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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XXI (1976 / Heft 148 und 149)

(ünstterprofile

Albert Birkle



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Die Delinquenlen

Der Diktator b

Ixliiiiärggfläiuäg Dionysos, Dalleglas in Beton

Mädchen

Ritter, Tod und Teufel

Albert Birkle, geboren 1900 in Berlin, Sohn

schwäbischer Eltern mit Tiroler Vorfahren, Ofbl

abseits vom kulturellen Tageslarrn. lm kunstler

regen Berlin der zwanziger Jahre gelang ihm r

expressiven Bildern der Durchbruch. Seine

Großstadt- und Landschattsdarstellungen, vor

die religiösen Arbeiten, brachten ihm Erfolg,

spontane Anerkennung und Ehrungen sowie

Aufträge fur Kirchenmalereien. Sein erstes

Glasfenster schuf er anfangs 1930 für die Kirch

Herrenberg bei Stuttgart. Bis 1936 konnte er nc

in Deutschland ausstellen. 1937 schon wurde ei

Großteil seines Schaffens von den Nationalsozialisten

 als entartet gebrandmarkt. Nach de

Krieg, den Birkle als Soldat erlebte, schuf er

zahlreiche Glasfenster, heute homogene Besta

teile in alten und modernen Kirchenbauten Eur

und Amerikas. Die Fenster der Blasiuskirche i

Salzburg (1947) und die großen Zyklen für die

National Cathedral in Washington markieren

Anfangs- und vorläufigen Endpunkt einer fast

ununterbrochenen Schaffensphose. Mittels sein

Technik, die neben dem Schöpferischen auch e

vielfältiges handwerklich-praktisches Können

erfordert, kann der Künstler, wie er selbst

formuliert, „jahrhundertealte Weisheit der Rel

als Gleichnis in unserer heutigen Formensprac

gestalten", mit dem letzten Ziel, „den Mensch:

der Menschheit zu erhalten".

Diese humane und moralische Funktion der Ku

die Birkles Hauptanliegen ist, gilt auch für seit

gesellschafts- und zeitkritisches Schaffen, das i

die Nähe Otto Dix', Max Beckmanns oder Kät

Kallwitz' rückt.

Der Mensch wird von ihm stets hart angepackt

zu Selbstbesinnung, Ein- und Umkehr gemahnt

Herausgerissen aus meist dunklem Hintergruni

bedrängen seine Gestalten, rucken dicht an ur

heran. Riesige Gesichter, entmenschte Grirnas:

leidende Opfer, atemnah vor uns.

Angeprangert werden Schönheits- und Sportid

Auto, Uniform, das Chaos des Krieges, Leid.

Diktatur, Militarismus, gewaltsame Unterdrück

der Meinungs- und Religionsfreiheit und Falte

4 alles das sind Themata und zeigen Birkles

Arbeiten eindringlich, kraftig im dynamischen

Duktus. Immer wieder auch Konfrontationen d

Extreme: exerzierende Soldaten neben Kriegskrüppeln,

 Folterknechte neben Gepeinigten, H

neben Delinquenten oder bereits Exekutierten,

Unfallopfer neben den daran Schuldigen und

sensationslüsternen Augenzeugen. Mitunter wi

die Situation durch Transponierung ins Symbo

in ihrer Wirkung noch gesteigert.

ln einer autobiagraphischen Bekenntnisskizze

formuliert Birkle u. a.: „Der Künstler von heut

kann keine L'art pour l'art mehr betreiben. Es

nicht mehr um Formprobleme, es geht um die

Existenz. Wie der Rufer in der Wüste muß er

Menschen aus ihrer Lethargie wachrütteln und

packen und muß sichtbar manchen, an welche:

Abgrund die Welt heute steht."

Das sozialkritische Element ist bei Birkle bis ir

Frühwerk zurückzuverfalgen, findet sich in viei

Glasfenstern und deren Vorarbeiten: den

Entwürfen, kräftig in Kontur, mit einem auf

Scheintransparenz abzielenden Farbauftrag, d

Wesen der Glasoriginale ahnen lassend, dabr

selber eigenständige Kunstwerke. Auch in die:

Techniken wird allgemein Menschliches behan

und Blätter wie „Der Schritt ins All" beweisen

Birkles bildnerische Kritik nicht fOftSChflttSfelm

ist.

Albert Birkle, der Mensch und Künstler, wie ai

immer er sich an uns wendet: stets unternimrr

Versuche, in das aus dem Rhythmus geratene

Räderwerk unserer Welt korrigierend einzug

indem er uns warnt, wo es nottut, uns mahnt,

aufruft und uns daran hindert, vor dem Unheil

nun schon um oder in uns ist oder erst als

Flammenzeichen am Horizont sich ankündigt,

und selbstvergessen die Augen zu schließen.

Erich Fit
            
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