Internationaler Kunstspiegel
KUNSTSCHÄTZE AUS DEM STAATLICHEN JÜDISCHEN MUSEUM IN PRAG
lautete der Titel einer von der Österreichischen Kulturvereinigung mit
Unterstutzung des Kulturamtes der Stadt Wien durchgeführten Ausstellung.
Die von Architekt Walter Prankl eingerichtete Schau im MUSEUM FÜR
VOLKERKUNDE konfrontierte mit 381 Exponaten, darunter auch dem hier
abgebildeten Thoraschild mit hebräischer Inschrift aus dem Ende des
18. Jahrhunderts (Abb. 21).
Neue Bilder, Zeichnungen und Radierungen von ERNST FUCHS präsentierte
die GALERIE ARIADNE in Wien. ..Cherub" nennt sich die nebenan
veroffentlichte Zeichnung des Künstlers, die auch als Vorwurf für einen
- mit 300 S sehr preiswert angeschriebenen - Farbsiebdruck des
„Oberhauptes" derWiener Schule des phantastischen Realismus diente (Abb. 22).
JOSEF PILLHOFER, von Alfred Schmeller ,.als der strengste unter den strengen
Bildhauern" apostrophiert, stellte in der GALERIE AUF DER STUBENBASTEI
neue Bronzcn und Zeichnungen aus - eine sehr geschlossen wirkende, stille
Exposition von erfreulicher Qualität, die beste in dieser Galerie seit längerer
Zeit (Abb. 23),
G. S. GUDLAUGSSQN, in Wien lebender isländischer Maler, wurde von der
GALERIE SEILERSTATTE, Wien I, zu einer Personalschau eingeladen.
Gudlaugssons neue, farbenprächtige Blätter (zumeist Hochformate) erinnern
trotz ihrer landschaftlichen Assoziierbarkeit an die Malerei eines Corneille, die
ebenfalls stark strukturbetont ist. Eine Ausstellung unterschiedlicher
Qualitäten, die jedoch trotzdem einige Fortschritte in der Malerei des lsländers
erkennen ließ (Abb. 24).
In der GALLERIA D'ARTE VENEZIA prasentierte GOTTFRIED FABIAN, der
in Voitsberg beheimatete Maler, 44 neue Bilder. Der dazu herausgebrachte
Katalog enthielt Texte von Hans Hartung und Giuseppe Marchiori. Als
Beispiel dieser Schau unsere Abbildung einer Fabian-Graphik links
(Abb. 25).
GERHARD WEISSENBACHER und HERWIG ZENS stellten in der
GALERIE BASILISK aus. Aus Anlaß ihrer Kollektiven erschien auch eine
Radiermappe zum Preis von 700 S. Zwei Zeichnungen als ausgewählte
Beispiele dieser Schau finden sich nebenstehend veröffentlicht (Abb. 26, 27).
Grafik, Siebdrucke, Objekte in Holz und kleinere Multiples des Italieners
MARCELLO MORANDINI waren in der NEUEN GALERIE AM JOANNEUM
in GRAZ zu sehen (Abb. 28).
Es der dem rumänischen Maler ION TUCULESCU (1910-1962) gewidmeten
Sonderausstellung im WIENER KUNSTLERHAUS stammt das hier
wiedergegebene Olbild „Clepsydra" (Abb. 29).
Plastiken und Handzeichnungen von 1960 bis 1970 zeigte der Schwechater
Bildhauer KARL M. SUKOPP in der GALERIE DER ERSTEN OSTER-
REICHISCHEN SPAR-CASSE IN DER PASSAGE WIEN I, Hoher Markt 4'
Wildpretmarkt (Abb. 30).
PAUL ROTTERDAM, der in Cambridge, Massachusetts, USA, lebende und
lehrende osterreichische Maler, zeigte im DE CORDOVA-MUSEUM in
LINCOLN eine Ausstellung mit 30 Arbeiten aus dem Zeitraum von 1967
bis heute, darunter auch - wie unser Photo eines Triptychcns mit dem Titel
"Substanz 135" zeigt - eine großere Anzahl reliefartiger dreidimensionaler
Arbeiten mit Environmerit-Tendenz (Abb. 31).
ANTON KREJCAR, 1923 geborener Wiener Maler, wurde mit neuen Bildern
von der auf Künstler aus dem Kreis der Wiener Schule spezialisierten
GALERIE PElTHNER-LICHTENFELS vorgestellt (Abb. 32).
Ein bibliophiler, für Sammler gleichermaßen interessanter wie
aufschlußreicher Heftkatalog, für den Peter Jung verantwortlich zeichnete,
erschien aus Anlaß der ..KUNSTSCHAU 70" in der KIRCHE ST. PETER
A. D. SPERR in Wiener Neusradt. An der Exposition, in deren Rahmen auch
Lesungen von Elfriede Gerstl, Werner Kofler, Hannes Schneider, Elfriede
Jelinek und anderen slattfanden, nahmen folgende Maler und Graphiker teil:
Franz Ringel Robert Zeppel-Sperl, Martha Jungwirth, Peter Pongratz,
Kurt Kocherscheidt, Peter Jung, Peter Rataitz, Gisela Schinzel,
Hans Prätterhofer (Abb, 33), Ernst Skricka, Drago Prelog, Günter Povaly,
H. Helmut Kurz-Goldenstein, Gotthard Fellerer, Otto Eder. Peter Baum
Münzbilder und Grafiken des Medailleurs HELMUT ZOBL waren vom 22.
Mai bis 31. Juli in der ZAHNARZT-GALERIE Dr. OTHMAR E. BIERMAIERS.
Wien 5, Margaretenstraße 77, zu sehen.
Mit seinen Münzbildern aus dem erweiterten Zyklus „Neue Welt" zeigt
Zobl die Möglichkeit einer zukunftsbezogenen Gestaltung des österreichi-
schen Munzgeldes auf. In den Radierungen und Handzeichnungen wird man
mit unregelmäßigen Schnitten durch Menschen, Mikroben und utopisch
anmutenden Wesen konfrontiert. Mit den Schnitten will er auf die
Zersplitterung der Menschheit hinweisen.
Wir zeigen hier die Grafik „Geköpfter Tod sofort", 1970, 50x70 crn
(Abb. 34) und eine Münze aus dem Zyklus „Neue Welt", Goldpragung,
D 60mm (Abb. 35). n