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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XVII (1972 / Heft 120)

wurde am 23. Mai, nach zehn Tagen Fahrt,

entladen. Roentgen traf kurz danach ein.

Am 28. Mai schreibt Karl von Lothringen in sein

Buch: „Vu la läre piece de mat tapisserie de

bois pose". („Das erste Stück meiner Tapisserie

aus Holz angebracht gesehen") Später, am

1. Juni: „Vu ma Chambre d'Odience finis".

(„Mein Audienzzimmer vollendet gesehen") Am

darauffolgenden Tag erhält Roentgen die vereinbarten

 1000 Louisdor für die Panneaus des

Audienzsaales".

Ein anderer Transport, diesmal weniger außergewöhnlich,

 war noch unterwegs. Er hatte Neuwied

 am 20. Mai verlassen und enthielt sechs

Kisten kostbarer Möbel, die an den Statthalter

adressiert waren. In Wirklichkeit waren sie für

Leute seines Kreises bestimmt, die gewöhnlich

so die Zölle umgingen. In drei Kisten befanden

sich: ein Schrank, ein Zylinderbureau (Schreibtisch

 mit Rollverschluß) uncl ein kleiner Schreibtisch

 für den General Comte de Ferraris; ein

Schreibtisch war für den Präsidenten de Wavrans

bestimmt; ein Schreibschrank für den Prince de

Gavre". Außerdem waren nach drei Klappsessel

 auf dem Wagen, die Roentgen persönlich

Karl von Lothringen übergeben wollte".

In Anbetracht des Wohlwollens, das Karl von

Lothringen ihm entgegenbrachte, bat Roentgen

ohne Zögern um den Titel „Artiste-ebeniste et

machiniste du prince". Zudem versuchte er, eine

Art Instandhaltungsvertrag für die bereits gelieferten

 Möbel abzuschließen, denn er hatte feststellen

 müssen, daß die Mechanismen nicht mehr

intakt waren. Der Titel wurde ihm gewährt, obwohl

 es scheint, daß er nie diesbezügliche Urkunden

 erhielt. Was die Instandhaltung der

Möbel betrifft, erklärte Karl von Lothringen, daß

er es Roentgen wissen lassen werde, falls er seine

Dienste benötige".

Eine letzte Lieferung Roentgens nach Brüssel

finden wir im Oktober (1779?) Es handelt sich

um eine Bestellung des Prince de Gavre, einen

Teil seines Schreibschrankes zu ergänzen und an

den alten anzupassen".

In der folgenden Zeit begegneten wir Roentgen

in Brüssel nicht mehr. Wahrscheinlich verlor er

durch das Ableben Karls von Lothringen im

Sommer des nächsten Jahres (4. Juli 1780) seinen

besten Kunden in Brüssel und konzentrierte sich

nunmehr ganz auf den Pariser Markt.

Da wir unsere Untersuchungen nur bis zum

Jahre 1780 führten, wissen wir nicht, ob Roentgen

 unter der Herrschaft der Erzherzogin Marie-Christine

 und ihrem Gemahl, dem Herzog von

Sachsen-Teschen, weiter nach Brüssel kam.

Diese chronologische Übersicht der Tätigkeit

Roentgens zeigt also, daß er sich einen Kundenkreis

 unter den einflußreichen Persönlichkeiten

des Brüsseler Hofes geschaffen hatte.

Joseph de Crumpipen (1737-1809), dessen Gemahlin

 einen Toilettetisch bestellte, war Kanzler

von Brabant; man erinnert sich an seine Unbeliebtheit

 anläßlich der Reformen Josefs ll.

Louis Francois de Wavrans (1715-1785), dem

Roentgen einen Aktenständer und einen Schreibtisch

 lieferte, war Präsident der „Chambre des

Camptes" und ein liebenswürdiger Junggeselle.

Der Prince de Gavre, welcher im Mai 1779

einen Sekretär erhielt, der wenig später ergänzt

wurde, war „Grand Marechal de la Cour".

General Comte de Ferraris (1726-1814), dessen

Bestellungen am bedeutendsten waren (ein kleiner

 Schrank, ein weiterer Schrank, ein Zylinderbureau

 und ein kleiner Schreibtisch) war „Directeur

 general de l'ArtiIlerie" der Niederlande

und hatte gerade die berühmte Landkarte der

österreichischen Niederlande vollendet; er war

außerdem ein intimer Freund Karls von Lothringen.



Hinzuzufügen ist noch der Name des „Duc

d'Arenberg", der anläßlich eines Besuches von

Roentgens Geschäft im Jahre 1779 in Köln sechs

Sessel bestellte". Bisher konnten wir den Standort

 der Möbel, die an diese verschiedenen Personen

 geliefert wurden, nicht feststellen.

Wir sehen weiters, daß Karl von Lothringen

zwischen 1775 und 1779 etwa ein Dutzend Gegenstände

 von Roentgen kaufte:

zwei Sekretäre und einen Schreibtisch, für 900

Gulden, im Mai 1775; eine Kassette, für 104 Gulden,

 im November 1775; eine ziemlich

Uhr, für 2225 Gulden, vor August 1776, als

Roentgen zurückgab; einen Kunstschran

Spieluhr, für etwa 8200 Gulden, 23. August

ein kleiner Tisch für ungefähr 400 G

September 1777; zwei intarsierte Panneai

13.650 Gulden, 1778-1779; zwei in Holz

legte Porträts; zwei Kassetten mit Fede:

drei Klappsessel, Ende Mai 1779.

Bekanntlich befinden sich ein Paar Spiel

der Kunstschrank mit Spieluhr und die intar:

Tafeln des Audienzsaales in Wien, im

reichischen Museum für angewandte Kun:

anderen Möbel sind schwer unter den z.

chen Stücken zu identifizieren, welche i

beim Tad des Prinzen aufgestellten lnv

listen angeführt sind. Dabei wurden die P

der Hersteller im allgemeinen nicht ein

Unter den Rechnungen des Hauses Kai

Lothringen, die schon zu Lebzeiten des P

in Unordnung waren, fanden wir erst zw-Roentgen.



Bevor wir die im Wiener Museum befinc

Möbel behandeln,.beschäftigen wir uns t

mit dem Brüsseler Palais, wo diese Möbe

rend des I8. Jahrhunderts aufgestellt i

denn die Geschichte dieses Bauwerkes ist b

Das an der Stelle der heutigen „Bibliot

Royale" gelegene Palais des Hauses Or

Nassau wurde von Karl von Lothringen g

und fast vollständig wiederaufgebaut. E:

dert sich in einen halbkreisförmig eingezc

Eingangstrakt, der an die alte Zufahrt de

burg in Wien erinnerte, und vier um

rechteckigen Hof gebaute Flügel.

Im ersten Stock waren die Räume des St

ters und seiner Schwester Charlotte. t

Ende seines Lebens ließ Karl von Lothi

ein leidenschaftlicher Bauherr, die gesam

koration der Empfangsräume, die zu

privaten Gemächern führten, erneuern; da

den rechten östlichen Flügel und den hi

Teil des Palais. Nach seinem Tod und vor

seit der französischen Besatzung wurd

Palais den verschiedensten Zwecken zug
            
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