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Full text: Alte und Moderne Kunst XIX (1974 / Heft 136 und 137)

alles führte notgedrungen zu den landläufigen 
Klischeevorstellungen über den Jugendstil. Bei 
allem Zurück zu den von der Natur vorgegebe- 
nen Linien und Farmen, bei allen gutgemeinten 
Versuchen, Literatur, darstellende Kunst, Ge- 
brauchsgegenstände ieder Art, Architektur und 
sogar Musik der breiten Masse zugänglich zu 
machen, der Jugendstil war einfach zu schwach, 
zu substanz- und fundamentlos, um sich als 
eigene Stilrichtung über mehr als ein paar Jahre 
zu etablieren. 
Die wirklichen Künstler, die als Initiatoren den 
neuen Stil in kürzester Zeit hochgetrieben hatten, 
sahen diese Schwäche des Jugendstils in den 
meisten Fällen sehr bald ein und lösten sich 
mehr oder minder radikal von ihm. Die Künstler 
aus dem zweiten Glied hingegen kochten noch 
bis Kriegsbeginn ihre Suppe auf der allgemeinen 
Stilverwirrung ab; und die lndustrie schöpfte 
ihren Markt bis zum Grund rücksichtslos aus. 
An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, daß 
- außer Morris - auch etliche andere bedeutende 
Jugendstilvertreter mit ihrem Sazialidealismus 
nicht durchdrungen: der Grund waren immer die 
enorm hohen Herstellungskosten und die Un- 
fähigkeit, die eigenen Ideen der breiten Öffent- 
lichkeit klarzumachen, sie ihr dienstbar zu ma- 
chen und damit aus dem sozialen Mißstand her- 
auszuhelfen. S0 scheiterten Charles R. Mackintosh 
(1868-1928), Margaret MacDonald (1865-1933), 
Frances MacDanald (1874-1921) und Herbert 
MacNair in Glasgow (sie bildeten eine Künstler- 
gruppe, die die „totale Kunst" zu verwirklichen 
suchte, das Grundprinzip des „Modern Style"). 
Auch die „Ecole de Nancy" und Emile Galle 
(1846-1904) kannte nicht verhindern, daß gna- 
denlose lndustrialisierung und Kommerzialisie- 
rung ihre ldeen verwässerten und schließlich in 
den billigen Kitsch zagen. Aber auch die Grün- 
der der Wiener Secession und besonders die von 
Josef Hoffmann und Kola Moser 1903 gegrün- 
deten Wiener Werkstätten wurden durch die ex- 
klusiven Preise in die Hände einiger sehr Reicher 
getrieben und konnten so zwar elitär ge- 
schmacksbildend einwirken; aber die ursprüngli- 
che Idee, nämlich eine Kunst - für iedermann er- 
schwinglich - zu produzieren, blieb unverwirklicht. 
Das trifft auch auf Henry van de Velde (1863 
bis 1957) zu. Trotz all seiner Forderungen, die 
Kunst zu „entrümpeln", Mobiliar und Gebäude 
funktionell zu konzipieren, weitgehend auf De- 
kar zu verzichten, konnte er sich in Belgien und 
Deutschland mit seinen fortschrittlichen Ansich- 
ten nicht wirklich durchsetzen. Allerdings ist die 
Bedeutung unverkennbar, die er z. B. auf Werk- 
bund, die Weimarer Kunstgewerbeschule und 
das Bauhaus ausübte. 
Der Extremste der „Puristen", der Wiener Adolf 
Loos (1870-1933), kämpfte - damals von allen 
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14 ('36? Behrens, lnnentitel zu: Der bunte Vogel. 
15 Melchior Lechter, Vorzeichnung zum Titelbild zu: 
Die Lieder von Traum und Tod. aus: „Teppich 
des Lebens" von Stefan George. 1899 
16 Josef Hoffmann, Gedichtumrahmung. Aus „Ver 
Sacrum" 
Anmerkungen 14, 15 
 
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17 lwan J. Bilibin, Illustration zu einem Märchen 
von Puschkin. 1905 
18 Carl Czeschko, Doppelseite aus: Die Nibelun- 
gen. 1909 
19 Arthur J. Gaskin, Illustration zu: Edmund Spen- 
ser, The Shepheardes Calender, 1896 
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ßzn. nach H. Hofstätter, Geschichte, a. a. 0., s. m 
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