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fullscreen: Monatszeitschrift III (1900 / Heft 3)

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weilende Deutsche Reichs-Stephan desto mehr daran und rieth Kopf sogar, 
ein Gegenstück dazu aus Properz zu modelliren. 
Von Concurrenzarbeiten war und ist Joseph von Kopf kein Freund. Nur 
einmal nahm der über und über beschäftigte Künstler auf dringendes Bitten 
seiner Freunde an einer Concurrenz theil; es handelte sich um ein Uhland- 
Denkmal für Tübingen und niemand schien auch berufener als der Schwabe 
Kopf, den grossen schwäbischen Dichter und Volksmann im Marmor zu 
ehren. Er rnodellirte also die von den Gestalten des Volksliedes, der 
Poesie und Geschichte umgebene Kolossalbüste, erhielt auch den Preis, 
musste sich dann aber schnippisch sagen lassen, zur Ausführung wolle man 
einen „ganzen Mann", nicht nur einen „Kopf"! 
Konnte es der schwäbische Künstler seinen engeren Landsleuten nicht 
recht machen, so prangt er dafür da und dort mit Büsten-Denkmälern des 
alten Kaisers, der (wie zu Anfang erwähnt) in Joseph von Kopf mit richtigem 
Blick den Künstler erkannte, der seine Züge für die Nachwelt festzuhalten, 
seinen Charakter mit dem Meissel eines Donatello wiederzugeben wusste. 
Wer das Denkmal Wilhelm I. und das der Kaiserin Augusta in Baden-Baden 
gesehen, wird in der That in Kopf einen der grössten Porträtisten, den 
wahren „Lenbach unter den Bildhauern" verehren. 
  
 
KUNASTGEW  
ISER WELTAUS ST 
IWIG HEWiEäi-AÄVWWITEN  -. 
 
M österreichischen Museum sah man kürzlich 
alles ausgestellt, was die Kunstgewerbeschule 
für die Pariser Weltausstellung gearbeitet hat. 
Die Überraschung war allgemein, denn infolge 
der bekannten Umwälzung hatten unsere Arts 
and Crafts erst im Mai, oder vielmehr ]uni 
vorigen Jahres ans Werk gehen können. Eine 
Schule, die eben ihre Neugeburt an Haupt und 
Gliedern durchmachte, die noch aus Alt und 
Neu gemischt ist, ein im Umlernen von Grund 
aus begriffenes Kunsthandwerk bot hier eine Gesammtleistung, wie sie sonst 
nur die Frucht langsamer systematischer Thätigkeit zu sein pflegt. Dass die 
Arbeit nicht ganz aus einem Guss war, ist selbstverständlich, aber in dem 
Gemisch aus Vergangenheit und Zukunft überwog der moderne Fortschritt 
doch so sehr, dass gewisse Rückständigkeiten kaum mehr wesentlich stören 
konnten. 
Das Ganze war in die Form eines Interieurs zusammengefasst, und zwar, 
mit Ausnahme des Velums, genau in der Weise, wie man es in Paris sehen 

	        

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