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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XVI (1971 / Heft 118)

'l Jettmar

IM WERK

IDOLF JETTMARS

Jdülf JeNmar, Türme des Trotzes, 1912. Ul.

f 21.11 X113; 3 e

in man nur von biographischen Daten und

ziellen Würdigungen ausgehen wollte, könnte

Rudolf Jettmar als einen erfolgreichen und

erordentlich typischen österreichischen Künstler

r Generation einstufen, die sich noch in der

te des kaiserlichen Wiens entfalten durfte. Wie

it und so viele andere stammte der 1869 Geboaus

 Nordböhmen. Die Hauptstadt hat ihn

ezogen und - nach einer Periode bitterer Armut

intensiver Arbeit - mit Stipendien, Preisen

ripreis 1896, Reichelscher Künstlerpreis 1905)

Aufträgen belohnt. Er gehörte zu den frühen

lliedern der Secessian, den Mitgestaltern des

Q SACRUM". Er fand Anschluß an die große

ellschaft, er malte für Wittgenstein und war

der Fürstin Thurn und Taxis in Duino zu Gast.

en zwanziger Jahren schmückte er einen Wohnder

 Gemeinde Wien mit großen Wandgemäl-Er

 entwarf Briefmarken und schließlich auch

Urkunde für die Ehrenmitglieder der Wiener

tarmaniker, unter denen der musikalisch Hochabte

 persönliche Freunde fand.

ei ist klar, daß Jettmar als Grafiker höchste

nische Perfektion erreichte. Kühle und Sicherheit

Strichs prädestinierten ihn zum Radierer. Er

f über 130 Blätter, die von der Albertina ausnahmslos

 bis 1918 gesammelt wurden. Großartig

auch in der Farbe sind seine - fast unbekannten -

Aquarelle, während an den Ulgemälden häufig

manieristische Erstarrung zutage trat: Jettmar war

ein Grübler, ein allzu strenger Richter seiner selbst.

So gingen in immer neuen Ubermalungen Unmittelbarkeit

 und Zupacken verloren. Außerdem aber

fehlte diesen Bildern der adäquate Rahmen; sie

waren für Repräsentativräume gedacht, die die

Zeit schuldig bleiben mußte. Bewundert wurden von

ie seine in Dämmerung gehüllten Landschaften, die

indes kaum den Weg in die Öffentlichen Sammlungen

 fanden.

Dieser glatte Lebenslauf, der seit 1910 nach durch

eine Professur der Wiener Akademie abgesichert

war, sagt iedoch so gut wie nichts über den Menschen

 und sein Werk aus. Rudolf Jettmar war von

vornherein ein Fanatiker seiner Begabung, mit unerbittlich

 scharfem Auge ausgestattet, ohne Spur

von Konzilianz, mit einem Streben nach Vollkommenheit

 geschlagen, das ihn in einer Welt allzu

vieler „Männer ohne Eigenschaften" zum Sonderling

werden ließ. Er besaß echtes Gefühl für Monumentalität

 und hatte ein stets waches lnteresse für

iene Phasen der Geschichte, in denen menschliche

Größe zur Entfaltung kamen. So las er immer wieder

die Schriften Jacob Burckhardts und erbaute sich

an den bösartigen Epigrammen Grillparzers. Er

hätte der Maler für die Denkmäler ienes größeren

Österreichs werden können, das vor seinen Augen

zerbrach. Es ist kein Zufall, daß er seine Förderer in

dem Kreis um Franz Ferdinand fand. Historisches

Verständnis schützte ihn schließlich davor, mit ienen

vielen Kollegen gemeinsame Sache zu machen, die

alles Heil von der endgültigen Liquidierung Österreichs

 erwarteten. „Ja, man will ietzt wieder Größe,

aber man verwechselt Größe mit Brutalität", kommentierte

 er die Ereignisse von 1938, ein Jahr vor

seinem Tode. Dabei war er persönlich scheu, vermied

 iede Zurschaustellung seiner Person. Er lebte

in seinen vier Wänden wie ein Pedant und verteidigte

 diese lnsel mit einer oft in Grobheit umschlagenden

 Entschiedenheit. Niemals war er bereit,

sein Werk zu kommentieren oder zu erklären.

Andererseits hob er Naturstudien, ldeenskizzen und

Aktzeichnungen in solch mustergültiger Ordnung

auf, daß sich der Entwicklungsgang fast eines ieden

Werks dokumentieren lößt. Dabei ist ein Zunehmen

des Selbstgesprächs zu beobachten. Die letzten

Arbeiten sind geradezu darauf angelegt, nicht dem

Zeitgesehmack entgegenzukommen. Wenn es Partner

gibt, dann sind es die Meister der Vergangenheit.

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