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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XVII (1972 / Heft 120)

aire Lemoine-lsabeau

L'homme de Neuvitte"-er

 Mann aus Neuwied

der David Roentgen

n Brüssel

Y

wehe Bildtexf 3, Raum 6 4, Raum 7 V

O

In den Aufzeichnungen des Karl Alexander von

Lothringen, „Journal Secret" genannt, in dem

der Statthalter der österreichischen Niederlande

seine persönlichen Ausgaben und die beim

Spiel und anderen Gelegenheiten erlittenen Verluste

 eintrug, finden wir kurze Anmerkungen

über Käufe von Kunstwerken. Gelegentlich stehen

 die Namen der Künstler dabei, doch macht

die persönliche Handschrift des Statthalters ihre

Identifizierung oft schwierig. In den meisten

Fällen nahm sich Prinz Karl nicht die Mühe,

den Namen des Künstlers genauer anzugeben

und schrieb einfach: „un larroin" oder „un

d'Anvers" oder eben „l'homme de Neuvitte"

(der Mann aus Neuwied). Dieser „homme de

Neuvitte" scheint in den Aufzeichnungen von

1775 bis 1779 auf und wurde bereits 1928 von

Hans Huth als David Roentgen, der berühmte

Kunsttischler aus Neuwied, identifizierth Er lieferte

 hauptsächlich zwei große, intarsierte Panneaus,

 die für das Palais in Brüssel bestimmt

waren.

Einige Dokumente, die wir kürzlich in den

„Archives generoles du Royaume" in Brüssel

ausheben, ermöglichen uns, die Tätigkeit

Roentgens in den österreichischen Niederlanden

 zu präzisiereni.

David Roentgen (1743-1807) war Sohn und

Schüler des deutschen Kunsttischlers Abraham

Roentgen, in dessen Werkstatt in Neuwied (bei

Koblenz) er mitarbeitete und dessen Platz er

später einnahm.

lm August 1774 begann er den europäischen

Markt zu erobern. Da er gebildet, geschickt und

geschäftstüchtig war, hatte er schnell Erfolg

und wurde vor allem Lieferant der Höfe Frankreichs

 und Rußlands.

Die erste Spur, die wir von Roentgeri in Brüssel

fanden, geht auf den Frühling des Jahres 1775

zurück. Es handelt sich um ein Gesuch des

Kunsttischlers an den „Conseil des Finances" in

Brüssel, in dem er um besonders günstige Bedingungen

 für die Einfuhr seiner Möbel in die

österreichischen Niederlande bittet. Diese Maßnahme,

 die er immer traf, wenn er einen neuen

Markt erobern wollte, scheint keinen Erfolg gehabt

 zu hoben]. Wahrscheinlich zählte er seit

dieser Zeit zu den Lieferanten des Karl von

Lothringen, obwohl die erste Lieferung, die wir

mit Sicherheit feststellen konnten, erst in den

Mai 1775 fällt. Prinz Karl bezahlte ihm nämlich

am 26. Mai 50 doppelte Souvereigns (etwa 900

Gulden) für zwei Sekretäre und einen Schreibtisch;

 später, am dorauffolgenden 18. November,

 8 Louisdar (104 Gulden) für eine Kassettet.

Zur selben Zeit begann Roentgen seinen Kundenkreis

 auf die Umgebung des Statthalters zu

erweitern; Madame de Crumpipen, die Gemahlin

 des Kanzlers von Brabant, bestellte bei ihn-i

einen Toilettetischs.

In Zukunft war Roentgen ein regelmäßiger Lieferant

 des Brüsseler Hofes, zumindest bis zum

Tode des Prinzen Karl.

Nachstehend, in chronologischer Reihenfolge,

die Käufe, die wir nachweisen konnten.

Im August 1776 liefert „der Mann aus Neuwied"

Karl von Lothringen „einen Schreibschrank, auf

dem eine Uhr ist... mit vielen Geheimnissen".

Der Prinz gibt ihm eine ähnliche Uhr zurück, die

er schon besaß, und zahlt die stattliche Summe

von 5950 Gulden. Die Uhr, welche Karl von

Lothringen zurückgibt, als ob sie nunmehr unnütz

 wäre - vielleicht war sie der des neuen

Schreibschranks zu ähnlich - hatte er bereits

früher einmal bei Roentgen gekauft, zu einem

Zeitpunkt, den wir nicht genau wissen. Dieser

Kunstschrank mit Spieluhr wurde im Brüsseler Palais

 aufgestellt, und zwar im Schreibzimmer des

Statthalters, wie wir später noch sehen werdenf.

Anmerkungen 1-12

lHans Huth: Abraham und David Roentgen ui

Neuwieder Möbelwerkstatt, Berlin, Deutscher Ve

Kunstwissenschaft, 1928.

F. Windisch-Graetz: Möbel von David Roenti

„Alte und moderne Kunst", 1963, Nr. 69, p. 31-35.

Siehe auch die Bibliographie in: J. Viäux: Biblic

du meuble, Mobilier civil francais, Paris, 1966, p.

711211 möchte nidit versäumen, folgenden Herren

allerherzlichsten Dank auszusprechen: Herrn Jeai

Präsident der „Societe reyale de Numismatickue

gien, dessen umfassende Kenntnisse und kluge a

eine große Hilfe für midi bedeuteten. Herrn Dr. Ha

Ebrenkurator des „Art Institute", Chikago, der so

würdig war, mich an seinem profunden Wissen i

Kunst Roentgens teilhaben zu lassen, sawle

Dr. Franz Windisch-Graetz, der es mir ermöglic

Schönheit dieser Möbel kennenzulernen.

Verwendete Abkürzungen:

A.G.R. Archives generales du Rovaume, Br

Dort befinden sich;

S.E.G. Secretairerie d'Etat et de Guerre.

cr. Ä Conseil des Finances.

Mss. divers : diverse Manuskripte

M.C.L. : Maisan de Charles de Lorraine.

C. PI. Cartes et Plans.

25. März 1775. Siehe C.F. 630, fol. 49 versa; C

t 26. Mai und 18. November 1775; siehe Anhang 1.

5 Mss. divers 3110: Brief von Weiss, Kabinettssekri

Karl von Lothringen, an Giron, Kämmerer des

datiert 5. Oktober 1775, Mariemont: Madc

Crumpipen, Gemahlin des Kanzlers von Brabant,

faire au meme ebeniste ollernand qul a ver_idu r

de ses ouvrages a 5.A.R.", einen Tailettetisch,

21. September aus Neuwied abgeschickt wurde

Ihre Königliche Hoheit adressiert war._Da der He

Mariemont aufhielt, bittet Weiss Giron, ihn i

Ankunft der Kiste in Kenntnis zu setzen.

fSiehe Anhan 1, 23. Au ust 1776, und Anhan 2,

gust 1776. C. . 6911. am . September 1776 stel te I

passeport pour la sortie e" exemption de droits c

d'une caisse contenant une grande glendule

nomme Roentgen reexpartera a l etranger aus.

Anhang 1, 19. September 1777.

' Anhang 3, 21. Februar 1778.

'C.F. 5444. ln einem Brief an den „Tresorier g

datiert 6. März 1778, Brüssel, leitet Crumpipen r

positiven Empfehlung eine Bitte Roent ens weiter

kleine Kisten zollfrei ausführen zu dür en; die bc

Aufstellung gibt an, daß drei Kisten „des tabls

ont servi de modeles paur San Altesse Royale"

ten, und vier Kisten „des ouvrages de branze

eie dores a Bruxelles pnur servir dornementt

meubles". Roentgen nahm also mindestens drei Bi

C.F. 6911: der Paß wurde ihm am folgenden 7. M

gestellt.

'" Mss. divers 3110: Brief von M. H. De Pree an I

Lothringen, Köln, 23. Februar 1779. er schidit i

Kiste von Roentgen, die die Aufschrift SNI tr

778 Zentner wiegt.

"Siehe Anhang 4 und 5. Die Briefe Roentgens

sich in einem an Giron adressierten Korres onde

Claude Giron, ein Lothringer, vielleicht Sa n eii

narren, besaß nun Einfluß auf Karl von Lathrini

dem er durch die Bankinhaberin Nettine Untersti

erhielt und für den er Löhne, Renten und vers

Rechnungen zahlte. Giron vermittelte Zusamm

und verfaßte die Urkunden. Raeritgen hatte vei

sich gut mit Giron zu stellen, und hielt ihn üb

Lieferungen auf dem laufenden. Nach dem Tod

von Lothringen kam man darauf, daß Giron 16.lJlJ(

veruntreut hatte. Möglicherweise war die dari

stehende Untersuchung der Grund dafür, da

Korrespondenz erhalten blieb. In Wirklichkeit

der erste Brief Roentgens vom 12. März 1776: er

aus Lünicti, daß er die rrpendule a instrumenl

bei der Lotterie gewannen habe. Es handelt sich

um dieselbe Lotterie, die der Kunsttisctiler i

Brief an Karaline-Louise von Baden im Dezem

erwähnt. Siehe H. Huth, p. 57, n. 32.

" C.F. 6567: Brief des Baron de Beeten an d. ,

principaux des Draits de S. M.", Herve, B. N

J. M. Rummer (1747-1812). Siehe H. Huth, p. 47.
            
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