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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XIX (1974 / Heft 132)

Österreichs Museen besitzen, nicht nur im gesamten

 gesehen, eine Vielfalt van Kunstsammlungen

 unschätzbaren Wertes, sondern auch in

einzelnen Sammlungen selber sehr kostbare Raritäten,

 die ihresgleichen in der Welt suchen.

Eine solche stellt die Obiektegruppe des sogenannten

 „Hamza-R0mones" dar, die seit dem

Jahre 1873 im Besitz der heutigen Kunstblättersammlung

 der Bibliothek des Österreichischen

Museums für angewandte Kunst ist. Zum hundertiährigen

 Jubiläum der Wiener Weltausstellung

 1873 sind in vorangegangenen Heften unserer

 Zeitschrift einige Themen behandelt worden.

 Im Anhang daran folgt dieser Beitrag.

Gleichfalls var hundert Jahren nämlich bewirkte

eine glückhafte Fügung, daß im persischen Pavillon

 der Weltausstellung vom damaligen Leiter

 der Bibliothek des Österreichischen Museums

für Kunst und Industrie sechzig Blätter der vorliegenden

 Handschrift aus der Zeit der Mogulkaiser

 - eines der bedeutendsten Zeugnisse der

islamischen Kunst des I6. Jahrhunderts - entdeckt

 wurden. Und nicht nur entdeckt, sondern,

in ihrer künstlerischen Bedeutung sehr wohl eingeschätzt,

 sofort für die iunge, im Aufbau befindliche

 Bibliothek des Museums erwarben werden

 konnten. Wenn man auch noch bedenkt,

daß gerade auf dieser Weltausstellung 1873 in

Wien erstmals Europa mit der Welt des Nahen

und Fernen Ostens konfrontiert wurde, so ist

diese damals ad hac vorgenommene Erwerbung

 von heute her gesehen als besonderer

Glücksfall zu bezeichnen.

Die romanhafte Erzählung liegt in einer Reihe

van Bruchstücken vor, aus denen der Verlauf

der Geschichte in den wesentlichen Zügen rekonstruierbar

 ist. Allerdings sind die dem Museum

 gehörenden Blätter nur ein geringer Teil

des Ganzen. Darüber hinaus existieren nach

zwölf persische, drei arabische und eine türkische

 nichtillustrierte Ausgabe. Die „sagenhafte

phantastische Dichtung, die sich nur in wenigen

Punkten an die geschichtliche Figur ihres Helden

hält" (Glück), hat doch im ganzen gesehen einen

historischen Hintergrund. Emir Hamza mit seinem

 Beinamen „der Fürst der glücklichen Konstellation"

 war ein Onkel des Propheten Mohammed,

 der an den ersten Glaubenskämpfen

des Islam teilnahm, bei der Schlacht bei Badr

erwähnt wird und in der Schlacht bei Uhut im

Jahre 625 den Tod fand.

In die sagenhaft ausgeschmückte Geschichte dieses

 Helden schieben sich nun folgende historische

 Ereignisse:

'l. die islamische Eroberung van Syrien und

Persien;

2. die Kämpfe des Islam gegen den Kaiser von

Byzanz;

3. die Kämpfe zwischen den sassanidischen persischen

 Königen und Byzanz;

4. der Feldzug des Sassanidenkönigs Chosrau I.

(531-578) gegen den Kakhan, den Herrscher

der Turkvölker Transoxaniens.

Aus dem letzteren wird in dem Roman das Auftreten

 Hamzas am persischen Hof geschildert

und damit der Beginn der ganzen Erzählung.

Jener sossonidische König Chosrau tritt als

Aenuschiraewan im Roman auf. Zu all dem aber

tritt auch die Geschichte der mohammedanischen

 Eroberung Indiens, wodurch eine gewisse

Angleichung des Kampfes der Großmogule an

die Eroberungszüge Hamzas entsteht. Durch diesen

 komplizierten historischen Hintergrund ergeben

 sich manche Vermischungen, so wie Aenuschiraewan

 zum Teil als Auftraggeber Hamzas

und sein Verbündeter, da Hamza seine Tochter

heiratete, auftritt, andererseits aber doch als

Iranier gegen den Islam steht. Abgesehen von

diesen historischen Grundlagen, zeigt der Roman

 in der Fassung des späten I6. Jc

derts - als wahrscheinliche: Datum seint

stehung müssen die siebziger Jahre des I!

hunderts angenommen werden - die Auf

der verschiedenartigsten Heldensagen um

tungemSo wurde vieles von iahrhunderteal

gentradition zurück bis zurOdyssee und de

ander-Romanen in dieser Dichtung verarl:

In kurzer Inhaltsangabe geht es in dem

um folgende Geschichte: In der Varges

werden der Hof des Perserkönigs Aenus

wan und seiner Wesire wie die Jugend Ibeschrieben.

 Der erste Teil beginnt mit

Aufstand gegen den Perserkönig, bei dem

zu Hilfe eilt und nach dem für den Köi

fachtenen Sieg nach Mekka zurückkehrt.

schiraewan holt aber Hamza wieder in

Hauptstadt; dort verliebt sich Hamza

Tochter des Königs, Mihrnigar. Im folg

werden eine Reihe von Abenteuern Hamz

schildert, aus denen er immer wieder als

heimkehrt. Alle diese Unternehmungen sin

auf die Intrigen der Wesire des Königs z

zuführen, die die Heirat Hamzas mit de

zessin verhindern wollten. So zieht Harn

gen den König von Ceylon und befreund

dort mit seinem anfänglichen Gegner Lot

hur, der von da an einer seiner treuestt

gleiter bleibt. Weiter kämpft er gegen E

gegen die Ägypter und unternimmt eine

lang dauernde Aktion gegen das Geist

im Kaukasus. Dort heiratet er eine Gen

er schließlich den eroberten Teil des l

schenkt, die auch bis zum Schluß der Erzt

mehrfach wieder auftaucht. Nach all

Abenteuern und endlicher Rückkehr au'

Kaukasus findet die Ehe mit Mihrnigar st

folgenden aber gerät er mit dem Perse

in Streit, der nach Abessinien flieht un

Hamza verfolgt wird. Hamza wird dc

kurze Zeit gefangengenommen, von :

treuesten Freund Emr befreit und kehrt s

lich als Sieger wieder zurück. In einem

lichen Streit mit dem Perserkönig wird f

gar ermordet und an ihrem Grab der trat

Hamza gefangengenommen, von Freundei

wieder befreit.

Im zweiten Teil führt Hamza eine Reih

Heldentaten und Feldzügen gegen Unglä

das sind die Franken, die Byzantiner, d

nischen Feueranbeter und die Sonnenai

Hamza wird dabei von seinen Söhnen Ul

keln und einem Bruder unterstützt, der:

bens- und Liebesgeschichten in die Erz:

eingeflochten werden. In diesem Abschnitt

wohl historische Ereignisse aus der mittelt

chen Geschichte des Islam ihren Nieder:

Am Ende dieses Abschnittes resigniert de

serkönig Aenuschiraewan, und sein Sohn tri

Islam über. Dieses Ereignis weist auf die e

tige Eroberung Persiens durch den Islam u

Mohammedanisierung dieses Landes hin.

Im dritten Teil erscheint ein Riese, Zun

Schah, mit einem Heer von Zauberern, Ul

diesem verbündet lraeg, der Anführer der

anbeter. Wieder erlebt Hamza viele Abe

und Schlachten gegen diese Feinde, b

viele von ihnen zum Islam und erreicht St

Iich den Tod und die Besiegung der I

Anführer. Die Blätter der hier vorlieg

Handschrift stammen zum größten Teil am

sem Abschnitt.

Den Schluß der Erzählung bildet die Rüt

Hamzas nach Mekka und das Zusamment

mit seinem Neffen, dem Propheten Mohai

mit der großen historischen Schlacht von

in der Hamza als Glaubensheld fällt. An

Seite finden seine Freunde Laendaehur

und Sae'd den Heldentod. In diesem Teil
            
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