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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XXII (1977 / Heft 150)

Notizen



Aachen - Neue Galerie

Ein Aussfellungsdoppel bildeten zwei Künstlerinnen

der Gegenwart: Ulrike RosenbachlFoto-Video-Aktion

 und Annette PfaulTextsdlränke-Zeichnungen.

Beide umgehen bewußt mit ihren gleichzeitig

entstandenen Werkgruppen Zwänge konventioneller

Kunstpraktiken, die Starre ästhetischer Konventionen.

 Beider Werk legt die Fesseln, die der

Emanzipation entgegenwirken, bloß, läßt die

Anstrengung, diese zu überwinden, erkennen. Rosenbachs

 modernes Medium Video macht ihr Werk

zu Protokollen der Gegenwart, Annette Pfaus in der

Sprache der Kinder erstelltes Werk ist Botschaft. -

Mehr denn ie scheint die „Neue" ihr Publikum zu

aktivieren, zwingt es geradezu, freudig im Kunstbetrieb

 mitzumachen. Burgi Kühnemann stellte

mit Kindern Linolschnitte her - H. U. Aschenborn

karikierte Besudler - B. Stirnberg ließ die Besucher

schnell Plastiken formen - I. Krause-Rau aquarellierte

 inmitten und mit dem Publikum, dem

L. Skodowsky und F. Buchholz den Siebdruck

anschließend demonstrierten. Und zu guter Ietzt

gaben Künstler einen aus! Wenn das nicht Schule

machen sollte?!

Bonn - Rheinisches Landesmuseum

Hier präsentierte man Ende l976lNovember-Dezember

 als Ergebnis archäologischer Untersuchungen

 durch 15 Jahre „Vindonissa" - ein

römisches Legianslager in der Schweiz - und übernahm

 von Berlin die Ausstellung „Holzschnitt im

Neuen China". Am 24. November 1976 feierte man mit

einem Vortrag von Chlodwig Plehn „Das goldreiche

Mvkene" seitens des Deutsch-Griechischen Vereins

das Jubiläum „100 Jahre deutsche Ausgrabungen

in Mykene".

Cape Town - South African National

Gallery

Jansie Wissema, eine südafrikanische Fotografin,

fand mit ihrem künstlerischen Werk Aufnahme in

die hiesige National Gallery. Angesehen, eine

Lokalgröße in Kapstadt, verstarb sie vor kurzem

relativ früh - 1920 in Holland geboren - und

hinterließ ein reifes, reiches Werk. Von seltener

Einfühlungskraft, mit hohen menschlichen Qualitäten

 ausgestattet, sah Wissema in der großen

„Family of Man" ein überreiches Feld, um ihre

fotografische Kunst in deren Dienst zu stellen.

Als Mitglied einer Gruppe iunger Intellektueller und

Künstler formte sie nach dem zweiten Weltkrieg

entscheidend mit an Cape Towns „Avant-garde"

(Abb. l).

Düsseldorf - Hetiens-Museum,

Galerie Vömel,

Galerie an der Düssel

Das im Herzen der Altstadt gelegene Palais

Nesselrode beherbergt seit dem Jahre 1909 die

Stiftung von Lclurenz Heinrich Hetiens. Als

„Hetiens-Museum"lDeutsches Keramikmuseum-Institut

 für Geschichte und Technologie der Kunst

der Keramik. Mit der Präsentation des Gesamtkunstwerkes

 der Keramik aller Kulturen aus 8000

Jahren in erlesensten Obiekten, ist das „Hetiens"

sowohl ein Hort hochherziger Stiftung wie auch

intensivster Forschungstätigkeit, dem ein weltweiter

internationaler Ruf vorangeht. Schlechthin als

Prototyp der gesunden, stets lebendigen und sich

stets erneuernden Museumsinstitution geltend,

bleibt es mit seinen Aktivitäten seinem Rufe nichts

schuldig. Vor allem seine Bemühungen um die

keramische Kunst der Gegenwart sind vorbildlich.

Mit der Zeitschrift „Keramik-Freund", vom Hetiens-Museum

 ediert, hat man sich ein entsprechendes

Organ auf publizistischer Ebene geschaffen, in

dem alle bedeutenden Anliegen und Komplexe

zur Sprache kommen. Die ersten beiden Präsentationen

 moderner Künstler 1977 sind Otto Lindig

(Jänner-Februor) und Siegmund Schütz (März-April)

vorbehalten. Die Ausstellung „Keramik aus dem

Mittelmeerraum" wurde wegen des starken

Publikumsinteresses bis Anfang 1977 verlängert. -

In der „Vömel" präsentierte man aus dem Werk

der Patriarchin der deutschen Malerei, lda

40

Kerkovius. Die große Baltin, 1879 in Riga geboren,

arbeitete bis zuletzt mit ungeheurem Schaffensdrang.

 Ihre Landschaften mit idyllischen, märchenhaft-mythischen

 Zügen, sagen stärkstens über ihr

Wesen aus, sind voll beriihrendem Zauber. Bis ins

hohe Alter auch agiert die Kerkovius in völliger

Frische ihrer malerischen Empfindung, sich der ihr

eigenen bildnerischen Sprache bedienend, einem

starken inneren Gesetz folgend.

Robert Ederer, Einzelgänger, als Maler eines

„visionären" Realismus bekannt, war in der Galerie

an der Düssel Dezember 1976 bis Jänner 1977

mit 90 Originalen präsent. Der 1920 geborene

Österreicher, auch Lyriker und Essayist, letztens

Verfasser einer Romantrilogie „Zeiger", 6 Bände,

3000 Seiten, sieht sich selber als „Nonkonformist

im Einzelgang". Ederer distanziert sich damit bewußt

als Separatist von den „friihen" Zehn der Wiener

Schule (Abb. 2a, b).

Frankfurt - Deutsch-lbero-Amerikanische

Gesellschaft

„Sonnenhengste und Pampadrachen" von Jutta

Waloschek waren im Vorwinter 1976 Gegenstand

einer Exhibition von Wandteppichen und Zeichnungen

 der Künstlerin. An den Akademien in

Buenos Aires und Wien ausgebildet, arbeitet

Waloschek in Zyklen, welche den doppelten

Ursprung, das doppelte Schicksal, das Europäische

und das Amerikanische zum Thema haben. Der

Mensd-l wird bewußt zum Mitdenken aufgefordert

mit diesem „gleicherweise unheimlichen wie magischen"

 Werk, aus dem Phantasie und Wirklichkeit

gleichwertig stark visuell einwirken.

Karlsruhe - Badisches Landesmuseum

Die römische Sammlung des Karlsruher Kabinetts

kann eine echte Bereicherung verzeichnen: die

Neuerwerbung einer goldenen Revolutiansmünze

der Römer, in Gold geprägt, 68 n. Chr. Neros

grausame Herrschaft wollten aufrechte Männer

in Gallien und Spanien, unter dem späteren Kaiser

Galba sich erhebend, beenden. Adelige Revolutionäre,

 die Vermögen und Hab und Gut opferten,

um Münzen prägen zu lassen, mit denen sie ihre

Truppen bezahlten. Mit der abgekürzten Inschrift

„Roma Renascens" dokumentierten die Aufständischen,

 daß sie an den guten Ausgang ihres

Unternehmens, eine Wiedergeburt Roms, glaubten.

Die Goldmünze ist eine echte Rarissima von großer

historischer Bedeutung, als seltene Prägung, die

nur in zwei! Exemplaren erhalten geblieben ist.

Vorderseitig ist personifiziert der Bonus Eventus,

der für den Aufstand gegen Nero erhofft wird,

rückseitig Roms Stadtgöttin mit Victoria, den Siegeskranz

 entgegenstreckend, in der Rechten (Abb. 3).

Köln - Kunstgewerbemuseum Overstolzenhaus



Mit Emil Lettre und Andreas Moritz konnten hier

zwei Silberschmiede, deutsche, des 20. Jahrhunderts

einmal mehr demonstrieren, daß auch die Gegenwart

 dem Eigenschöpterischen, „Hand"-werklichen,

individuellen, Platz einräumt. Beiden Künstlern

ist die strikte Konzentration auf das Handwerkliche

eigen. Neben dem Massenfabrikat wieder das

durchgeformte vollendete Unikat als gleichbedeutende

 Alternative. Das bewies diese bis

13. Februar 1977 laufende Doppelpräsentation.

London - The Alpine Club

Unter dem Titel „Pavel Tchelitchew" (1898-1957)

lief im Dezember des Voriahres die Exhibition einer

Collection von 54 Theater-Designs, arrangiert von

Richard Nalhanson. Tchelitchew, der große Innovator

 des Bühnenbildes, dessen Werk voller

Originalität, Vitalität und Humor ist, ist ein Magier

des wahren Theaters, des aroßen russischen,

romantischen Theaters (Abb. 4).

MünchenfLinz a. d. Donau -

Staatliches Museum für angewandte Kunst-Nordico



lm Voriahr etablierte sich in der Neuen Sammlung

des Staatlichen Museums für angewandte Kunst

in München eine interessante Schau: „Kalenderbauten".

 In Teil lllndien und Teil lllPräkolumbische

Anlagen in Mittel- und Südamerika gegliedert,

verfolgt sie das Vorhaben, astronomische Geräte

von enormer Größe, ortsfest, vorzustellen. Bauten,

die als Raum-Zeit-Kontinuum, als gebaute, geformte

Zeit, als Zeitgestalt, als „Kalenderbauten" ein

Stück Himmelsmechanik reflektieren, in kosmische

Zusammenhänge einbezogen. Nach München war

die Schau auch im Stadtmuseum Linz-Nordico zu

sehen (Abb. 5).

München - Bayerisches Nationalmuseum

Aus Anlaß des Erscheinens von Veröffentlichungen

zu den Sammlungsbereichen des Museums baten

gegen Ende des Variahres das Bayerische Nationalmuseum,

 München, der Verlag C. H. Beck, München,

und der Deutsche Kunstverlag, MünchenlBerlin,

zu einer Präsentation. Vorgestellt wurden die

Publikationen: lngolf Bauer, Hafnergesdlirr aus

Altbayern - Klaus Maurice, Die deutsche Räderuhrl

Zur Kunst der Technik des mechanischen Zeitmessers

im deutschen Sprachraum und Brigitte Volk-Knüttel,

Wandteppiche für den Münchner Hof von Peter

Candid.

New York - Austrian Institute

Im Neuberger Museum der State University of

New York in Purchase, N. Y. lief vom 10. Dezember

1976 bis 14. Jänner 1977 die große Retrospektive

„Joseph Binder - A retrospective of Poster Art,

Painting, Pastels". Parallel zur Ausstellung des

Künstlers „Amerikanische Impressionen 1933-1935"

(s. S. 50) im Österreichischen Museum für

angewandte Kunst in Wien.

Zur Ausstellung in New York erschien ein von der

Witwe Carlo Binder ediertes Buch. Joseph Binders

Rolle als führende grafische Personalität, Schüler

Rollers und Hoffmanns, tätig in den zwanziger

und dreißiger Jahren in Österreich wie später in

Amerika, ist allgemein anerkannt. Wie tief er

aber, besonders durch sein exzellentes Können

als Plakatkünstler, am „äußeren" Bild Amerikas

mitprägte, dieses mitprofilierte, vermag man kaum

zu ermessen. Binders Plakate besonders offenbaren

 selbst Jahrzehnte nach ihrer Entstehung

das unübertreffliche Know-how eines Künstlers,

der spontan eine Idee in den entsprechenden

Bildkern umsetzte, perfekt im Technischen, in der

Reduktion. Aus der Hektik des gebrauchsgrafischerl

Produzierens fand Joseph Binder in seinem Alterswerk

 zur „Nonobiective Art". Allein die Farbe,

gesetzt in reinsten Proportionen, in feinst ausgewogener

 Gesamtkomposition ließ Werke reinel

Kunst entstehen, die tief in den kontemplativen,

den meditativen Bereich führte (Abb. 6).

Nürnberg - Albrecht-Dürer-Gesellschaftl

Kunsthalle

Gegen Ende des Voriahres eröffnete man im

Studio der Kunsthalle die Ausstellung „Graphische

Miniaturen" - Europäische Druckgraphik im

Kleinformat. Zwei weitere Ausstellungen in der

Kunsthalle: „Walter Gropius" und „Johannes

Molzahn". Frau llse Gropius stellte erstere Schau,

die Bauten und Proiekle Walter Gropius' von 190!

bis 1969 präsentierte, zusammen, das Bauhaus-Archiv

 in Berlin zeichnete für Organisation und

Verleih verantwortlich. Von Johannes Molzahn

zeigte man in Bildern die „Melodie einer Landschaff".



OttawalWien - Canadian Embassy Vienna

Mittels eines Kataloges machte das kanadische

Außenministerium auf eine Wanderausstellung

„Hard-Edge Collection" aufmerksam. Diese soll

auf ihrem Weg großen Anklang finden und auch

in Europa Station machen. Es handelt sich um eine

Kollektion von Drucken, 1970-1973 entstanden,

unter dem Titel „Hard-Edge" (auch „Minimal-Art"

zusammengefaßt, vorwiegend von kanadischen

Künstlern. „Hard-Edge", schlecht mit „harte Kante'

tradiert, ist, wenn man versucht zu klassifizieren,

dem ästhetischen Formalismus zuzuordnen. Man

kann gespannt sein, wo die Schau in Europa zuers
            
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