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Full text: Alte und Moderne Kunst XX (1975 / Heft 139)

ter, die Unikate darstellen, ist nachweisbar. Sie 
stammen laut Beschreibung im Nachlaßinventar 
aus dem Besitz des 1761 verstorbenen Salzbur- 
ger Domherrn Philipp C. Graf Seinsheim. lhre 
ungewöhnliche Größe und die feuervergoldete 
Fassung heben sie weit über die sonst übliche 
Verarbeitung des Horns zu Bechern und Dosen. 
Da der Erzbischof von Salzburg alleiniger Jagd- 
herr dieses seltenen Hochgebirgswildes war, 
konnten diese Leuchter nur durch ihn - sei es als 
unverarbeitetes Horn oder in gestalteter Form - 
geschenksweise an den Domherrn gelangt sein. 
Laut Tradition in der Hofapothekertamilie Petter 
stammen auch die beiden Gehäuse mit minuziös 
ausgearbeiteten Wachsbossierungen aus altem 
Domherrenbesitz. In einem Kästchen sieht man 
die vielfigurige Kampfdarstellung um einen Paß- 
übergang, während die andere möglicherweise 
die Belagerung Kufsteins Anno 1703 im Spani- 
schen Erbfolgekrieg zeigt. Diese zweifellos von 
Johann Baptist Cetto aus Tittmoning stammen- 
den Arbeiten beweisen ein erstaunliches Können, 
das ihn und seinen Sohn schon bei Lebzeiten be- 
rühmt machte. Ersterer, der sich Wachs- und 
Gipsbossierer nannte, wurde 1671 in Mainz ge- 
boren und war in Tittmoning,der bis zur Säkulari- 
sierung des Erzstiftes salzburgischen Stadt, an- 
sässig und Meister. Er starb dort 1738. Sein Sohn 
Nikolaus Engelbert, ebenda 1746 gestorben, war 
im selben Sinne tätig wie sein Vater. Von ihm 
stammen viele kleinformatige, verglaste uncl ge- 
rahmte Arbeiten, die sommerliche Temperaturen 
erstaunlich gut überstanden. Man muß anneh- 
men, daß dem Wachs chemische Zusätze beige- 
geben wurden, um diese mit Nadeln skulpierten 
kleinen Kunstwerke gegen Wärme widerstands- 
fähig zu machen (vielleicht durch Schwerspat 
und Gips zur Härtung). Die ehedem die beiden 
Gehäuse umgebenden Prunkrahmen, wie sie 
viele Cetto-Arbeiten zieren, sind leider nicht 
mehr vorhanden. Ebenfalls aus dem Besitz der 
alten Hofapotheke stammt der Kugel- oder 
Mondtisch, der dort auf die weltweiten Ingre- 
dienzien der Arzneien hinwies, ebenso das Gür- 
teltier. Letzteres ist in den alten lnventaren der 
Kunst- und Wunderkammer als „Geharnischte 
Maus" verzeichnet und kam dann wohl beim 
Ausverkauf des von Wien nicht beanspruchten 
Residenzinventares in den Besitz der Hofopo- 
theke. Allein die unnachahmliche Patina dieser 
beiden Exponate aus dem Tierreich weist auf 
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