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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XVI (1971 / Heft 119)

Berichte

In INNSBRUCK wurden in der

Berichtszeit in der GALERIE IM

TAXISPALAIS drei wichtige

Ausstellungen geboten. Als erste ist

iene Gedächtnisausstellung für den

iung verstorbenen Bildhauer

ANDREAS URTEIL zu nennen, die vom

8. Juni bis 4. Juli geöffnet war. Man

kannte I7 Figuren und 21 Graphiken

sehen. Von dem noch ganz

geschlossenen, kompakten

„PferdesdiödeW aus dem Jahre 1956

bis zu dem flammengleichen „Kleinen

Wächter" aus dem Jahre 1962 wurde

ein schöner Ausschnitt aus dem

CEuvre des ungemein fleißigen

und begabten Künstlers geboten. Man

konnte daher Urteils Entwicklung und

auch sein Wollen gut erkennen. Man

sah den Weg von der gliedermäßigen

Verblockung über eine Phase der

Verknorpelungen der Gelenke, bis zu

den brennenden Gestalten seiner

letzten Zeit. Die gezeigten Zeichnungen

waren fast durchwegs aus späteren

Jahren, was wohl darauf zurückgeht,

daß frühere Arbeiten in Privatbesitz

sind. Es war eine sehr wichtige

Ausstellung, von der zu hoffen ist,

daß sie in ähnlicher Form in vielen

anderen Städten gezeigt wird, so daß

das Werk des Verstorbenen nicht

vergessen wird und seine Stimme

weiter zu uns spricht (Abb. 13).

In der Zeit vom 20. Juli bis zum

14. August war'die Ausstellung

KONSTRUKTIVE TENDENZEN

ZWISCHEN DEN WELTKRIEGEN in

der GALERIE IM TAXISPALAIS zu

sehen. Es handelte sich um Exponate

aus der Baseler Sammlung Carl

Laszlo. Neben den Werken von sehr

bekannten Künstlern wie Van

Doesburg, F. Kupka, EI Lissitzky,

K. Malewitsch, L. Moholy Nagy u. a.

waren eine ganze Anzahl sehr guter

Arbeiten von weit weniger Bekannten

iener Epoche vertreten, die uns

zeigen, daß iede Zeit viele Facetten

hat und selbst ein solcher Ausschnitt

wie der Konstruktivismus seine

verschiedenen Spielarten kennt, daß

alle ihre Berechtigung haben und zur

Entwicklung beitrugen, es zeigt auch,

daß manche zu Unrecht vergessen

wurden, weil es wohl zu ieder Zeit

Kritiker gab, die nur „ihre" Leute

gelten ließen und ähnlich Hansiörg

Graf behaupteten, daß „Toleranz

überall am Platz (ist), nur nicht im

Bereich der Künste." (FAZ 12. Vll. 71)

(Abb. I4).

Die dritte Ausstellung in dieser

Galerie war den ZEICHNUNGEN

VON ALBIN EGGER-LIENZ

gewidmet. Die 41 Blätter aus

verschiedenen Sammlungen gaben

Einblick in den Schaffensbereich von

1881 bis 1926. Schon aus dieser

Spanne ist ersichtlich, daß die

Auffassung und Arbeitsweise des

Malers bei den ausgestellten

Graphiken sehr verschieden ist.

Finden wir bei den Zeichnungen vor

der Jahrhundertwende noch oft

Arbeiten um ihrer selbst willen, so

sind es nachher fast ausschließlich

Studien zu großen und bekannten

Bildern. Dieser Bestimmung nach ist

bei den letzteren vieles offener,

beziehungsweise in der Linienführung

auf den einfachen Strich reduziert,

wobei freilidi gerade hier die

Sicherheit und Kraft des Meisters zum

Ausdruck kommen (Abb. 15).

In KITZBUHEL zeigte in der kleinen

46

Galerie BEI INFELD in der Zeit vom

30. Juli bis 21. August PETER BAUM

Graphiken. Eisenätzungen,

Radierungen und Monotypien gaben

von den mit der Handschrift

korrespondierenden „Zeid1en" des

Künstlers einen gewissen Überblick.

Seine Gestaltungen sind eine Symbiose

von spontaner Pinselführung und

überlegtem Stricheinsatz (Abb. 16).

VILLACH stellte in der GALERIE AN

DER STADTMAUER in der Zeit vom

13. bis 30. Juli Werke von

GUENTHER KRAUS aus. Der in

Wien lebende Kärntner bewies auf

engstem Raum, daß er in vielen

Sätteln zu reiten versteht. Sowohl die

Graphik, die Malerei, als auch die

Plastik gaben in dieser Schau einen

Eindruck vom Schaffen dieses

Künstlers. Das Modell seines

Betangusses „Elemente", das in

einer Höhe von 4 Metern und einer

Länge von 6 Metern im

Strandbad Wörther See ausgeführt

ist, bildete den Mittelpunkt. Wie es

Kraus hier um zeichenhafte Elemente

geht, so auch bei den Graphiken und

Malereien. Die Kunstharzbilder

bringen klare Elemente in reinen

Farbabwägungen und weisen oft zu

Kraus' Email- und Glasarbeiten.

Die Graphiken, Eisenätzungen zeigen

neben der eigenen moluskelhaften

Formenwelt einer Periode aurh

fotografische Reolitätseinschlüsse in

die vom Künstler stereotyp in

verschiedenster Kombinatorik

gebrauchten Kraus-Formen

(Abb. 17).

KLAGENFURT hat durch die Tätigkeit

der GALERIE MAKON einen großen

Gewinn. Vorn 21. Juli bis 23. August

stellte in ihr MARGARETHE HERZELE

aus. Olbilder, Aquarelle und

Eisenätzungen gaben Einblick in das

Schaffen der iungen Frau. Es handelt

sich dabei meistens um phantastische

Geschichten, die die Künstlerin, die

auch bereits als Lyrikerin in den

KONFIGURATIONEN veröffentlicht

wurde, erzählt. Bezeichnend für

Herzele sind die Farbstiftzeichnungen,

kleine Foeme kindlichen Fabulierens,

die sich in den Bildern mit

„ongelegten" Farbböden zu einer oft

grausigen Story vereinen (Abb. 18).

Das KUNSTLERHAUS KLAGENFURT

beherbergte vom 14. Juli bis I. August

Werke der drei Künstler HEINZ

GLAWISCHNIG, ADI HOLZER und

HUGO WULZ. Von Glawischnig

waren 23 plastische Arbeiten zu

sehen. Formballungen, Gruppen, die

immer in Varianten neu aufsd1einen.

Von Adi Holzer sind besonders die

Don-Quiiote-Bilder zu nennen, die

uns neue Facetten aus Holzers Schaffen

zeigen. Natürlich erzielte er mit

seinen Siebdrucken wieder den

größten Erfolg. Hugo Wulz brachte

mit seinen Kunstharzbildern einen

launigeren, grimmi-humorigen Ton in

die Ausstellung. Die üppig wuchernden

Gestalten seiner phantastischen

Realitäten geben mit Recht zu

denken (Abb. 19).

DTas-KRASTAL ist mit dem

STEINBRUCH LAUSTERN nun schon

das zweite Mal Schauplatz der

BEGEGNUNG KÄRNTEN, die heuer

in den Monaten Juli und August

stattfand. Malerei, Bildhauerei und

Dichtung standen auf dem Programm.

Das Schwergewicht lag, nicht nur in

Kilogramm, bei den Bildhauern, was

kein Zufall ist, ging dadi von ihnen

die Idee aus, die ursprünglich zu einem

Bildhauersympasian geführt hatte

und erst voriges Jahr zu

umfassenderen Gesprächen erweitert

wurde. So sind auch vor allem die

Künstler OTTO EDER, GUENTHER

KRAUS, HANS MUHR und OSWALD

STIMM zu nennen, die hier Werke

geschaffen haben, die sie nicht so

leicht an einem anderen Ort erarbeiten

hätten können. Von den Malern sind

FRANZ MARTINZ und

MARGARETHE HERZELE, von den

Dichtern ANTON FUCHS und

HERBERT KUHNER zu erwähnen.

In LINZ stellte vom 17.Juni bis

I8. Juli in der NEUEN GALERIE der

Finne JUHANI LINNOVAARA aus,

dessen Werke vorher schon in Wien

und Graz gezeigt wurden. Linnovaara

ist ein Maler, der Sinn für Humor hat.

Seine puppenartigen Gestalten sind

trotz ihrer Kopfverkümmerungen,

trotz oder vielleicht gerade wegen

ihrer Reduzierungen, Andeutungen,

des Bildes im Bilde, das sich zur

Fratze unseres fernsten Ahnen

verdichtet, ein ungemein

erfrischender Witz, an dem wir nicht

vorübergehen sollen und der mit

Recht bei der letzten Biennale in

Venedig aufgefallen ist (Abb. 20).

Auch in LINZ, in der GALERIE MAERZ,

waren vom 16. Juni bis 7. Juli

Arbeiten von HANNES HASELECKER,

HIROMI AKIYAMA, OSAMU

NAKAYIMA und KENJI YOSHIDA

ausgestellt. (Leider werden uns von

dieser Galerie nur unzureichende

Informationen und Materialien

zugesandt, so daß wir nichts weiter

darüber berichten können.)

KIRCHDORF in Oberösterreich hat in

SCHLOSS NEUPERNSTEIN eine neue,

rege Galerie. Vorn 1B. bis 23. Juli

stellte man Arbeiten von HENNY

TAMM vor. Es wurden hauptsächlich

Malerei und Glasuren von ihr gezeigt.

Vom 25. bis 30. Juli waren die

Meditationsmalereien des FRANZ

MILAN WIRTH zu sehen. F. M. Wirth,

der schon lange nach einer ihm

eigenen Aussageform sucht und bis

ietzt in einer tachistischen Periode die

besten Leistungen aufweist, hat nun

zu meditativen Obiekten gefunden.

Seine Olbilder zeigen meist kreisrunde

Zeichen auf einem nur wenig

gegliederten Grund, der mit schwach

nuancierten Farbteilungen zum

eigentlichen Punkt der Sammlung

hinführen will (Abb. 21).

GRAZ war vom B. Juni bis 4. Juli mit

der NEUEN GALERIE Schauplatz einer

sehr wichtigen und eindrucksvollen

Dokumentation des ungarischen

Avantgardisten LAJOS KASSAK. Der

1887 geborene und 1967 verstorbene

Künstler arbeitete aufs engste mit

den Konstruktivisten und Dadaisten in

aller Welt zusammen, war in den

zwanziger Jahren Mitbegründer und

Herausgeber zahlreicher Schriften,

und die Ausstellung zeigte wieder

einmal, wie alt sowohl alle

lettristischen als auch

montagemäßigen Gestaltungen schon

sind. 86 Obiekte, Collagen,

Druckgraphiken, Graphiken und

Gemälde wiesen Kassak als einen

der Ersten seiner Zeit aus. Von

Malewitsch und Lissitzky beeinflußt,

sind besonders seine graphischen und

typographischen Blätter von einer

besonderen Klarheit, eine Arbeit wie

„Linolschnitt III" aus dem Jahre 1920

hat nichts an Gültigkeit verloren. Ein

Bild wie „Keparchitektura Vl" aus der

Jahre 1930 nimmt vielem, was heute

unter neuester Flagge fährt, den Wim

aus den Segeln. Ausstellungen wie

diese sind ungemein wertvoll, zeigen

sie dodt deutlich, wo wirklicher

Neubeginn war (Abb. 22).

Im MARKT NEUHODIS wurden,

anläßlich des fünfzigicihrigen

Bestehens des Burgenlandes, im

KASTELL vom 29. August bis

17. Oktober Plastiken und Graphiken

von RUDULF KEDL ausgestellt. Der

Künstler zeigte Treibarbeiten, üppige

Formen, Kombinationen und

Gruppierungen in Buntmetall. Die

Strenge, fast an heraldische

Ordnungsschemen erinnernden

Werke, die Kedl in letzter Zeit

stark bevorzugt, führen zu

Assoziationen mit indischen

Fruchtbarkeitsfiguren, womit der

Künstler wieder an seine schon vor

Jahren bei plastischen Treibarbeiten

begonnenen Thematik Jungfrau-Mutter

 anknüpft (Abb. 23).

BAD TATZMANNSDORF beherbergte

in der GALERIE QUELLENHOF vom

22. August bis 16. September eine

Schau von Aquarellen der Keramikeri

CHRISTINE ELEFANT-KEDL.

Am Schlaßplatz von LAXENBURG

wurde in der GALERIE des

LANDESVERBANDES DER NÖ.

KUNSTVEREINE eine sehr interessantz

Ausstellun von KINDERARBEITEN

AUS DEM WALDVIERTEL gezeigt

(Abb. 24).

LANGENLOIS stellte in seiner

SOMMERGALERIE im Juli, August unc

September Malerei und Graphik von

W. A. BERGNER aus. Der iunge

Maler, der von Futurismus und

Kubismus beeinflußt wurde,

verspricht uns noch mit interessanten

Arbeiten zu überraschen.

ROSSATZ in der Wachau ist mit dem

ATELIER KELLERHAUS des JÖRG

HIETZGERN ein für den

Kunstinteressierten neuer Anziehungs

und Haltepunkt in dieser Landschaft.

Vorn 26. Juni bis 28. August hatte der

Künstler in seiner Handdruckwerkstötti

eine Schau von Graphiken und

Druckgraphiken geboten.

BADEN bei Wien hat mitder KLEINEI

GALERIE AM HAUPTPLATZ eine neu:

sehr rege Ausstellungsfalge zu

verzeichnen. KARL ANTON WOLF

zeigte in den Räumen der

Buchhandlung Zweymüller und auf

dem Hauptplatz seine Graphiken und

Plastiken in der Zeit vom 3. bis

15. Juli.

Von ROSEMARIE BENEDIKT waren

vom 24. Juli bis 11. August keramische

Arbeiten zu sehen.

Alois Vage

HINWEIS: Die redaktionelle

Neuplanung und Umgestaltung des

modernen Teiles unserer Zeitschrift

(sie tritt mit Beginn 1972 in Kraft)

bedingt, daß in diesem Heft nur noch

eine sehr kleine Anzahl von

Ausstellungen besprochen werden

konnte. Die wichtigsten Ereignisse -

darunter etwa die Exposition van

Walter Pichler im Museum des

20. Jahrhunderts - werden iedoch

insofern entsprechend nachgetragen,

als über besonders interessante

Künstler fortlaufend

Einzeldarstellungen geplant sind, die

ebenfalls in einer graphisch neuen

Form erscheinen sollen.
            
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