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Volltext: Das österreichische Bauwesen

Bezirksstraßen (in Einzelfällen sind allerdings stre 
ckenweise vollständige Neubauten vorgesehen), die 
im Konkurrenzweg zwischen Landesregierung und 
den beteiligten Bezirksvertretungen landesstraßen 
mäßig auszugestalten und sodann als Landesstraßen 
in die weitere Erhaltung der Landesregierung über 
gehen sollen. Die Durchführung des Gesetzes ist 
allerdings von der Sicherstellung der notwendigen 
Mittel abhängig. 
5. Gemeindestraßen und -Wege, die von den 
Gemeinden erhalten werden. 
6. Privatstraßen von besonderer Wichtigkeit, 
die dem öffentlichen Verkehr freigegeben sind; 
dazu gehören vorzugsweise Porststraßen des Bun 
des, des Landes oder des Privatbesitzes. Die Erhal 
tung obliegt den betreffenden Verwaltungsstellen. 
Die unter 3 und 4 genannten Straßen wurden 
erst in den letzten Jahren über ganz besondere Ein 
flußnahme der Landesregierung geschaffen, ein Be 
weis für die Bedeutung, die diesem Gebiete der Lan 
deskultur beigemessen wird. 
Mit der Schaffung der unter 4 bezeichneten 
Konkurrenzstraßen soll im besonderen — abgesehen 
von der finanziellen Entlastung der schwer bedräng 
ten Bezirke — für späterhin aus mehrfachen Gründen 
im Interesse der Sache ein einheitlicher Erhaltungs 
vorgang sichergestellt werden, wie er sich in der 
Bundesstraßenverwaltung bereits bestens be 
währt hat. 
Die Verhältnisse für den Bau und die Erhaltung 
von öffentlichen Straßen in Steiermark sind, wie für 
alle Alpenländer, aus den bekannten Gründen ganz 
außerordentlich erschwert und mit besonderen 
Kosten verbunden. Das entsprechende Schotter 
material ist vielfach nur an einzelnen Stellen und 
gewöhnlich in beschränkter Menge vorhanden. Es 
muß oft auf lange Strecken und sogar aus anderen 
Bundesländern zugeführt werden. Die klimatischen 
Verhältnisse wirken auf die Fahrbahn und die Bau 
werke ungünstig ein, die Bauzeit ist durch sie auch 
fallweise wesentlich eingeschränkt. Im Lande sind 
verhältnismäßig wenig Eisenbahnen, weshalb der 
Schwertransport sich auf langen Straßenstrecken 
abwickelt. 
Während des Krieges insbesondere hat das 
Land durch den erhöhten Verkehr ganz ungewöhn 
lich gelitten. Aus den entlegensten Landesteilen 
wurde jede erreichbare Holzmenge und ebenso von 
den vielen zerstreut liegenden Bergwerken ver 
schiedenster Art die Rohprodukte zunächst durch 
Fuhrwerke, späterhin zum großen Teil durch lange 
Zeit nur mit eisenbereiften Lastkraftwagen und in 
der Regel ohne die geringste Rücksicht auf die Wit 
terung und den Zustand der Straßenfahrbahn ver 
frachtet. 
Da während und nach dem Kriege lang hindurch 
die finanziellen und sachlichen Mittel, wie auch die 
persönlichen Kräfte für die Straßenerhaltung fehlten, 
haben fast sämtliche Straßen in einer Weise gelitten, 
daß die Abwicklung des sich immer mehr gesteiger 
ten Kraftwagenverkehres aufs äußerste bedroht war. 
Dank der vielfachen Bemühungen durch die maß 
gebenden Stellen und nicht zuletzt auch durch die 
Anerkennung, die der Bedeutung der Straße als 
Verkehrsmittel in neuerer Zeit allenthalben gezollt 
wird — es sei hier auch der aufklärenden Tätigkeit 
der Straßengesellschaften gedacht — darf nunmehr 
doch eine durchgreifende Besserung angenommen 
werden, zumal diese, wenn auch naturgemäß noch 
langsam, so doch einigermaßen in Erscheinung tritt. 
Die Straßen im allgemeinen, die mit dem Em 
porkommen der Eisenbahnen in der zweiten Hälfte 
des vorigen Jahrhunderts zum Teile ihre Bedeutung 
für den großen Durchzugsverkehr verloren hatten, 
haben mit dem Auftreten des Kraftwagens als all 
gemeines Verkehrsmittel zur Beförderung von Per 
sonen und Gütern nicht nur ihre frühere Bedeutung 
wieder gewonnen, sondern dieselbe sogar in un 
geahnter Weise überholt. 
Diese durch den Kraftwagenverkehr ver 
ursachte Verkehrsverschiebung war die Ursache, 
daß das bestehende Straßennetz, insbesondere in 
seinen Hauptverkehrsadern, in verhältnismäßig 
kurzer Zeit eine für dasselbe — man kann wohl 
sagen — katastrophale Verkehrsbelastung zu über 
nehmen hatte, ohne dieser Überlastung konstruktiv 
gewachsen zu sein und ohne den infolge der geänder 
ten Verhältnisse hinsichtlich der Instandsetzung und 
Erhaltung der Straßen gestellten Forderungen wirk 
sam Rechnung tragen zu können. 
Der Wendepunkt für die erwähnte Verkehrs 
umstellung war für die westeuropäischen Staaten 
wie England und Frankreich, sowie für Nordamerika 
beiläufig um die Jahrhundertwende; für Mittel 
europa hingegen trat diese auf verkehrspolitischem 
Gebiete einschneidende Änderung erst ungefähr mit 
Beginn des Krieges fühlbar in die Erscheinung. Da 
her mußten in letzteren Ländern die Maßnahmen, die 
geeignet sind, den neuzeitlichen Verkehrsverhält 
nissen durch entsprechende Bau- und Erhaltungs 
methoden zu entsprechen, in die Zeit nach dem 
Kriege, also in eine Zeit, wo auch auf anderen Wirt 
schaftsgebieten aufgebaut werden mußte, ver 
schoben werden. 
Wenn bedacht wird, daß anläßlich der Aus 
gestaltung der Straßen für den neuzeitlichen Ver 
kehr, von der Straße der guten alten Zeit kaum mehr 
als die Grundfläche übrigbleibt und sonst eigentlich 
alles neugestaltet werden muß, so ist ungefähr die 
Unsumme an Arbeit und Geld zu ermessen, die not 
wendig ist, um die Straßen den Kulturforderungen 
der Neuzeit anzugleichen. 
Die alte Straßenführung, ebenso wie die bis 
herige Fahrbahnkonstruktion, ist zunächst für den 
Durchzugsverkehr überholt. Daher sind auch die 
Methoden für die Ausgestaltung der Straße und ihrer 
Erhaltung gänzlich verschieden von jenen der Vor 
kriegszeit. 
Heute sind nach jahrelangem Bestreben bereits 
jene technischen Grundlagen geschaffen, die es er 
möglichen und erwarten lassen, daß, soferne die er 
forderlichen Geldmittel bereitgestellt werden, der 
Zustand der verkehrswjchtigsten Bundesstraßen 
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