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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XX (1975 / Heft 142 und 143)

I Aktuelles Kunstgeschehen l Österreich



Tirol

Innsbruck

Galerie im Taxispalais

Alfred Kubin

56 ausgesuchte Blätter, die von der Meisterschaft

des großen Alten aus Zwickledt Zeugnis ablegen

und den Betrachtern deutlich veranschaulichen,

daß gute Zeichnungen nicht nur von guten Ideen,

sondern auch von der Beherrschung des Strichs

abhängen. Beherrschung bis in scheinbar

Nebensächliches und Zufälliges. Die Schau ergänzt

iene des Variahres, die das Frühwerk zeigte,

und soll 1977 mit einer dritten ergänzt werden.

(4. 6.-31. 8. 1975)

Hans Krenn

Die phantasievollen, in kräftigen Farben gehaltenen

männchenhaften Figuren Krenns und ihre

Fragmentumwelt lassen mit liebenswürdiger

Bissigkeii kaum iemanden unberührt.

(9.-29. 9. 1975) - (Abb. 14)

Steiermark

Graz - Neue Galerie Joanneum

Paolo Tessari

Der 30iährige Venezianer, Professor der Akademie

seiner Heimatstadt, weist sich mit nur 25 Exponaten

- bilder + obiekte - sehr vielseitig aus.

Einmal mit minimalem Aufwand [politischer Pinselstrich)

 und dann mit camicartigen Obiekten voll

Phantasie, zuletzt mit Siebdrucken als exakter

Arbeiter. Überall ist sein zeit- und sozialkritische:

Engagement zu spüren, wenn auch manch ernstes

Thema zu leicht ins Spielerische gleitet und die

Wirkung damit ändert.

(26. 6.-20. 7. 1975 - (Abb. 15)

Alfred Wickenburg

Nachdem im Voriahr die Graphiken des Malers

gezeigt wurden, ist die Zusammenstellung dieser

25 Bilder - Ulbilder 1968-1975 - zu Ehren des

90. Geburtstages gedacht. Alle 100 x 140 cm groß,

fallen sie durch breite Pinselstridie auf. Auch die

Farbe ist kräftiger als früher, oft wird sie allein

fast flöd1ig anderen Farbflächen gegenübergesetzt.

Die Leuchtkraft ist groß. Ein Alterswerk von

starker Aussage.

(1. 7.-24. 8. 1975) - (Abb. 16)

Gottfried Fabian

49 Kunstharzbilder (1 Dispers.) - Werk der letzten

zehn Jahre - meist großen Ausmaßes.

Lyrische Gebilde mit sparsamstem Farbauftrag.

Das Wichtigste ist die Linie. Ein Fledr, ein zweiter,

gelb, blau, rot, Abschattierungen davon, werden

sparsamst eingesetzt. Man spürt bei diesen

abstrakten Liniengefügen eher Überlegung und

Können als Impulsivität. Sicher ist die Verbindung

zu Hans Hartung. Das Schwebende Iäßt aber an

Ostasien, an Haiku, denken.

(5.-N. 9. 1975) - (Abb. 17)

Galerie Moser

Gottfried Fabian

55 Blätter - Graphik -, zum Teil allein Tusche,

zum Teil Tusche und Aquarell. Was von den

Bildern gesagt wurde, gilt in erhöhtem Maße von

den Graphiken. Mii ganz wenigen einfachen

Linien werden Rhythmen angeschlagen, gleich einer

Notenschrift. Das verlaufende Gelb eines breiten

Pinselstriches gibt eine neue Dimension.

Immer wieder drängt sich einem der Vergleich mit

chinesisch-iaponisdier Kunst auf. Es ist die Kunst,

mit wenigem sehr viel zum Klingen zu bringen.

(5.-26. 9. 1975)

Neue Galerie

Wolfgang Buchner

22 Exponate, Entwürfe, Glasobiekte, Ül- und

Temperabilder, Aquarelle und Obiekte aus Glas,

Metall und Papier sowie dazugehörende Texte.

Die Arbeiten sind eine Mischung aus Wissenschaft,

Literatur und Kunst oder Kuriositäten aus Kaiser

Rudolf des neunundzwanzigsten Raritätenkabinett.

(7. 9.-26. 10. 1975) - (Abb. 18)

68

Niederösterreich

Krems - Dominikanerkloster

Mit den neu adaptierten Ausstellungsräumen ist ein

wichtiger Orientierungspunkt der zeitgenössischen

Kunst in dieser Stadt gegeben.

Arnulf Neuwirth

Collagen, Aquarelle und Ulbilder, alles in allem

120 Exponate. Die Zeitspanne reichte von 1932

bis heute. Der Rezensent hat über das Werk des

Künstlers im Maiheft 1968 der Kunstzeitschrift

„Artis" eingehend referiert.

(31. 5.-1. 9. 1974)

Traute Dressler

Die Künstlerin, die zu Unrecht zu sehr im Schatten

ihres Mannes lange nicht Beachtung fand, zeigte

104 Bilder und Graphiken. Die Sicherheit des

_ Striches, der sich oft zu dichten Bündeln findet,

dem sowohl Härte als auch Weiche eigen sein kann,

die lebhafte Melodik in der Blattaufteilung und

Verspannung ist uns schon lange bewußt. Nun

tritt die Dressler auch mit reifen Lackbildern an

die Uffentlichkeit. Die Flächeneinteilung erinnert

entfernt an Paul Klee, es entsteht ein leichtes

Flimmern, in dem die Umrisse der Gegenstände,

der Personen oder Häuser im Raume zu schweben

scheinen. Die Farben sind sehr fein abgestimmt,

gehalten und von einem gegenseitigen

Einverständnis.

(23. 5.-29. 6. 1975) - (Abb. 19)

Leopold Hauer

Ein Querschnitt durch ein Lebenswerk. Das früheste

Bild stammt aus dem Jahr 1918, das letzte

entstand 1975. Es ist klar, daß es daher nur ein

kleiner Ausschnitt aus dem Cfuvre sein konnte,

und doch zeigt er uns, daB dieser Mann, bei allen

Wandlungen, die er durchgemacht hat, sich und

seiner Art im Grunde treugeblieben ist. Deutlich

wird sichtbar, daß Hauer, der sich so sehr am

Impressionismus orientierte, zuletzt zu iener kargen

Einfachheit und Strenge fand, die ihn in die Nähe

eines Egger-Lienz führte, mit dem er in seiner

Jugend berei s eifrigst über Kunst diskutiert hat.

Charakteristisch sind der Ausschnitt, die Fläche,

das Liniengefüge, eine gewisse Monochramie und

eine überraschende, den Schwerpunkt

verschiebende Akzentuierung.

(19. 9-26. 10. 1975) - (Abb. 20)

St. Pölten - Galerie Hippolyt

Robert Hammerstiel

Hammerstiel ist ein echter Holzschneider. Unter

Verwendung der Materiolstruktur bevorzugt er

Themen aus der bäuerlichen Welt. Die kraftvollen

Schwarzweißwirkungen werden mit dem

Dargestellten eine Einheit.

(6. 5.-6. 6. 1975)

Eichgraben - Galerie im Speisesaal

Horst Aschermann

Die Reliefs, Plastiken und Graphiken hatten alle

einen starken gemeinsamen Nenner. Man könnte

ihn mit Gruppendynamik bezeichnen. Das gilt auch

von ienen Obiekten, die architektonische Gebilde

zeigten. Es ist überall eine gute Flächenteilung

angestrebt und meistens auch erreicht.

(16. 5.-11. 6. 1975] - (Abb. 21)

Ernestine Retter-Peters

Wir haben erst anläßlich der Besprechung einer

der letzten Ausstellungen des Künstlerhauses in

Wien auf die Graphiken dieser Malerin

hingewiesen und sie in die Nähe Oskar Laskes

gestellt. Sie arbeitete viele Jahre zurückgezogen

und in aller Stille und zeigte in Eichgraben erstmals

Bilder aus den zwanziger und dreißiger Jahren.

Immer wieder können wir feststellen, daß da und

dort einer in seiner Art ohne viel Aufhebens

bessere Arbeit macht als iene, die sich selbst mit

viel Geschrei zu Usterreichs Stolz erklären.

(19. 05.-27. B. 1975) - (Abb. 22)

Wiener Neustadt -

Galerie 9

Altkunst - Neukunst

Altkunst, durch Julius Zimpel (1896-1925), den Leiter

der Wiener Werkstätte, vertreten, Neukunst durch

Sonia Henisdw und Walter Weer. Von J. Zimpel

gab es eigenhändig signierte Holzschnitte und

Bleistiftzeichnungen: Kostümentwürfe, Porträtskizzen

 und Aktstudien, die an Klimt erinnern,

zu erstaunlich niederen Preisen. Walter Weers

Aquarelle zeigen Aquaspiele. Wasser als wesentliches

 Lebenselement. Sonia Henischs

Blätter zu einer Story um türkische Gastarbeiterkinder:

 sehr farbenfroh und leicht überschaubar,

für ein Jugendbudt geeignet.

(5. 6-80. 6. 1975)

Mödling - Galerie Arcade

Bernhard Hollemann

Großformatige Bilder in Mischtechnik (70 x 100)

zeigen kräftige Farben und eine Betonung der Linie.

Umrandungen. Die Zeichnungen, in kleinerem

Format, sind meist unterteilt und haben einen

filmischen Ablauf. Der Inhalt der Arbeiten ist ein

kritischer. Das menschliche Verhalten in der

Gesellschaft, zum Nebenmenschen, zum politisch

Andersdenkenden, zum anderen Geschlecht wird

unter die Lupe genommen. Vergleichsmotivationen

werden gezeichnet.

(5.-SO. 9. 1975) - (Abb. 23)

Perchtoldsdorf - Galerie Romanum

W. Drach

Aquarelle und Mischtechniken von dem Sohn des

bekannten Schriftstellers. Großformatige Bilder,

sehr locker gemalt, expressiv, mit viel Schwung.

Landschaften, die sich im Auge des Beschauers

zusammenstellen, ein wenig an die Nötscher-Schule

erinnernd. Es scheint sich hier für den Künstler

ein neuer Weg autzutun.

(20. 8-10. 9. 1975) - (Abb. 24)

Burgenland

Unterrabnitz - Esterhazysches Kastell

Wie alliährlich, wurden die Ergebnisse der Malerwachen

 präsentiert. Franz Erntl, Rudolf Klaudus,

Harro Pirch, Franz Vass zeigten Landschaftliches.

Jeder in seiner Art und qualitätsvoll. Nur der

Berliner Klaus Basset fiel mit seiner Schreibmaschinengraphik

 aus dem Rahmen. Eine

Heidenarbeit!

(25. 7.-3. 8. 1975)

(In Lutzmannsburg 20.-24. 8. 1975) Alois Vogel

Künstlerprofil P. Dworak, S. 64, (Schluß)

Olivetti-Zeichenwettbewerb gemeinsam mit

Arnult Rainer.

Gegenwärtig arbeitet Dworok an einem neuen

Zyklus „Mixed Pickles Man": „Er ist - oder kann

sein - eine erfundene Figur, die viele Menschen in

sich vereinigen kann (vielleicht ist er deshalb so

dick), der stellvertretend verschiedene menschliche

Handlungsweisen, Eigenschaften und Situationen

darstellen und erleben kann. Er ist Held und

Antiheld. Er ist Symbol und Synonym für ,Mensch'.

Oder er ist eine gezeichnete Trickfigur, die das

aufregende Abenteuer des Lebens widerspiegelt."

Manfred Chabot
            
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