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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XVI (1971 / Heft 116)

les Meisters Theoderich, nachzuweisen, daß die

Kopien der Karlsteiner Genealogie in Wirkichkeit

 viel genauer sind, als man bis dahin

nnahmg. Wir können an ihnen, wenigstens

um Teil, die für unsere beiden Meister beeichnenden

 Stilmerkmale wahrnehmen. Die

chlanken Figuren Nimrods, Jupiters, Priams

i. a., gekleidet in fließende Gewänder, deren

)raperien große Sdilingenfalten bilden und in

ange Zipfel auslaufen, sind für den Meister A

harakteristisdi. Dagegen können die vollen,

ntersetzten, gleichsam gekrümmten Gestalten

Joahs, Bels, Ninus u. a. dem Werke des Meiters

 B zugesprochen werden.

Es ist mehr als wahrscheinlich, daß der Meister

1 die ältere Schicht der flämischen Kunst, verreten

 z. B. durch die astrologische Handschrift

iloane MS 3983 ebenso wie die Pucelle-Tradiion,

 kennengelernt hatte und daß er mit dem

lluminatorenstil bekannt wurde, welcher sich

1 Paris um 1356 im Werke des „maitre aux

oqueteaux" angekündigt. Andererseits müßte

zan auch jene Elemente beaditen, die seine

ialerei mit dem Aufriß des Glockengeschosses

er Straßburger Münsterfassade verbinden, obleich

 in diesem Fall ein Werk aus späterer Zeit,

m oder nach 1370, vor uns steht. Meister B

erdankte unzweifelbar mehrere Elemente seier

 Kunst dem Meister A. Zugleich verraten

edoch seine Gemälde einige Ähnlichkeit mit

em Hohenfurter Zyklus, mit Miniaturen des

iber Viaticus Johanns von Neumarkt und der

aus Mariae, insbesondere aber mit den Morein-Tafeln.



Pie angedeuteten Stilzusammenhänge können

lit historischen Quellen in Einklang gebracht

2

werden. Aus ihnen geht hervor, daß bereits vor

dem Jahre 1357 der Maler Nikolaus Wurmser

aus Straßburg in Diensten Kaiser Karls beträchtliche

 Summen verdient hatte. Er war

auch Eigentümer eines Gehöftes im Dorfe

Moiina bei Karlstein. Dieses Dorf gehörte in

den Jahren 1352 bis 1365 dem Emmauskloster.

Nidlts steht der Annahme im Wege, daß

Wurmser mit unserem Meister A identisch ist.

Aus der kaiserlichen Urkunde von 1359, in der

Wurmser aufgeboten wird, fleißiger („diligentiori

 studio") Ortschaften und Burgen auszumalen,

 kann der Schluß gezogen werden, daß dieser

 Maler nidlt mehr alle ihm von Karl IV.

gegebenen Aufträge allein bewältigen konnte".

Es sdteint daher sehr wahrscheinlich, daß er

sich aus diesem Grunde mit dem Meister B,

einem vermutlich einheimischen (.3) Maler, verband

 und mit ihm zusammen eine Werkstatt

gründete.

Ausschlaggebend für die Entwicklung dieser

Werkstatt war die in den Jahren 1354 bis 1355

erfolgte Verlegung des kaiserlichen Hofes nach

Italien, wo es zum Kauf der Bilder von Tomaso

da Modena kam, eines Vertreters der fortschrittlidien

 Ridirung trecentesker Malerei. Tomasos

Aufenthalt in Böhmen ist nid1t erwiesen". Es

kann jedodi geschlossen werden, daß die hiesigen

 Maler Tomasos Wandgemälde von Treviso

 gesehen hatten. Der Einfluß der italienischen

 Werke ist nicht nur im Stammbaum

(Saturnus, Ludovicus Balbus, Pharimundus) erkennbar,

 er fällt ebenso in Emmaus auf, etwa

bei der Mannalese, wo die Gestalten in zwei

einander durchdringenden Ellipsen angeordnet

sind, womit die Komposition von Tomasos

1 Nikolaus Wurmser von Straßburg (a), Ausrreibu

urslrorii aus dem Paradies (Aussdinitt). Prag-Emmi

1360

2 Nikolaus Wurmser vnn Straßburg (e), Himmelfahrt

(Ausschnitt). Prag-Emmaus, um isoo

1 Nikolaus Wurmser voii Straßburg (P), Das mit der

bekleidete Weib. Prag-Emmaus, um 1360

ANMERKUNGEN lz-ix (Anm. 9-11 s. s. n)

"Reproduktionen VOn Tomasos Gemälden finde! der

Leser im mßrmgraplllsihcn Werke L.Colettis. Tom:

Modena, voriodlg lsss.

1- Vgl, r. Burgcr. noursulio Malerei. l. Berlin 1913. s.

und J. Clhulka _ A. Msrdiaok. viidai uloha Pra

vvrvsrriem umlirii, in: co daly risso rsma Evropä a l

1, Prag 1940. S. 76.

H J. Oplll, soslisrsrvi v coolisdi zu doby Lucemburkü

1935, S. 17 ff. -- V. Kramif, Madona se sv. Kater

Marliötou Mzsrskelio lnusca v coskyoli liudziovioidi,

1937. s. so. - J, Pciina, Pudoba a podobizny Karla 1'

UniversitasCarolinn,Philosophien l. 1955, s. 24. _ J. l-K

 prohlematicc ksrlliririskvsii riisrzmivdi maleb. in:

1958. S. 4.

ß Quellen und Literatur zu diovom Problem vgl. K. sr

Nasremia malby kliirrrs Na slovuiiodi v Praze-Emau

hlediska ctnngrafickäho s kulrurria liisroriokrlio. in:

lid, 1968. S, 127, Anm. 12 (dl. Ren).

H Vgl. o. Schmidt. Johann von Trnppau und die vorrom:

Budimalerei, in: Studien zur Budimalisrei und Goldsdil

kunst des Mittelalters, In! Festschrift iiir x. H. Usenet

burg an der Lahn m7, s. mit. _ K. Stejskal,

Eeska lßlltSinCf, otiiiiv s souassriosr, m7, No 4, s.

H K. Sreiskal, Recke ori-kv v riasrdriiryoli malbäd! sloval

klihcra v Pravc-Emauzidl, irii slovsosky orrlilrd,

s. m n. -_ Dors, Hisrurislerende Tendenzen iii der

der Zeit Karls lv., in: XXIlc corigres hlttfllätiünäl

mire de l'Art, Resumas, Budapest 1969, s. 188. - Zur

iivrsiiriiiisdior Manuskripte 1h vsrisilrg vgl. l. ]. Tiki

Die Gcncsismosaiken vori s. Marco in Venedig und ili

hältnis zu der corroo-lliool, m. Aom Academlae scienl

Fcnnivae XVII, llelsingliorslav 1866. S. 205 ff. f O. E

Die Mosaiken von San Marco in Venedig 1110-1300,

ms, s. s: f. - l-l. Buchthal, lllusxrations of the Sri

Troy iu Fourrooiiili Cunnlry Vvllice. Vortrag vom s

1968 am 1. Convegno IHKIIKHIUAOHIIC ili Sroria delln (

vsiioriorio m Venedig.

w Das mit orsairiuom Elrlbflnd vrrrolirrir Buch trug im J

die hussitische Gesandtschaft "um KOHSIBHIiHDPCl, vor

kam es rmoli Reims, wo die frnnzösisdlen Könige dsrs

„Texte du Sacrc" bei dor Kronungsfeler sdiworroii

l_. Leger, t-lzvsrigalisiro slsvori de Reims dir Texte du

Reimx-Prague 1899.
            
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