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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XX (1975 / Heft 138)

anz Joseph l. in Wien wieder lauf. Das,

iier, im wesentlichen bestimmt von dem

ekten Gottfried Semper, als „Wiener Kaium",

 Burgerweiterung und Repräsentation:-de

 der Ringstraße anstelle der geschleifadtmauer

 entstand, ist wie eine Wiedert

 Berninischer Konzeptionen anzusehen und

wieder ein Rückgriff auf die Kaiserzeit

. und 3. Jahrhunderts. Das Konzept des

ns" - heute Heldenplatz - ähnelt in ericher

 Weise dem Traians-Forum in Rom.

ie Erweiterung der Burg führte man zum

agar liegengebliebene Pläne des 18. Jahr-Reihe

 von Privatbauten an dieser Stelle und in

deren Nachfolge eine stattliche Menge van Neubauten

 im ganzen Bereich der Stadt, die ihr Gesicht

 völlig veränderte. Damit ging es auch im

19. Jahrhundert nicht bloß um einen einzelnen

imperialen Residenz- und Reprösentationsbau,

sondern um eine ganze Stadt.

Merkwürdig an dem System ist nur, daß für die

Kirche kein Raum gegeben war. Die quasisakrale

 Stellung des Reiches und des Kaisers

selbst wird in den Reprösentationsbauten der

Ringstraße lebendig. Gerade das aber scheint

direkt vom antiken römischen Kaisertum überin

 Rom im 2., 3. und 4. Jahrhundert an den

verschiedensten Stellen des römischen Reiches,

vorwiegend aber in der Hauptstadt selbst, ausgeführt

 worden war. Diese Bauten wurden als

Vorbilder genommen, aber sie wurden nicht kopiert.

 Sie wurden in ihren Anlagen, ihren Baukonstruktionen

 und ihren Details studiert und

dienten als Grundlagen für neue Konzeptionen,

die die gleidwen Intentionen mit der Absicht zum

Ausdruck bringen sollten, es noch besser und

noch phantasievoller durchzuführen. Das Bild

des Kaisers, wie Traian, Hadrian, Marc Aurel

und Konstantin es verkörperten, wurde idealirts

 zu Ende; und die im Halbkreis um die

ingeardneten historisch gestalteten Staatsde

 wollen die ganze beherrschte Welt

entieren. Durch mächtige Triumphbögen

lie Ringstraße sollten die Gebäude für die

ichen Sammlungen aus den Gebieten Kunst

latur mit dem neuen Teil der Hofburg

iden werden und dadurch der „innere"

ier Burg bis an das Stallgeböude Fischers

1. Jenseits der neuen Trakte, von denen

ner ausgeführt wurde, lagen zwei Gärten,

für den Kaiser, der andere für das Volk,

nseits von diesen die beiden großen neuen

iater; diesen wieder gegenüber einerseits

zbäude für die Reichsvertretung, die Stadtltung

 und die Wissenschaft, andererseits

ebüude für die Kunst und die Musik. Das

pt der Ringstraße war aber daneben ein

er Stadterweiterung, da ia ursprünglich

Raum zwischen der Stadt und den Vorn

 verbaut wurde und damit eine Verbinvon

 Zentrum und umgebenden Orten gewar.

 Daher entstand auch eine ganze

nommen zu sein. Man empfand den Papst wohl

rein religiös als Oberhaupt der Kirche, aber in

keiner Weise mehr als weltlichen Machthaber.

War er io auch bereits seit Jahren von der

Welt durch das neue italienische Königreich

weitgehend getrennt worden und lebte zurückgezogen

 ausschließlich in dem ihm noch belassenen

 Vatikan. Dieser Einstellung entsprach es,

daß im Jahre 1903 nach dem Tode Leos Xlll.

Kaiser Franz Joseph entscheidend und mit Erfolg

 in die Papstwahl eingriff. Er verhinderte

durch ein ihm als Kaiser zustehendes „Veto" die

Wahl des für die Souveränität des Papstes eintretenden

 Kardinals Rampolla, und Kardinal

Sarta wurde als Pius X. mit der Tiara gekrönt.

Jener schuf als erste Entscheidung seines Pontifikates

 das kaiserliche Vetorecht ab. Es war der

Schlußstrich unter die alte Geschichte des Konfliktes

 zwischen Kaiser und Papst um die Vorrangstellung.



Das Verbindende all der Phasen einer iahrhundertelangen

 Entwicklung ist die monumentale

 Manifestation des Kaisers, wie sie erstmals

siert und zum Prinzip erhoben, und ebenso das,

was iene bauten, zur ldee der neuen Anlagen

gemacht. Das „So-sein-Wollen" wie iene war der

Kern des Systems. Und darum fand es auch mit

dem Zusammenbruch eines übernationalen Reiches,

 wie die österreichische Monarchie es war,

sein Ende.

19 Johann Bernhard Fischer von Erlach, Fassade

der Karlskirche in Wien. Baubeginn 1715, vollendet

 von Josef Emanuel Fischer von Erlach, 1733

20 Johann Bernhard Fischer von Erlach, Inneres der

Karlskirche in Wien, vollendet 1737

Q1 Johann Bernhard Fischer von Erlach, Prunksaal

der Hofbibliothek in Wien. [Erster Entwurf 1716)

22 Gottfried Semper und Carl Hasenauer, Der Heldenplatz

 in Wien, ursprünglich als Wiener Kaiserforum

 bezeichnet

Ü Unser Autor:

Wirkl. Hofrat a.o. HS Prof. DDr. Gerhart Egger

Direktor der Bibliothek und

Kunstblöttersammlung des Österreichischen

Museums für angewandte Kunst

1010 Wien, Stubenring 5

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