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Full text: Alte und Moderne Kunst XX (1975 / Heft 141)

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17 Neuschwansfein, Königsschloß Ludwigs I 
Bayern, erbaut 1869-1892 
. VON 
Sehgewohnheiten der impressionistischen und 
der auf sie folgenden Perioden entthrant wer- 
den sollen. Und es ist in der Tat nicht einzu- 
sehen, weshalb Kunst auch weiterhin des lnhalt- 
lichen, der Aussage, des menschlichen Bezugs 
entraten sollte. 
Solange die Gegenwartskunst freilich solch of- 
fensichtlich immanentes Bedürfnis - das ia 
schließlich auch nicht nur auf das von der offi- 
ziellen, durch Museumsleute und Kunstkritik re- 
präsentierten Kunstideolagie sa gern mild belä- 
chelte breite Publikum beschränkt ist - nicht zu 
stillen vermag oder nicht befriedigen will, darf 
man sich nicht wundern über die Fluchtbewe- 
gung in ein optisch weniger verarmtes Zeitalter 
mit all ienen Begleiterscheinungen, daß eben 
auch fragwürdige Erscheinungen mit emparge- 
schwemmt werden. Denn das immerhin hat die 
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Ausstellungsflut längst erwiesen: daß neben Put- 
ten und Amouretten und rosigen Nuditöten 
durchaus auch Relevantes bei dieser Ausgräbe- 
rei in den Depots zutage gefördert wird. 
Wo bisher apodiktische Behauptungen für Pro- 
blemlosigkeit sorgten, wo ein simpler Gänse- 
marsch der Stile und lsmen - vom Barock über 
den Klassizismus zum Impressionismus, zu Ce- 
zanne und damit zur „Moderne" - das sehr viel 
komplexere Erscheinungsbild der Künste glatt 
geschichtsverfälschend verdeckte, wo klar und 
deutlich zwischen den Guten und den Bösen, 
den Fortschrittlichen und den Reaktionören ge- 
schieden wurde und keine Grenzgänger zugelas- 
sen waren, tauchen plötzlich Fragezeichen auf. 
Fragezeichen, die relativierend ihre Wirkung 
auch auf die Position der Gegenwartskunst aus- 
zudehnen beginnen. Der offene Kunstbegriff zei- 
18 Arnold Böcklin: „Die Toieninsel", erste Fassung, 
1880, Basel, Kunstmuseum
	        
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