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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XXI (1976 / Heft 147)


iährige Sekretärin Gusti Adler. Aus der Vergessenheit

 ihrer niederösterreichischen Heimstatt

versetzte der Magier der Bühne die Statuen

in die Szenerie des Leopoldskraner Gartentheaters.

 Indes - „die Zeit, sie ist ein sonderbar

Ding" und ihre Wendungen bedrohten erneut

die antikischen Thürnthaler. Fast wären sie zerbröckelt,

 im sumpfigen Boden versunken, im

Gestrüpp untergetaucht. Nach dem Transit durch

das Restauratorenatelier übersiedelte die Sabinerinnengruppe

 kürzlich in den Park des Schlosses

 Klesheim, ihren endgültigen Standort.Oder-?

Das erste, wahrhaft „tiefgreifende" Bauvorhaben

im Bereich der Wiener Karlskirche, nämlich die

Einwölbung des Wienflusses, bedingte die Demolierung

 der Elisabeth- und der Tegetthoffbrücke.

 Ein gewitzter Steinmetz sicherte sich die

dekorativ gearbeiteten Geländer und verkaufte

sie später dem berühmten Orthopäden Adolf

Lorenz, der für seine Villa in Altenberg an der

Donau „Steintrümmer" sammelte, wie er selbst

sagte, um sie in seine großzügigen Planungen

einzubeziehen. Er hatte einen etwas opernhaft

pompösen Geschmack, der sich in den Veduten

dieser Sommerresidenz eines Bürgers als Edel-



mann dokumentierte. Und gerade die gewichtigen

 Versatzstücke aus dem Wien der ersten

„k. u. k. Familienalbums"-Fotografen verliehen,

zusammen mitKaryatiden ala Musikvereinssaalwoher

 diese? - der Terrasse von Lorenzens

Tusculum die gebotene feudale Note.

Hochoffiziell erfolgte 1950 die Übertragung van

fünf Flüsse der Monarchie symbolisierenden

Nischenfiguren der schwer bombenbeschädigten

Wiener Albrechtsrampe. Theodor Körner, damals

Bürgermeister, schenkte diese Werke Johann

Meixners der niederösterreichischen Gemeinde

Wieselburg. Von der Großstadtpatina gesäubert,

flankieren sie dort eine Grünfläche beim Schloß.

Die ebenfalls gerettete Kolossalfigur des „lnn"

wurde den Wiener Neustädtern gewidmeLGleichsam

 im Ausgedinge, wacht der gewaltige Stromgott

 über dem Wasser eines recht bescheidenen

Beckens im Stadtpark.

Zwei ruhende Sphinxen vor der Einfahrt des

zerstörten Palais Rothschild beim Belvedere sind

ietzt in einem Villenpark in Gießhübl zu sichten,

dafür ziert nun eine Marmorkopie von Canovas

berühmter Gruppe der drei Grazien (Original;

Eremitage, Leningrad] aus dem Gießhübler Besitz

 des prominenten Kohlenmagnaten Baron

Gutmann höchst unerwartet den Hof eines alten

Vorstadthauses im 6. Wiener Bezirk. - Die Versetzung

 von Plastiken ist sozusagen ein Ping-Fang-Spiel,

 wohin der Ball trifft, hängt von den

verschiedensten Faktoren ab. Öffentliche und

private Gärten da und dort im Land mögen

Endpunkte so mancher Odyssee sein, heimatlos

 gewordene Statuen werden bereits systematisch

 gehandelt. Für diese oder iene Figur gilt

der Satz aus einem Ringelnatz-Gedicht: „Woher

sie kam, wohin sie ging, das hab' ich nie erfahren!"



Eine der interessantesten „Wanderungen" von

Bildwerken seit 1945 führte nach Reichenau an

der Rax. Dort stellte der Naturschutzexperte

Hofrat Prof. Dr. Lothar Machura im Hof seines

„Hauses auf der Waag" eine in Wien erworbene

marmorne Brunnenwand auf. Außer der Tatsache,

 daß sie dem Verband der Ringstraßenarchitektur

 zuzuordnen war, blieb die Herkunft

zuerst ungeklärt. Stilistische Merkmale verwiesen

auf die frühe Phase, konkreter; auf den Kreis

Siccardsburgs und Van der Nülls. Eine Vermutung,

 die sich bestätigte, als der Autor an Hand



von Bilddokumenten (P. LangelH. Bült

„Das k. k. Hof-Opernhaus in Wien", Wie

ermitteln konnte, doß diese Wand nacht

aus vier einzelnen analogen Brunnen zusc

gefügt wurde. Ursprünglich waren sie g

in den dann zerstörten Logenaufgäng-Staatsoper

 angebracht.

Eine umfassende Bestandsaufnahme und

mung versetzter Plastiken und Bauteile

gewiß wünschenswert, doch in vielen Fällt

die Ortung von Obiekten wohl weiterh

günstigen Zufall abhängen, dafür abe

Reiz der Überraschung haben, wie ihn

der Wiener Kunstkritiker Ludwig Heves

fand, als er in den neunziger Jahren r

Riviera bei Valescure die Villa Carvall

deckte, „eine Seltsamkeit . .. wie es keine

gibt, denn der Besitzer hatte die eigenti

Idee, nach der Verwüstung der Tuilerien

Bruchstücke dieses Kunstschatzes zu erwerL

in seinem Garten aufzustellen. Reliefs,

Vasen, hier ein Stück Geländer, dort eir

sole, eine Marmormaske, eine Brunne

mischen sich unter seine Rosen und Or

es ist eine Art Campc Santa . . 

8 „Galatheabrunnen" von der Wiener V

stellung 1873. Derzeit in Klosterneuburg

linglNiederösterreich

9 Sandsteinfigur aus Versailles, Monatssta

bruar" aus dem Zyklus der zwölf Mana

aus Paris nach Burg Feistritz am Wech

derösterreich, gebracht, wo acht Statue

heute im Park aufgestellt sind

10 Brunnenwand aus der Wiener Staats:

Reichenau an der RaxfNiederösterreich

j Unser Autor:

Gunther Martin

Freier Schriftsteller und Übersetzer

Höglwörthweg 55

5020 Salzburg

Altmannsdorfer Straße 16412117

1232 Wien
            
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