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Full text: Alte und Moderne Kunst XVII (1972 / Heft 122)

Österreichs Museen besitzen, nicht nur im ge- 
samten gesehen, eine Vielfalt van Kunstsamm- 
lungen unschätzbaren Wertes, sondern auch in 
einzelnen Sammlungen selber sehr kostbare Ra- 
ritäten, die ihresgleichen in der Welt suchen. 
Eine solche stellt die Obiektegruppe des so- 
genannten „Hamza-R0mones" dar, die seit dem 
Jahre 1873 im Besitz der heutigen Kunstblätter- 
sammlung der Bibliothek des Österreichischen 
Museums für angewandte Kunst ist. Zum hun- 
dertiährigen Jubiläum der Wiener Weltausstel- 
lung 1873 sind in vorangegangenen Heften un- 
serer Zeitschrift einige Themen behandelt wor- 
den. Im Anhang daran folgt dieser Beitrag. 
Gleichfalls var hundert Jahren nämlich bewirkte 
eine glückhafte Fügung, daß im persischen Pa- 
villon der Weltausstellung vom damaligen Lei- 
ter der Bibliothek des Österreichischen Museums 
für Kunst und Industrie sechzig Blätter der vor- 
liegenden Handschrift aus der Zeit der Mogul- 
kaiser - eines der bedeutendsten Zeugnisse der 
islamischen Kunst des I6. Jahrhunderts - ent- 
deckt wurden. Und nicht nur entdeckt, sondern, 
in ihrer künstlerischen Bedeutung sehr wohl ein- 
geschätzt, sofort für die iunge, im Aufbau be- 
findliche Bibliothek des Museums erwarben wer- 
den konnten. Wenn man auch noch bedenkt, 
daß gerade auf dieser Weltausstellung 1873 in 
Wien erstmals Europa mit der Welt des Nahen 
und Fernen Ostens konfrontiert wurde, so ist 
diese damals ad hac vorgenommene Erwer- 
bung von heute her gesehen als besonderer 
Glücksfall zu bezeichnen. 
Die romanhafte Erzählung liegt in einer Reihe 
van Bruchstücken vor, aus denen der Verlauf 
der Geschichte in den wesentlichen Zügen re- 
konstruierbar ist. Allerdings sind die dem Mu- 
seum gehörenden Blätter nur ein geringer Teil 
des Ganzen. Darüber hinaus existieren nach 
zwölf persische, drei arabische und eine tür- 
kische nichtillustrierte Ausgabe. Die „sagenhafte 
phantastische Dichtung, die sich nur in wenigen 
Punkten an die geschichtliche Figur ihres Helden 
hält" (Glück), hat doch im ganzen gesehen einen 
historischen Hintergrund. Emir Hamza mit sei- 
nem Beinamen „der Fürst der glücklichen Kon- 
stellation" war ein Onkel des Propheten Mo- 
hammed, der an den ersten Glaubenskämpfen 
des Islam teilnahm, bei der Schlacht bei Badr 
erwähnt wird und in der Schlacht bei Uhut im 
Jahre 625 den Tod fand. 
In die sagenhaft ausgeschmückte Geschichte die- 
ses Helden schieben sich nun folgende histo- 
rische Ereignisse: 
'l. die islamische Eroberung van Syrien und 
Persien; 
2. die Kämpfe des Islam gegen den Kaiser von 
Byzanz; 
3. die Kämpfe zwischen den sassanidischen per- 
sischen Königen und Byzanz; 
4. der Feldzug des Sassanidenkönigs Chosrau I. 
(531-578) gegen den Kakhan, den Herrscher 
der Turkvölker Transoxaniens. 
Aus dem letzteren wird in dem Roman das Auf- 
treten Hamzas am persischen Hof geschildert 
und damit der Beginn der ganzen Erzählung. 
Jener sossonidische König Chosrau tritt als 
Aenuschiraewan im Roman auf. Zu all dem aber 
tritt auch die Geschichte der mohammedani- 
schen Eroberung Indiens, wodurch eine gewisse 
Angleichung des Kampfes der Großmogule an 
die Eroberungszüge Hamzas entsteht. Durch die- 
sen komplizierten historischen Hintergrund er- 
geben sich manche Vermischungen, so wie Aenu- 
schiraewan zum Teil als Auftraggeber Hamzas 
und sein Verbündeter, da Hamza seine Tochter 
heiratete, auftritt, andererseits aber doch als 
Iranier gegen den Islam steht. Abgesehen von 
diesen historischen Grundlagen, zeigt der Ro- 
man in der Fassung des späten I6. Jc 
derts - als wahrscheinliche: Datum seint 
stehung müssen die siebziger Jahre des I! 
hunderts angenommen werden - die Auf 
der verschiedenartigsten Heldensagen um 
tungemSo wurde vieles von iahrhunderteal 
gentradition zurück bis zurOdyssee und de 
ander-Romanen in dieser Dichtung verarl: 
In kurzer Inhaltsangabe geht es in dem 
um folgende Geschichte: In der Varges 
werden der Hof des Perserkönigs Aenus 
wan und seiner Wesire wie die Jugend I- 
beschrieben. Der erste Teil beginnt mit 
Aufstand gegen den Perserkönig, bei dem 
zu Hilfe eilt und nach dem für den Köi 
fachtenen Sieg nach Mekka zurückkehrt. 
schiraewan holt aber Hamza wieder in 
Hauptstadt; dort verliebt sich Hamza 
Tochter des Königs, Mihrnigar. Im folg 
werden eine Reihe von Abenteuern Hamz 
schildert, aus denen er immer wieder als 
heimkehrt. Alle diese Unternehmungen sin 
auf die Intrigen der Wesire des Königs z 
zuführen, die die Heirat Hamzas mit de 
zessin verhindern wollten. So zieht Harn 
gen den König von Ceylon und befreund 
dort mit seinem anfänglichen Gegner Lot 
hur, der von da an einer seiner treuestt 
gleiter bleibt. Weiter kämpft er gegen E 
gegen die Ägypter und unternimmt eine 
lang dauernde Aktion gegen das Geist 
im Kaukasus. Dort heiratet er eine Gen 
er schließlich den eroberten Teil des l 
schenkt, die auch bis zum Schluß der Erzt 
mehrfach wieder auftaucht. Nach all 
Abenteuern und endlicher Rückkehr au' 
Kaukasus findet die Ehe mit Mihrnigar st 
folgenden aber gerät er mit dem Perse 
in Streit, der nach Abessinien flieht un 
Hamza verfolgt wird. Hamza wird dc 
kurze Zeit gefangengenommen, von : 
treuesten Freund Emr befreit und kehrt s 
lich als Sieger wieder zurück. In einem 
lichen Streit mit dem Perserkönig wird f 
gar ermordet und an ihrem Grab der trat 
Hamza gefangengenommen, von Freundei 
wieder befreit. 
Im zweiten Teil führt Hamza eine Reih 
Heldentaten und Feldzügen gegen Unglä 
das sind die Franken, die Byzantiner, d 
nischen Feueranbeter und die Sonnenai 
Hamza wird dabei von seinen Söhnen Ul 
keln und einem Bruder unterstützt, der: 
bens- und Liebesgeschichten in die Erz: 
eingeflochten werden. In diesem Abschnitt 
wohl historische Ereignisse aus der mittelt 
chen Geschichte des Islam ihren Nieder: 
Am Ende dieses Abschnittes resigniert de 
serkönig Aenuschiraewan, und sein Sohn tri 
Islam über. Dieses Ereignis weist auf die e 
tige Eroberung Persiens durch den Islam u 
Mohammedanisierung dieses Landes hin. 
Im dritten Teil erscheint ein Riese, Zun 
Schah, mit einem Heer von Zauberern, Ul 
diesem verbündet lraeg, der Anführer der 
anbeter. Wieder erlebt Hamza viele Abe 
und Schlachten gegen diese Feinde, b 
viele von ihnen zum Islam und erreicht St 
Iich den Tod und die Besiegung der I 
Anführer. Die Blätter der hier vorlieg 
Handschrift stammen zum größten Teil am 
sem Abschnitt. 
Den Schluß der Erzählung bildet die Rüt 
Hamzas nach Mekka und das Zusamment 
mit seinem Neffen, dem Propheten Mohai 
mit der großen historischen Schlacht von 
in der Hamza als Glaubensheld fällt. An 
Seite finden seine Freunde Laendaehur 
und Sae'd den Heldentod. In diesem Teil
	        

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