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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XIX (1974 / Heft 136 und 137)

Für den Kunstsammler



Volker Kutschera

Spielzeugsammeln

Daß das Spielen mit Spielzeug eine Domäne der

Kinder sei, glaubt heute wohl niemand mehr. Es

ist nicht nur iener merkwürdige Hang zum Spiel,

der Dichter und Denker immer wieder konstatieren

ließ: „ln iedern rechten Manne steckt ein Kind",

der uns zu Spielzeug-Liebhabern werden lößt -

wör' er die einzige Triebfeder, müßten wir dabei

die vielen in Spielzeug verliebten Frauen in aller

Welt übersehen, die aber ganz entschieden unübersehbar

 geworden sind. Es muß also einfach

von Erwachsenen gesprochen werden.

Denn der Erwachsene macht - was die Liebe zum

Spielzeug anlangt - mit seinem Kopfe wett, was

ihm an unmittelbarer, kindlich unbefangener Beziehung

 zum Spielzeug mit dem Zugewinn von

Schlips und Nylons allmählich verlorengegangen

war. Er sammelt. Er trägt natürlich nicht wahllos

zusammen, womit zu spielen ihm gerade Spaß

bereitet - er sammelt mit System. Er organisiert

seine Sammlung und schließlich sich selbst samt

seiner Sammlung - etwa in einem Sammlerklub,

den unter anderem eine Sammlerzeitschrift zusammenhölt.



Kurzum, er baut sich gewitzigt iene Brücken, die in

ein fast verlorenes Paradies hinüberragen sollen,

nicht ohne die nun einmal für seine aufgeklärte

Welt notwendig erscheinenden Stützen aus Leistung,

Repräsentation und einer nicht zu knappen Portion

Wissenschaftlichkeit. So gelingt es ihm, nicht nur

ohne Einbuße, sondern sogar noch mit beträchtlichem

 Gewinn für das Erscheinungsbild seiner Persönlichkeit,

 was ihn im Innersten bewegt und freut

- nämlich das Spielen mit Spielzeug -, auch nach

außen hin sichtbar näher an den Mittelpunkt seines

Lebens und Strebens heranzurücken.

Freilich werden Sie ietzt einwenden, Sie hätten den

Eindruck, daß es manch einer der Ihnen bekannten

Jünger der gerade in unseren Tagen stetig zunehmenden

 Zunft der Spielzeugsammler bei der Beschäftigung

 mit den „Stützen" und „Pfeilern" der

zitierten „Brücke" in die Welt seiner Spielzeug-Sehnsüchte

 bewenden lasse, ohne ie ernsthaft Anstalten

 zu machen, sie zu benutzen, um ungestört

von der Meinung seiner Umwelt sich ganz dem

sonst verlorenen Paradies des Spielens zuzuwenden.

 Sie haben recht - aber ist nicht das Bauen von

Brücken in eine vergangene Welt die allerausgeklügeltste,

 raffinierteste Form des Spielens? Aber

lassen wir Spitzfindigkeiten beiseite, es ist schon

ein faszinierendes Erbe der Kindheit in uns, das

Phantasie und Freude am Spielzeug, am Spielen

sei, ia, daß Fortschritt ohne neugieriges Spielen

überhaupt nicht zu denken wäre. - Wer sich dem

Spielzeugsammeln verschrieben hat, weiß das aus

ganz privater Erfahrung! Meist verlegt sich nämlich

das Spielen der Erwachsenen mit alten, gesammelten

 Spielsachen aut das „Nacherfinden" und Wiederherstellen

 ihrer vormaligen Funktionen, aufs Reparieren,

 Restaurieren und Ergänzen. Die solchermaßen

 geforderten Kenntnisse der innersten, „intimsten"

 Sphären des ieweiligen Spielzeugs nehmen

diesem keineswegs den Reiz, ia, sie vertiefen sogar

 die „spielerische" Beziehung zum geliebten

Obiekt Spielzeug.

Das Sammeln von Spielzeug - und das ist einer

der unschätzbaren Vorzüge dieser Liebhaberei -

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