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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XX (1975 / Heft 141)




die anmutigen Landschaften. Als Jahreszeit ist

immer der Sommer gewählt. Das bäuerliche Leben

 ist mit den stolzen Zeugen der Vergangenheit

 in vielen Fällen eine harmonische Synthese

eingegangen, wie überhaupt der möhrische

Schloßbaiu eine offensichtliche Freude am Landleben,

 eine breite Behaglichkeit und ein unvermitteltes

 Nebeneinander von Bauernhof und

Herrenhaus zeigt". Man sehe sich nur den „Vorhof

 in der Burg Buchlau" von 1836 (Abb. 7) an,

wo im warmen Licht eines Sommernochmittags

inmitten pickender Hühner ein städtisch gekleidetes

 Paar sich mit dem Gutsverwalter unterhält,

oder die 1829 entstandene Ansicht von Schloß

Groß-MeseritschNelke Mezifici (Abb. 6), auf

der die dörfliche Staffage mit den Kühen im

Fluß, der Leinenbleiche und den zum Wirtshaus

strebenden Wanderern fast zur Genredarstellung

 gerät.

Nur einmal wird in der Staffage ein Vorbild

spürbar; auf der Darstellung „Burg Eichhorn

westlich" von 1820 (Abb. 5), dessen bukolische

Szenerie mit den drei tanzenden blumenbekränzten

 Mädchen und dem flöteblasenden Hirtenknaben

 an die klassischen Landschaften Poussins

und Larrains denken lößt. Ein tieferer Symbolgehalt

 einzelner Motive, wie er bei Caspar David

18

Friedrich anzunehmen legitim sein mag, kann

bei Richter weder festgestellt noch vermutet werden.

 Die beiden Schwäne vor der „Jacobshöhle

im Adamsthal", 1823, sind keineswegs Symbole

der Todessehnsucht, und die beiden Köuzchen

auf dem Blatt „Ruinen von Hochwald, zweiter

Hof" von 1834 (Abb. 9), das als ausgesprochenes

Effektstück gestaltet ist mit den düsteren, von

Unkraut überwucherten Mauerresten, deren Fensterhöhlen

 vom Mondlicht von innen erleuchtet

werden, sind nur in einem oberflächlichen Sinn

als Nacht- und Todesvögel zu verstehen. Bei der

Darstellung „Der Matzach Grund mit der Bunqua"

 von 1830 könnte man fast vermuten, daß

Richter Höhlendarstellungen Friedrichs gesehen

haben muß, da die Ähnlichkeit überraschend ist".

Die verdorrten Böume und das rohe Holzkreuz

vor der düsteren Höhlenöffnung weisen direkt

auf die unheimlichen Legenden hin, die diesen

Ort umgeben und zur Gründung zahlreicher

Gnadenorte in dieser Gegend geführt haben.

Sie sind nicht durch einen von Richter hineingelegten

 allgemeineren religiösen Sinngehalt bedingt.

 Auch die Vermittlerrolle des Betrachters

im Bild ist viel äußerlicher, naiver und traditioneller

 als bei Friedrich: Das Blatt mit dem aus

der Höhle Schipowa Dyra auf die Burg Stromberg

 hinausblickenden liegenden W011i

(Abb. 14) erinnert in seiner Komposition ai

barockes Felsentheater. Der Herr, der, umsc

gen von seinem Begleiter, mit dem Ferngla

die Burg Pernstein blickt, soll dem Betrachte

Höhe des Steilufers der Schwarzawa sugg

ren, von dem aus die Ansicht genommen w

Auch die Ruinen Richters haben nichts Düst

Drohendes und rätselhaft Symbolisches. Sie

als malerischer Gegensatz und als histor

Denkmäler in einer geordneten Kulturlonds

aufgefaßt. Die Gegenüberstellung von V:

und festgefügter Sauberkeit, von üppigem P

zenwuchs und toter Ruine erzielt reizvolle

traste zwischen Gegenwart und Verganger

Auffallend ist ein eingehendes botanische

teresse des Malers in der präzisen Wieder;

von Blumen und Kräutern im Vordergrund

Bilder, die neben den Baumschlägen wohl ei

studiert wurden. Auch bei den Baumarten

genau unterschieden. Man kann Fichten, Ta

und Kiefern, Birken, Weiden, Kastanien, Ei

und Holunder sehr wohl erkennen. Doß das

neswegs selbstverständlich war, zeigen die

benserinnerungen Ludwig Adrian Richters, il

nen er berichtet, daß anlößlich der Kuns

stellung von 1822 in Dresden ein Gemäldt
            
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