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Full text : Alte und Moderne Kunst XVII (1972 / Heft 124 und 125)

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Mit diesem Plakat wurde Mucha in Pari:

rühmt. Es ist nicht uninteressant, daß schi

diesem - unerwartet naturalistischen - P

Stilelemente enthalten sind, die - in tr

pointierterer Form - auf fast allen am

Mucha-Plakaten wiederkehren: die kulissenc

Flächenstaffelung, der Schmuck des weibl

Kopfes mit naturalistischen Blatt- und B.

motiven, die Glarifizierung des Kopfes

dahinterliegende Nischen- oder Rundformer

Haltemotiv sowie das Ausspielen von nat

stischer Körperfarm vor ornamentiertem Flä

grund.

Auf zwei in diesem Plakat vorhandene G

tungselemente verzichtet Mucha allerdings i

Folgezeit ganz: auf die naturalistische Wi

gabe des Stoffmusters und auf Schattieru

Seine Menschen sind schattenlos, haben of

Charakter van Versatzstücken und stehen i

Regel in Gegensatz zu einem Ornamentraf

werk des Hintergrundes.

Auffallend ist fast immer die Gestaltung

Haares; Brian Reade hat es als symboli

Ornament charakterisiert. Die gestalte:

Funktion dieses Haararnaments liegt in s

flöchenschaffenden Wirkung. Die Gesichter

fast immer körperhaft, das Haar entkörpe

sich im Lauf seines Linienschwunges. - M(

dieser Plakatgestalten entstehen aus der li

Fläche, werden zum Gesicht hin immer kt

hafter und verflachen wieder im Haar. W

für das besondere Verhältnis von Körper,

senraum und Bildfläche sind auch die Dur:

chungen des Bildraums, die sich als Rat

werk des Papiergrundes entpuppen. Sold

Rahmenwerk wurde auch in den Anzeigenka

sitionen jener Zeit gerne verwendet.

Die lkonographie dieser Plakate ist weitge

unerforscht. Ein Plakat für eine Ausstellung

ner eigenen Arbeiten (Abb. 4) stellt in e

Melanchaliegestus eine Allegorie der Zeicf

dar. Auf einem Blatt Papier erkennen wir vc

Darstellung eines Herzens drei Kreise (al1

nitötszeichenä: einen Blütenkreis, einen

aus Fruchtkapseln und einen Dornenkrai

Im Gegensatz dazu zeigt Muchas Plakat fü

Salon des Cent 1896 (Abb. 9) eine Allegari

Malerei. Diese Frau mit einem aus Auge

Herz bestehenden Szepter im Arm denkt

nach, sondern- gibt sich ihrer innerer Einge

hin.

Die kultbildhafte Überhöhung seiner Fraue

stellungen stieß schon früh auf scharfe l

Berühmt wurde eine Karikatur Willettes mit

Titel „La pieuse erreur". Am Telegrapher

einer Eisenbahnlinie hängt Muchas Plakat

res de la Meuse". Darunter kniet eine

Frau, die dieses Madonnenbild der Reklam

betet. Die Frau hat zwar die Botschaft des

kats nicht verstanden, dafür aber gespürt,

bedeutende Wertvorstellungen visualisiert

den. Man hat den pseudoreligiösen Char

von Muchas Frauendarstellungen immer w

kritisiert. Man versteht sie vielleicht besser,

man sie sich auf der Plakatwand neben

lasziven Grisetten, Kokotten, Tänzerinnen

Sängerinnen vorstellt, die dort allenthalbs

finden waren.

B Alfons Muchq, „Lyg_ie". Farblithogruphie. E

F. Champenons, Pans

9 Alfons Mucha, Salon des Cenf, 1896.

lithographip und Einsluubverfahren. Drux

Champenols, Paris

j Unser Autor:

HorsO-Herberi Kossofz

1060 Wien

Lehdrgusse 3ul14
            
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