderne Kunst XV (1970 / Heft 108)

}Cl'll1Eßl1Cl1 die Profildarstellung gekannt. 
zchenland dagegen und im Anschluß 
in Rom kannten seit jeher beides, sowohl 
Profilhaltung wie auch die En-face- 
tung; und so schließt Will: „. . .en un 
, le triomphe de la frontalite en Syrie 
corde avec Parrivee des legions romai- 
.", und weiter: „. . . la conception de 
"rontalite dappartient pas aux traditions 
'Orient et elle doit son existence a. aucune 
ative orientale soit Parthe, soit populaire, 
apparition cst le fait d'une veritable 
Jlution qui ne peut s'etre aceomplie que 
s Yaction pour laquelle la representation 
face etait normale, cet art est celui de la 
ce cYabord, de Rome ensuite" 17. 
r seien noch Analyse und Interpretation 
Arnold Hauserlß angeführt. Sie sind 
ilge der nicht genauen Unterscheidung von 
idplastik und Reliefbildnerei, was schließ- 
zu einem völligen Mißverständnis des 
minus „FrontalitäW führt, geradezu pein- 
, denn es endet damit, daß der Autor die 
gyptischen Reliefdarstellungen menschlicher 
Jren mit ihrer durch Jahrtausende festste- 
den Profilhaltung des Gesichtes und der Bei- 
liS „frontal" bezeichnet. (Hauser beruft sich 
Lange und Errnan, die jedoch von Rund- 
tiken sprechen.) „Von allen rationalisti- 
:n Formprinzipien der altorientalisthen und 
iesondere der ägyptischen Kunst ist das 
izip der Frontalität das hervorstechendste 
eigentümlichstc. Wir verstehen darunter 
:s von Julius Lange und Adolf Erman 
leckte Gesetz der Darstellung der mensch- 
en Figur, nachdem diese in jeder Stellung 
i Beschauer die ganze Btustfläche zu- 
xdet, so daß der Oberkörper durch eine 
tikale in zwei gleiche Hälften teilbar ist. 
axiale, die breiteste Ansicht des Körpers 
aietende Einstellung sucht offensichtlich 
möglichst klarsten und unkompliziertesten 
druck festzuhalten... In der frontalen 
Stellung der menschlichen Figur kommt 
ch die Wendung des Oberkörpers nach 
n eine betonte Bezugnahme zum Be- 
xuer zum Ausdruck." Hauser zufolge wird 
i durch die Darbietung des Oberkörpers 
: Bezugnahme zum Beschauer hergestellt. 
 
O 0 ' 
also vom Beschauer halb abgewendet ist, und 
daß vor allem das einzig sichtbare Auge in 
die Richtung des Profils blickt, niemals den 
Beschauer anblickt, scheint die „Beziehung 
zum Beschauer", Hauser zufolge, nicht zu 
beeinträchtigen (Abb. 2, 7). Eine größere Ver- 
ständnislosigkeit einem Kunstwerk gegenüber 
läßt sich kaum vorstellen; aber, im Versuch, 
eine einmal gefaßte Vorstellung zu beweisen, 
heißt es weiter: „Die paläolithische Kunst, die 
von einem Publikum keine wie immer geartete 
Kenntnis nimmt, kennt die Frontalität nicht, 
ihr Naturalismus ist nur eine andere Form 
ihrer Ignorierung des Beschauers." Eine Be- 
hauptung, die schwer zu verstehen ist. Und 
weiter: „Die altorientalische Kunst wendet 
sich hingegen direkt (durch die Profilhaltungl) 
dem Rezeptiven zu; ihr Sich-dcm-Beschauer- 
Zuwenden ist. . ." usw. Und um ja keinen 
Zweifel aufkommen zu lassen, daß es sich 
um Reliefdarstellungen handelt, heißt es 
schließlich: „Die ägyptische Kunst weist 
außer der Frontalität noch eine ganze Reihe 
von stehenden Formeln auf... Zu diesen 
gehört vor allem die Regel, daß die Beine 
einer Figur immer im Pronl gezeichnet und 
beide von der Innenseite, das heißt von der 
großen Zehe her, gezeigt werden." 
Von der mesopotamischen Kunst heißt es 
dann noch ähnlich verständnislos: „Die 
menschliche Figur wird nicht nur in strenger 
Ftontalität gezeigt (während sie in Wirklich- 
keit wie die altägyptische streng an der Profil- 
drehung festhält, d. A.) und der Kopf in die 
aufschlußreichste Seitenansicht gedreht. Am 
schärfsten kommt das antinaturalistische Prin- 
zip der Frontalität überhaupt erst in den 
sogenannten ,Portalwächtern( - den ge- 
flügelten Löwen und Stieren der assyrischen 
Bauplastik 7 zur Geltung." Nun sind, wie 
man weiß, diese Tiere auf der Hauptseite in 
reinem Profil, mit den vier sichtbaren, aus- 
schreitenden Tatzen und dann auch noch von 
vorn dargestellt. Soweit Arnold Ilauser. 
In letzter Zeit hat Roman Girshmannl" in 
seinem zweibändigen Werk, das der Kunst 
Persiens gewidmet ist und das Resultat dreißig- 
jähriger Grabungs- und Forscherarbeit zu- 
sammenfaßt, seinerseits zum Phänomen der 
...Ö D... ......... 
logen stehen auch für ihn vor allem der 
Ursprungsort und das erste Aufkommen dieser 
spezifischen Körperhaltung im Vordergrund. 
Aus der umfassenden Kenntnis der Kunst- 
produktion dieser Gebiete ist cr mit dem 
Erscheinen, dem Verschwinden und dem 
kViederaufkommen der Ilrontzilität zu Beginn 
unserer Ära vertraut und kommt zu folgender 
Erklärung: „Lct us consider the Parthian 
works of art in which all the Egures in a 
narrative scene are treated frontaly." Hier sei 
gleich darauf hingewiesen, daß Girshmann 
die Bezeichnung „narrative" nicht in dem 
geläufigen Sinn anwendet und daß sie, unserer 
Meinung nach, hier auch nicht anwendbar 
ist. Aber hören wir den Autor weiter: „For 
the Greek artist, obviously, the undiscriminate 
application of frontality to every figure 
regardless of the part it plays in the action, 
would be unthinkable." Gerade hier ließe 
sich einwenden, wo ja Girshmann selbst von 
„action" spricht, es sich also um eine „narra- 
tive" Szene handelt, daß etwa bei den Giebel- 
darstellungen vom Zeustcmpel in Olympia oder 
dem Methopen des Parthenon, Girshmann 
zufolge, die Frontalität vorherrschen müßte. 
Dem ist aber keineswegs so, im Gegenteil, sie 
ist gänzlich vermieden, und zwar gerade 
darum, weil es sich um eine Narration han- 
delt und in einer narrativen Szene die Haltung 
der Figuren jeweils von der Rolle, die sie in 
diesem Geschehen spielen, bedingt ist (Abb.3). 
Aber folgen wir den Ausführungen Girsh- 
manns weiter. „But it (die Frontalität, d. A.) 
made sense to the Iranian artist, who has 
always envisaged the figures in a narrative 
composition-as it clearly evidenced by the 
silver plaque from Luristan in the Cincinnati 
Museum (Girshmann, l. c., Abb. 11) it is in 
the ,presentation scene" whose action would 
normally associate them with the figures shown 
in side-view composition, that we End the 
moste revealing instances of figures treated 
frontally. These appear most persistently in 
narrative Art ,dedicated to the Service of the 
godsh" Girshmann hat völlig recht, die Fron- 
talität wird in solchen Dedikationsszenen, wie 
ja überhaupt in den Luristan-Bronzen, mit 
auffälliger Nachdrücklichkcit verwendet. Aber, 
9 

	        

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