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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XX (1975 / Heft 140)

Notizen



Aachen - Neue Galerie

Auch hier kämpft man mit den Stadtvätern ums

Überleben. Und kämpft man um sein Publikum.

Krisenzeiten lockern Verbindungen zur Kunst,

bisweilen auch Übersättigung. Mehr und mehr

versucht man, das Publikum aus seiner Passivität

zu reißen, es in den engeren mittätigen aktiven

Kreis, direkt in den Sponnungs- und Erlebnisbereich

aller Kreativität zu führen. Mit wechselndem Erfolg

nur, teils ist es die Scheu des „normalen" Bürgers -

dies gilt vor allem für den Bereich der progressiven,

der avantgardistischen Kunst -, vor Schöpfungen

zu stehen, mit denen er wenig anzufangen weiß,

teils die Lethargie gegenüber der Kunst schlechthin.

Wie dem abhelfen? Uns scheint, doß dies wie im

Falle der Neuen Galerie primär nicht mit

unpassenden Eröffnungsterminen oder mit sonstigen

organisatorischen Problemen zusammenhängt. Eher

ist es die von Künstlern oft mit voller Absicht

erzwungene Provokation, die Abwehr und

Abwendung von iedweder Kunstäußerung bewirkt,

vor allem der abstrakten, der afigurativen, der

chaotisch-destruktiv wirkenden. Nichtsdestoweniger

hat (ede Form der Kunst ihre Berechtigung, wenn

ihre grundsätzlichen Voraussetzungen und Werte ihre

Manifestation rechtfertigen. Leider artet manches

solcher Kreativität in Selbstzweck und blutleeres

Posieren aus, und das erzeugt gleichfalls Abkehr.

Ein Publikum möchte auch ohne Interpretation mit

Kunst etwas anzufangen wissen, sonst rätselt es

vor ihr herum oder verliert die Lust an ihr. Wie nun

anders? Mit Erziehung von Kind auf, sich mit

„positiver" wie „negativer" Kunst auseinandersetzen

 zu lernen, von Kind auf zu lernen mit

Kunst zu leben, diese als etwas naturnotwendiges

anzusehen. Kunst und Kunsterziehung fest in den

schulischen Bereich [auch Grundschulen) verankern

und von kleinst auf lehren. Dann wird vielleicht

die wie überall und nicht nur in Aachen gestellte

Frage: „Sagen Sie uns bitte einmal, warum wir Sie

so selten sehen ?" weniger oft gestellt werden

müssen.

Wie immer äußerst variabel das Programm der

„Neuen": Rudolf Schoofs, der Zeichner, der

Drucker vom Niederrhein, ansetzend in der tief im

Surrealismus wurzelnden gegenständlichen Seite

des lnformel, in den sechziger Jahren versuchend,

sein Verhältnis zur Pop-art zu definieren und

neuerdings zu einem Zeichenstil zurückkehrend,

der ebensoviel mit Michelangelo wie mit Beuys zu

tun hat (19. 4.-1. 6. 1975). Präsentation Wilhelm

J. M. Schmitz-Gilles, Aachener, 82iähriger

kanstruktivistischer Zeichner, in einem Werkstattgespräch

 (9. 5. 1975) und musikalische, sonstige und

filmische Aktivitäten Truffauts, Etaix, Chabrols und

Polanskis.

BerlinlWien - Michael Otto

Daß Stadtsilhouetten einander ähneln, beweist der

Berliner Radierer Michael Otto in einer seiner

Arbeiten in der Wiener Kleinen Galerie, wo er

u. a. vom 6.-27. 5. 1975 Pastelle zeigte. (Abb. 1)

Düsseldorf - Aus der „Vömel"

Alex und Edwin Vömel luden für den 11. 6. 1975 zu

einer Vernissage von Werken von Nikolaus von

Georgi, der lichtdurchflutete ätherische Landschaften

 im Wabenduktus als Ausflucht aus einer

dunkel-unheilen Welt offeriert. (Abb. 2)

Florenz - Aus der Galleria Cavour

A. Masini präsentierte vom 6.-20. 5. 1975 seinen mit

zahlreichen prima Premios ausgezeichneten

Landsmann Nicola Gambedotti. Dieser, aus Urbina,

der alten Herzogsstadt der Montefeltro - deren

Hof in der Frührenaissance ein Kulturzentrum ersten

Ranges war e, gebürtig, einer Stadt, die Raffael

wie auch weltberühmte Fayencen hervarbrachte,

scheint auch in seiner Malweise daselbst traditionell

verwurzelt zu sein. Voller satirischer Phantastik

setzt er uns mit aus metaphysischen und surrealen

Bereichen kommender Eloquenz Puzzles vor, die

zu erheitern wie auch zu mahnen verstehen.

(Abb. 3)

42

Karlsruhe -

Aus dem Badischen Landesmuseum

Mit über 450 Exponaten wurde vom 2B. 1.-20. 4. 1975

die sogenannte Hallstattkultur Südwestdeutschlands

(7.-5. Jh. v. Chr.), eine der bezeichnendsten

urgeschichtlichen Epochen Mitteleuropas,

dokumentiert, iene Zeit, in der man von Bronze

zu Eisen als Werkstoff für Waffen und Gerät

überging. Die Funde - Leihgaben aus Sammlungen

in Stuttgart, Tübingen, Donaueschingen, Singen,

Karlsruhe und Freiburg - stammen aus reich

ausgestatteten Hügelgräbern, die meist der

frühkeltischen Adelsschicht vorbehalten waren. Die

Archäologie leistet hier wertvolle Schrittmacherdienste

 mit ihren Fundstücken und Erkenntnissen,

waren doch die Kelten durch keine schriftliche

Überlieferung - außer der Erwähnung antiker

Schriftsteller des Begriffes „Kelten" - für Geschichtsschreiber

 trächtig. Die einfach inspirierte,

geometrisierende variable Ornamentik, mit der die

frühen Kelten Schmuck und Waffen verzierten,

verrät deren ausgeprägten Schönheitssinn. So

konnte auch die Schau „Frühe Kelten in Boden-Württemberg"

 dem Menschen der Gegenwart das

stets erregende Moment der Betrachtung weit

zurückliegender Kulturen durch ein besonderes

Ausstellungserlebnis vermitteln. Wie uns Dr. lrmela

Franzke mitteilt, bietet das Badische seinen

Freunden sowie allen Interessierten eine weitere

Ausstellung an, die über die Durlacher Fayencen

(1723-1347) handelt, und die noch bis zum 2B. 9. 1975

läuft. (Abb. 4)

KopenhagenlWoshington -

200 Jahre „Kongelige"

Mit einer Grand Gala unter Patronanz der

königlichen Familie im Königlichen Theater wurden

die Feierlichkeiten anläßlich des 200iährigen

Bestehens der „Königlichen Porzellanmanufaktur

Kopenhagen" eingeleitet. Unter den im 18..1ahrhundert

 in Europa begründeten Porzellanmanutakturen

 ist die Kopenhagener eine der später

gegründeten, iedoch in ihrer unverwechselbaren

Eigenart mit dem ausgeprägten Erscheinungsbild

eine der profiliertesten und kommerziell erfolgreichsten.

 Neben Präsentationen im Museum für

dekorative Kunst und der Jubiläumsschau im

Stadtgeschäft in KopenhagenlAmagertorv wurde

1974 eine große Wanderausstellung durch die USA

eingeleitet. ln 14 Städten unter Patronanz des

Smithsonian-Institutes wurden in einer Retrospektive

an Beispielen aus den frühen Tagen bis zur

Gegenwart herauf - am künstlerischen Unikat wie

am Gebrauchsgeschirr des Alltags - Charakter und

Reichtum dieser Manufaktur demonstriert. Vielen

Amerikanern, denen das „Kongelige"-Porzellan nur

ein vager Begriff von Blau-und-Weiß-Porzellan

war, hatten von Washingtons Renwick Gallery an

(12. 4-30. 6. 1974) Gelegenheit, den hohen Rang

der „Kongeligen", durch künstlerische Kreativität

wie durch technische Fertigkeit begründet, in

natura zu betrachten.

LondonfWien -

Henry Moores „Stonehenge" für die

Albertina

Das neueste Mappenwerk des bedeutenden

englischen Bildhauers und Graphikers Henry Moore,

„Stonehenge", wurde hier von der Euro-Art und

der Bowog-Fondation in deren Räumen vom 18.-28.

April präsentiert. lm Sinne der neuen Einkommensteuergesetzgebung

 als Sonderausgabe steuerlich

voll absetzbar erworben, ist es der Wiener

graphischen Sammlung Albertina gewidmet worden.

MünchenlAachen -

Neubau der Neuen Pinakothek

In der bayerischen Metropole hat man bereits mit

dem Ausschachten des Neubaues der bayerischen

Staatsgemäldesammlungen, der Neuen Pinakothek,

begonnen. Der Baubeauftrogte der Staatsgemöldesammlungen,

 Dr. W. D. Dude, sprach zu diesem

wichtigen Münchener Unternehmen in der Aachener

Vortragsreihe über Museumsneubauten am 2.5.1975.

Münster -

Lore Heuermann in der Theatergalerie

Künstler sind meist in Bewegung, das fahrende Volk

von heute. lhre Bagage, sprich Buckellast, ist Kunst.

Last, die von Schau zu Schau getragen werden

muß, da abgehängt, dort schon wieder aufgestellt.

Erfolg? Darum ringen sie permanent, denn er

bedeutet Existenz, manchmal besseres Überleben.

Bisweilen kommt uns das bei manchen Künstlern

besonders zu Bewußtsein, und wir fragen uns auch,

ist Kunst wirklich Berufung oder selbsterwähltes

Schicksal? Manche meinen es mit ihrer Kunst so

ehrlich wie möglich, indes andere sich güldene

Karossen ermalen. Manche auch führen den Kampf

auf zwei Ebenen, sie müssen den Alltag

„bewältigen" und dürfen sich dabei doch nicht ihre

künstlerischen Flügel verbrennen. Lore Heuermann,

allein auf sich und mit drei Kindern in den Alltag

gestellt, gehört zu ihnen. Kürzlich stellte sie, die

längst Wienerin geworden ist, in ihrer Geburtsstadt

Münster aus. Daselbst präsentierte man schon die

Kallwitz, Barlach, Roth u. a., und mit über 20.000

Besuchern und ausgezeichneten Kritiken kehrte die

Künstlerin heim. Voller neuer Pläne, bereit auch

für neue und größere Aufgaben. Lore Heuermanns

Anliegen, nicht nur das ihrer Kunst, ist der Mensch.

Die natürliche Rivalität und Auflehnung gegen den

männlichen Widerpart markiert als sichtbare

Expression ihr Werk. Anonym scheint davor nichts

Weibliches an diesem Pinsel. Er ist hart, ruppig,

ia schonungslos. Wir meinen dies zum Bewegungszyklus,

 der das Amorphe, das Absterbende im

Menschen zum Gegenstand hat. Aus Ungelenkheit,

Geducktsein, Unförmigkeit, Gebuckeltsein und

Starrheit scheint alles Wesentliche und

Symptomatische des Menschen unserer Tage

„unschön", aber wahr zu mahnen. (Abb. 5)

Nürnberg - Aus der Kunsthalle

Den nahezu unbekannten graphischen Korpus des

Tachismus in Deutschland mittels einer Ausstellung

unter dem Titel „Druckgraphik des deutschen

lnformel, 1951-1963" bekanntzumachen, ist das

Anliegen der Albrecht-Dürer-Gesellschaft Nürnberg.

Zusammen mit Dr. Rothe, Heidelberg, gelang hier

eine repräsentative Übersicht über eine Stilperiode

der fünfziger Jahre, die deren außerordentliche

Vielfalt der künstlerischen Ausdrucksmittel, ihre

Dynamik und Spontaneität dokumentiert. Die

Auswahl der Werke wies die Namen der Künstler

Brüning, Cavael, Dahmen, Götz, Hoehme, Kreutz,

Platschäi, Schulte, Schumacher, Sonderborg

[Hoffmann], Thiele, Trier und Wessel auf.

[11.4.-1.6. 1975)

Ottawa - _

Aus der National Gallery of Canada

In einer vom Londoner Victoria 8x Albert-Museum

organisierten Schau unter dem Titel „High Victorian

Design" (1 .-27. 4. 1975) waren Möbel, Metallarbeiten,

Keramiken, Einbände, Gemälde und Zeichnungen

dieser Periode englischer Kunst zu sehen. Abseits

der großen Turner-Ausstellung in London (s. u.

Beitrag im übernächsten Heft 142lamk) zeigte man

in der siebten einer Serie van „small exhibitions"

drei Werke von J. M. William Turner, dem Maler

der „golden visions". Am 4. 4. (bis 4. 5. 1975)

eröffnete man in der National Gallery ferner

eine große Schau von über 200 fotografischen

Werken der eigenen Sammlung, aus der Hand

amerikanischer, österreichischer, kanadischer,

französischer, italienischer, iaponischer, englischer

und schottischer Fotografen, beginnend von 1539

bis herauf zur Gegenwart. Die Dichte täglicher

Aktivitäten wurde mit Filmen und Gallery Talks

zu dieser Ausstellung stark durchsetzt, und Ansel

Adams, Darothea Lange wie das Thema

„Fotografie als Kunst" bereicherten dieses. (Abb. 6)

Paris - Musees nationaux und Brauer

Nach der am 3. 2. 1975 geschlossenen Ausstellung

„De David a Delacroix - La peinture francaise

de 1774-1830" in den Galeries nationales du
            
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