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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XXI (1976 / Heft 146)

des Baracks unterschieden. Nimmt der barocke

Künstler die Person vergangener Zeit voll in

seine eigene auf, gewandet sie im Kostüm seiner

 Tage und stellt sie in iene Pose, wie es hervorrogenden

 Persönlichkeiten des 18. Jahrhunderts

 geziemt, so versucht sich der Porträtist des

19. Jahrhunderts unter Autbringung all seiner

Phantasie in die Zeit, zu der die von ihm gemalte

 Person gelebt hatte, zurückzuversetzen.

1785 entstand das Porträt Leopolds, das der

„Kremser Schmidt" gemalt hatte, 1847 das des

Theodor Petter (Abb. 10). Nur diese 60 Jahre

trennen die beiden Reprösentationsbilder des

Gründers von Lilienfeld, und doch ist eine Kluft

zwischen ihnen, so tief, daß das barocke Bild

[enem der gotischen Glasfenster der Pfarrkirche

von Steyr näher ist als dem des 19. Jahrhunderts.

 War bisher im Vordergrund der postumen

Partratmalerei der Wunsch nach dem Lebendighalten

 des Gedächtnisses einer Person gestanden,

 so ist es nun das Verlangen nach ihrer

Wiederbelebung in der Art, wie man sich im

19. Jahrhundert das ideale Mittelalter erträumte.

Sa wird die einzelne Figur nicht zum Inhalt und

der Mitte eines Reprösentationsbildes, sondern

ist Zentrum eines Bühnenbildes. Vor einer knorrigen

 Eiche steht daher Leopold auf Petters Bild,

seinen Hermelinmantel an ihren Stamm geworfen,

 er selbst im Harnisch und blauen babenbergischen

 Adler-Wapperirock - obwohl man zu

seiner Zeit doch schon das Wappen von Neu-



14

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bmune HSW "mrähwt "" P09?"SCh"'"d'ß Smne- dälEiJirg Gewerbe, was. UllLeinwand?69x85 cm. 16 Carl Rahl, Karl der Große befreit Österreich

der Bart ist martialisch. lm Hintergrund die ro- Wien, Österreichische Galerie 4 _von den Awaren, 1853X}Vl_3leis_tOittzeich_n;i'_rig,h Fegei

mcnnsche Landschaft von Liliemreldy 15 Carl Rahl, Friedrich ll. besiegt die Mongolen, ilrgriBeraun, 611x119 cm. ien, sterreic ISC e a-Man

 war in Österreich rasch zu einer nationalen l5

Kunst gekommen, wofür sicherlich die 1804 vollzogene

 Umwandlung des Staates zu einem relativ

 eigenständigen österreichischen Kaiserreich

von Bedeutung gewesen ist. Zumindest hat man

sich nun auch auf die Anfänge eines österreichischen

 Staatsgefüges besinnen müssen - und kam

auf die Zeit der babenbergischen Herrschaft".

Dem politischen Programm und der politischen

Verantwortung des 19. Jahrhunderts aber entsprach

 die bildliche Wiedergabe der historischen

Szene. ldealportröts entstanden nur vereinzelt,

und wenn, so im Zusammenhang mit einer Lokaltraditian.

 Um so mehr aber pflog man das Bild

des Herrschers, verbunden mit dem Aufzeigen

einer von seinen Taten, die dem Vaterländischen

Wohle dienlich waren. Aufgabe dieser historischen

 Szenen war es, der politischen Propaganda

zu dienen, eine enge und vertraute Beziehung

zwischen dem Monarchen und dem Bürger herzustellen,

 da doch die Monarchie des 19. Jahrhunderts

 gezwungen gewesen war, des Bürgertumes

 als der neu heraufkammenden Macht

sicher zu sein. Ein ldealbeispiel für diese Form

der propagandistischen vaterländischen Kunst ist

das Bild des Leander Ruß von 1836, „Leopold VI.

Öffnet den Wiener Bürgern seine Schätze zur

Förderung van Handel und Gewerbe" (Abbildung

 14). Unmittelbar nach der ersten

großen Revolution in Frankreich will es durch

das Thema einer eventuell in Wien aufkommenden

 revolutionären ldee den Wind aus den

Segeln nehmen. Der Herrscher wird als Wohltäter

 der Bürger gezeigt, wodurch diese nicht

mehr die Notwendigkeit haben, sich gegen den

Fürsten einzustellen. Insgesamt ist die Komposition

 des Bildes aus der deutschen Romantik bezogen,

 die räumlichen Mittel und architektonischen

 Details aus dem Klassizismus, Kostüme

und Physiognomien aus dem Altdeutsch-Bürgerlichen

 und dem Raffaelitischen, die Art der Milieuschilderung

 aber ergibt ein bürgerliches Bild

mit Situationen wie bei Feridi oder Danhauser.

Die Details sind ebenso wahllos aus verschiede-6


            
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