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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XX (1975 / Heft 138)

Für den Kunstsammler



Nora Wattek

Rosenkränze

Erst in den letztvergangenen Jahren wurde vielfach

mit dem Sammeln von Rosenkrönzen begonnen;

heute sind meist nur die aus roten Glaskugeln

(die oft fälschlich als Granaten bezeichnet werden)

zusammengesetzten kaum noch bemerkenswerte

Stücke zu finden. Die „Rosenkränze" - die

ursprüngliche Bezeichnung lautet „Paternoster" -

sind geknotete Gebetsschnüre, die das Zählen

der einzelnen Gebete erleichtern. Dieses vorher

schon lange im Orient benützte Hilfsmittel wurde

nach dem Kreuzzug von 1095196 auch in Europa

bekannt. Vorerst kam diese Zöhlschnur hauptsächlich

bei den gehobenen Ständen in Gebrauch,

wo sie bald zu einem Schmuckstück wurde.

Dementsprechend zog man zur Anfertigung

der Kugeln, der sogenannten „Perlen", Halbedelsteine,

 Elfenbein, Korallen und besonders

Bernstein heran.

Im Laufe der Jahrhunderte wechselte die Anzahl

der Gebete und mit ihnen die Anzahl der

aufgereihten Kugeln oder „Grallen", wie man sie

früher auch nannte. So besteht ein Psalter aus

150 Ave und 15 Paternoster in Anlehnung an die

150 Psalmen des Alten Testaments. Das Einfügen

der sogenannten „Geheimnisse" geht auf das

15. Jahrhundert zurück und war ein besonderes

Anliegen des Dominikanerordens. Aber erst nach

dem Sieg der christlichen Flotte unter Führung

des Don Juan d'Austria über die Türken 1571

bei Lepanto, wo man das Rosenkranzgebet als

Leitschutz dem Halbmond der Feinde entgegenhielt,

trat diese Gebetfolge ihren Siegeszug an.

Papst Pius V. bestimmte den 7, Oktober,

den Tag der siegreichen Schlacht, als Tag des

Rosenkranzfestes. Seit damals besteht die allgemein

übliche Länge des Rosenkranzes aus fünf mal zehn

Avekugeln, die von fünf größeren Paternasterkugeln

absatzweise getrennt sind. Letztere sind der

leichteren Unterscheidbarkeit wegen größer und

bestehen meist aus anderem Material. Als Abschluß

kommen dann noch drei Avekugeln dazu, deren

Sinngehalt Glaube, Hoffnung und Liebe ist.

Das Ende der Gebetsschnur verschont ein Kreuz

oder ein Anhänger.

Aus dem Handel ganz verschwunden sind die

sogenannten „Zehner". Diese an einem Fingerring

hängenden und mit einer Quclste endenden

Gebetsschnüre aus zehn großen Kugeln sind die

frühe Form des Männerrosenkranzes.

In der Zeit der allgemeinen Verbreitung des Gebetes

begann die Anfertigung von Rosenkränzen zur

Massenarbeit zu werden. Man verwendete weniger

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