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fullscreen: Alte und Moderne Kunst XVIII (1973 / Heft 130 und 131)

Friedrich Czagan 
Japanische 
Färberschablonen des 
19.Jahrhunderts 
Die öltesten Gewebereste, die in Japan gefun- 
den wurden, sind etwa zweitausend Jahre alt. 
Schon damals, in der mittleren Yayoi-Zeit also, 
war die Weberei vom Festland, von China und 
Korea, beeinflußt. Doch nicht nur Techniken, 
auch Musferungen und Ornamente wurden über- 
nommen. So wurde z. B. die Rautenform von 
den Chinesen gründlicher als von irgendeinem 
anderen Volk ausgewertet; Rauten mit aufge- 
brochenen Kamen, gezackte Rauten scheinen für 
China bezeichnend zu sein und kamen mit dem 
Buddhismus nach Japan. Ein formales Dekorma- 
tiv der chinesischen Han-Zeit ist auch der soge- 
nannte „Wolkenballen", ein aufgerolltes, ge- 
 
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wundenes Band, das andere gegenständliche 
Elemente in seinen Windungen einschließt und 
so zu einem Gesamtmuster verbindet (Gustav 
Klirnt: Stocletfries). Spiralen, Zickzackbönder, 
Flechtmuster und manches andere finden sich 
aber schon in der Joman-Kultur, und es führt 
ein ununterbrochener Weg von den Ornamen- 
ten der japanischen Höhlenmalereien, der Waf- 
fen usf. bis in unsere Zeit. Die iapanische Tra- 
dition klarer und präziser Ornamentformen ist 
im ganzen Bereich ihres Kunsthandwerks nach- 
zuweisen. 
Die Webergilden stellten Gebrauchsartikel für 
die oberen Klassen her. Die reichen und kampli- 
zierten Muster verlangten großen Arbeitseinsatz 
am Webstuhl, und so wurden diese Gewebe zu 
einem Luxus- und Exportartikel. Die Aufwendig- 
keit bei der Herstellung gewebter Muster for- 
derte die Handwerker schon immer heraus, ein- 
fachere Mittel zu ersinnen, um Textilien mit Mu- 
sterungen zu bereichern, sie, zumindest für den 
Blick, wertvoller zu machen. Verfahren, die dem 
Batiken verwandt sind, bei denen also alle 
Stellen im Stoff, die keinen Farbstoff aufneh- 
men sollen, mit Wachs abgedeckt werden, gab 
es schon seit uralten Zeiten (Rokechi). Daneben 
wurden Verfahren entwickelt, bei denen das
	        

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