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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XVI (1971 / Heft 115)

des Brüsseler Hofbildhauers Jan van Delen

aus der Kathedrale St. Gudula auf der einen

Seite, Zeichnungen, Tonmodelle, Kleinplastik

auch mythologischen Themas in Holz, Ton, Silber

 und Elfenbein auf der anderen Seite deuten

hier die Vielfältigkeit der Produktion nur an,

die für Grupellos von 1670 bis 1695 währende

Brüsseler Schaffenszeit besonders wichtig war.

Wie eng etwa die Beziehungen der Kunst am

Niederrhein zu dem Quellinus-Schüler Rombout

Verhulst waren, zeigen die 1716 entstandenen

drei Sandsteinbüsten des Grabmals Hüchtenbruch

 aus der evangelischen Kirche von Hünxe

in Westfalen von Johann Wilhelm Gröninger.

Zu den zumeist in Holland tätigen Bildhauern

gehören Johannes I-Iannaert, Johann Blommendael

 mit einer Büste Willems III. von Oranien

und Johannes Schmeltzing in Leiden, Francis

van Bossuit in Amsterdam oder Jan Baptist

Xavery, z. T. deutlidi unterschieden von den

Strömungen in Flandern.

Ähnlich wie für zahlreiche in Paris und Versailles

 tätige Bildhauer flämischer Abstammung

 ist besonders die kirchliche Plastik Flanderns

 auch für die im frühen 18. Jahrhundert

am Hof des bayerischen Kurfürsten in München

 tätigen Guillielmus de Grof und Charles

Claude Dubut im Zusammenhang mit den

Topoi der internationalen Hofkunst, d. h. hier

vor allem der Kunst am Hofe Ludwigs XIV.

von großer Bedeutung. Das gilt vor allem für

das Porträt, auch in Form des Standbildes

(Giuseppe Volpini) und des Reiterdenkrnals,

aber audi u. a. für die mythologisch-allegorische

 Gartenfigur.

Grupellos vor 1716 für Schloß Bensberg, das

Versailles am Rhein, entstandene Marmorgruppe

 von Scylla und Glaucus (Abb. 3) vereinigt

 sowohl flämisclme wie audi französische

Elemente und läßt sehr deutlich das Vorbild

der seit 1710 audu in Düsseldorf in der großen

Antikenabgußsammlung vorhandenen Venus

Medici erkennen. Die Wirkung dieser Antiken,

der großen Bestände im Kunst- und Münzkabinett

 sowie der heute in München aufbewahrten

 Gemälde des Peter Paul Rubens und

Anthonis van Dydt lassen sich nicht nur bei

Grupello, sondern zum Teil auch bei den

für den Düsseldorfer Hof arbeitenden Kleinplastikern

 Antonio Leoni und Ignaz Elhafen

und bei einzelnen Medailleuren wie Johann

Selter nachweisen. Wünschenswertes Ergebnis

der Ausstellung wäre, mehr über Düsseldorfer

(und Heidelberger) Bildhauer wie Philipp

Macrander, Heinrich Charasky, Peter van den

Branden, Michael Chatelan oder über den Grupello-Epigonen

 Ignaz Osterspey zu erfahren.

Wie Berlin unter Andreas Schlüter - Jacobis

(P) bronzene Reduktion des Reiterrnonuments

des Großen Kurfürsten ist für die Ausstellung

noch nicht sicher - eine eigene Stellung einnimmt,

 so läßt sidi auch der relativ kleine

Beitrag von Florenz auf dieser Ausstellung mit

den Namen Giovanni Battista Foggini, Massimiliano

 Soldani, Giuseppe Piamontini und Giovacchino

 Fortini bezeichnen, deren Bronzebildwerke

 zum Teil direkt als Geschenke Großherzog

 Cosimos III. an den Düsseldorfer Hof

gelangten. Die berühmte, in München und

Windsor vorhandene Jahreszeitenserie Soldanis

wird durch ein Relief des „Sommer" aus

Lawrence, Kansas, vertreten. Audi hier werden

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noch zahlreiche Einzelfragen, vor allem das

Verhältnis zur französischen Hofkunst, zu klären

 sein. Die Medaille Fortinis von 1721 zeigt

den gealterten Schwiegervater Johann Wilhelms

 (Abb. 10). Andere Arbeiten stammen

von Francesco Pieri, Filippo della Valle und

Agostino Cornacchini.

Obgleich möglicherweise einige bedeutende Bildwerke

 von Corneille van Cleve, Etienne le

Hongre (aus Dresden) und Antoine Coysevox

fehlen werden und trotz der erzwungenen Beschränkung

 auf Zeichnungen, Elfenbeinarbeiten,

Tonmodelle und Bronzereduktionen - sieht

man von einigen Marmor- und Bronzebüsten

Frangois Girardons und seines Kreises ab -,

wird sich der Betrachter doch ein Bild von dem

machen können, was Grupello in Paris und

Versailles an für ihn wichtigen Gartenfiguren,

Standbildern und Reitermonumenten vorgefunden

 hat. Es ist nicht ausgeschlossen, daß er sich

audi unter dem Eindruck von Frangois Girardons

 1699 aufgestelltem Reiterdenkmal Ludwigs

 XIV. zu der heutigen Form des bronzenen

Monumentes seines Kurfürsten auf dem Düsseldorfer

 Marktplatz entschlossen hat, während in

den Planungen der Typus des steigenden Pferdes

 vorgesehen war, wie ein früherer Entwurf

für das Denkmal von dessen Vater, Philipp

Wilhelm (Abb. 9), beweist. Die französische

Reiterstatuette Georgs I. von England steht

hier stellvertretend für eine ganze Reihe von

Kahinettstücken, die die Wirkung versdiiedener

Erfindungen und ausgeführter Monumente des

späten 17. Jahrhunderts zeigt (Abb. 11).

Charles le Bruns dominierende Stellung in

Versailles wird in einigen Entwurfszeichnungen,

u. a. für Gartenfiguren der Grande Commande

 1674, deutlich. Für die meist bronzenen

Bildwerke, die seine Erfindungen widerspiegeln

und die Gartenplastik ohne ihr Ambiente wiedergeben

 müssen, seien die Namen Anselme

Flamen, Gaspard Marsy, Domenico Guidi genannt,

 während Sebastien Slodtz und Philippe

Bertrand sowie Nicolas und Guillaume

Coustou teilweise schon Tendenzen der Zeit

um und nach 1700 vertreten. Gegenüber der

frühen Ceres des Michel Anguier (Abb. 12),

dessen hochberühmte Amphitrite in einem Exemplar

 des Musee des Arts Decoratifs, Paris,

vertreten ist, erscheint als Beispiel der Raptusgruppen

 der von Frangois Girardon signierte

Raub der Proserpina aus Straßburg, daneben

auch die Äneasgruppe nach Pierre Lepautre, in

pathetischem Ausdruck mit gesteigertem Anspruch

 auch akademischer in der Form, ähnlich

Girardons frühem Madonnenmedaillon (nach

1657). Medaillen, Antikenreduktionen, spätere

Marmorvarianten und zahlreiche Kleinbildwerke

 sind Zeugnisse der typenbildenden und

äußerst einflußreichen französisduen Hofkunst,

die ganz auf die Person des Sonnenkönigs zugeschnitten

 ist, dessen Bestrebungen auch die Düsseldorfer

 Residenz nachzueifern sich bemühte

(vergl. Abb. 13, Bronzebüste Ludwigs XlV.).

Die Ausstellung soll die Diskussion sowohl um

das Werk des technisch äußerst versierten Grupello

 in seinen verschiedenen Entwicklungsstufen

 und Einflußbereichen wie um allgemeinere

Fragen der Ikonographie, von Vorbild, Typenreihe,

 Replikenkritik, von persönlichem Stil und

Werkstatteinheit auch unter dem besonderen Gesichtspunkt

 von Material und Technik anregen.
            
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