selbst auf jene Gestalten hingewiesen, in de
l ein Manierismus, auf den die eben angeführ-Merkmale
lückenlos passen, überwunden ist:
in Michelangelo übernahm Greco den Anatura-1us
der Form, von Tintoretto die anaturalistie
Farbe und Komposition." Die Frage nach
n eigentlichen Stil Grecos, für den es hier nicht
sehr einen neuen Begriff zu finden gilt, wird
1 eher lösen, wenn eine weit zentralere als die
h dem geistesgeschichtlichen Umkreis beanttet
werden kann. Nämlich: wo werden die Ge
le von Grecos Malerei, so wie sie immer und zu
vht gesehen wurden, konkret anschaulich? Wie
l in welcher Form tritt sein Mystisches, sein Eklisches,
die Spiritualisierung und Weltabge
idtheit, religiöse Verinnerlichung und Exaltai
zutage? Wo ist das Analoge, wo das vteritium
iparationisii, das diesen Gehalt mit den anaulichen
Tatsachen, z.B. den überlängten
perproportlonen, der besonderen Farbigkeit
r mit der Auflösung des nachmittelalteriichen
imberiffes, dem die Fienaissance verpflichtet
, zwingend verbindet? Wenn die gerne auch
Dvofak als Quelle zitierte hl. Theresa von Avila
t; "Was ich sehe, ist ein Weiß und ein Rot, wie
1 es nirgends in der Natur findet, welches helleuchtet
und strahlt als alles, was man beob
ten kann, und Bilder, wie sie noch kein Maler
ialt hat, deren Vorbilder nirgends zu finden
i und die doch die Natur selbst sind und das
en selbst und die herrlichste Schönheit, die
1 sich denken kannii, so ist es schwer, darin
h für einen Maler wie Greco eine Ermutigung
r gar Anweisung zum Malen zu finden. Denn
Maler bleibt angewiesen auf diese in Natur
Kunst bereitgestellten Bilder und Symbole.
h das "Noch-nie-Gesehenei- kann nur gemalt
den mit Hilfe dessen, was "wiedererkanntu
den kann.
ifig findet man dieses Tertium comparationis
iiger leicht in den komplexen Bildsystemen als
en einzelnen Elementen und kleinsten Baustei-,
aus denen sie sich zusammensetzen. Die Franüßte
lauten: Weiches ist der kleinste gemeinie
Nenner, sozusagen die morphologische
inadeu der Bilder Grecos? Ihre Lösung scheint
I am ehesten dort anzubieten, wo die Grecoe
Eigenart am reinsten hervortritt, sie liegt im
olem des Alterswerkes. Nur bei wenigen ande-Malern
wird das Bild ihres Gesamtwerkes so
r von den späten Schöpfungen mitbestimmt
bei Greco. Michelangelo, Tizian, Rembrandt
Goya bedeuten mit ihren Alterswerken zuch
Eckpfeiler und Wendemarken der europaien
Malerei und müssen als ihre Höhepunkte
Greco zusammen genannt werden. Der Verch
mit dem späten Michelangelo war schon
Fak wichtig gewesen, in anderer Hinsicht und
icht darf er hier aufgegriffen werden. Man
n nebeneinanderstellen: eine späte, vielleicht
letzte Zeichnung Michelangelos, eine Madonnit
Kind (Abb. 9), und den hl. Sebastian Grecos
Prado (Abb. 10). Was ist das Gemeinsame in
zhen Alterswerken, die doch über genau fünf-Jahre
voneinander getrennt sind? Die Auszksregister
des vollkommen durchgebildeten
ischlichen Leibes waren das Lebensthema Milangelos
und in ganz anderer Weise auch Gre
. Das Plastische schlechthin ist bei Michelan-)
eine Ordnungsmacht, die von Anfang an den
) mit einer Willenskraft ohnegleichen in Fes-I
halt und seine Kräfte in ständiger gegenseiti-Steigerung
händigt. Bei Greco findet das Umehrte
statt: die Durchformung der Gestalt
bt nach der Darstellung einer gewiß ebenso
rmenschllchen Anstrengung des Leibes, die
ingtheit einer solchen unmittelbaren Bindung
die plastische Form zu überschreiten. So ergt
das Plastische bei Michelangelo und Greco
jeweils geistig diametral entgegengesetzte Werte.
Die späte Zeichnung Michelangelos zeigt jedoch
etwas unfaßbar Willenloses; hier ist gleichsam alles
Absichtliche, jederümaginäre) Wettbewerb mit
Kunst, ja, jeder Gedanke an Kunsthaftigkeit überhaupt
aufgegeben. Es gibt kein ästhetisches Wollen
mehr, die Bestimmtheit der einzelnen Linie ist
gleichgültig geworden. Weder dem Bilde Grecos
noch einer späten Kreuzigungsdarstellung Miche
langelos (Abb. 11), die man zurVerdeutlichung des
Vergleichbaren danebenhalten darf, kann man als
Betrachter in gewohnter Weise gegenübertreten
und sie als Bilder urteilend genießen. Sie wollen
und können nicht mehr "Kunsti- sein im Sinne einer
prozeßhaften Auseinandersetzung mit einer
teilhabenden Umwelt. Sie sind nicht einmal mehr
Auseinandersetzung und Erprobung des eigenen
Vermögens - dieser doch bei Michelangelo und
Greco ehedem gleichstarken Triebkraft. Dafür
setzt hier ein Prozeß anderer Art ein, nicht das Vorantreiben
auf einen Zustand gültiger und vollkommener
Bildhaftigkeit und Bildwirkung setzt ihn in
Gang, sondern die Suche nach vollkommener Einfühlung,
nach dem Aufgehen des ich im Gegenstand.
Es gibt in diesen späten Bildern eine Art der
Ergebung, geradezu eine Demutshaltung, die
selbst die Bildmittel ergreift: es herrschen nicht
mehr der entschiedene, energische Strich und die
sichere, selbstgewisse Linie, vielmehr auch bei
Greco ein Tasten und Zögern, als würde die Hand
nicht mehr vom Wollen und Wissen geführt, so als
überließe sie sich ganz einer Vorstellung, die
kaum artikulierbar und nachvollziehbar ist, für die
sie sich immer wieder von neuem bereit zu halten
und neu anzusetzen hat. Deshalb sind die mehrfachen
Konturen der Zeichnungen und die zitternden
Umrisse des Gemäldes auch keine Pentimenti
im herkömmlichen Sinne mehr, es sind keine "Verbesserungen"
nach korrigierenden Formvorstellungen,
sondern Spuren einer immer intensiver
werdenden "Versenkung-i in das Thema. Der Verzicht
auf Deutlichkeit, Entschiedenheit und Klarheit
ist ein fundamentaler. Nicht in der Suche
nach besseren Lösungen oder aus einem Überlagern
von Teillösungen entsteht das scheinbar Diffuse
im Gesamteindruck, sondern aus dem Aufge
ben allen willensmäßigen Gestaltens. Das Thema
ist nicht mehr objektivierter, vielmehr absolut verinnerlichter
Gegenstand, es setzt keine dialektischen
Prozesse mehr in Gang, weil es nicht mehr
in Auseinandersetzungen durchdacht wird. Zwischen
ihm und dern Künstler scheinen keine Reibungspunkte
mehr zu liegen und damit auch
nichts, was die Gestaltung in bestimmter Richtung
"vorantreibt-i.
Hier ist ein wahrhafter Endpunkt, der eigentlich
schon einer "künstlerischen" Selbstaufgabe
gleichkommt. Mit dem Gegenständlichen des The
mas hört auch sein "Widerständlichesu auf; die
Form dieser Passionsbiider ist selbst eine zutiefst
passive, das zeigt sich nicht allein im Aufgeben
der aktiven und bestimmten Linie, sondern mehr
noch in ihrer Ablösung durch ein Hell-Dunkel von
besonderer Lichthaftigkeit. Man muß hier von einer
Auflösung der Form im positiven Sinne spre
chen. W. Pinder hat für den Manierismus das Wort
von der "auferlegten Forma geprägt"), also von
Kunst, die über dem Model einer fremden Diktion
geformt ist. in viel weiterem Sinne haben Michelangelo
und Greco in ihrer spätesten Zeit die Auflage
der "Forma überhaupt abgestreift. In dieser
letzten Phase, die alles Beiwerkhafte verliert und
so gesehen eine Lossagung von den Normen der
Kunstsprache und der Verbindlichkeit des Zeitstiles
ist, entsteht eine Reduktion alles Erzanlerischen
und Berichtenden auf eine reine Zeichenhaftigkeit
hin. Die Gebärdenformel kommentiert
nicht Ereignis und Bildinhalt, sie wird identisch
mit ihnen. Damit hängt zusammen, daß es den Gegensatz
von innen und außen nicht mehr in den Figuren
gibt, sie sind in gewissem Sinne "durchsichtig".
Das heißt: in Spätwerken treten Tendenzen,
oder besser, Grundkonstanten der Gestaltungsweise
hervor, die im ganzen Werk schon von Anfang
an wirksam, in den frühen Phasen der Entwicklung
nur durch andere, genetisch gesehen se
kundäre Gestaltungselemente überlagert waren.
Wenn die Schwere bei Michelangelo stets, in welcher
dialektischen Umwandlung auch immer, wirksam
war, so ist das kontrapostlose und in sich be
wegungslose Herabsacken des Körpers Christi
letztlich das reinste und adäquateste Thema für
diese Grundvoraussetzung seiner Kunst - eine
Schwere, die sich in dem zusammengekauerten
Stehen und dem Zusammenklumpen der Formen
in der Zeichnung mit der Muttergottes genauso
ausdrückt (Abb. 9). Bei Greco gibt es das anschaulich
genau entgegengesetzte, als Vorgang und
Tendenz aber ganz ähnliche Freiwerden solcher
Grundkonstanten: bei ihm tritt in reiner Form hervor
die flackernde, unkörperliche Zerdehnung der
Form in der Fläche, nicht einfach ein Leichtwerden
oder ätherisches Sich-Auflösen, sondern ein
mit größter Energie erfülltes Aufleuchten, besser
noch: ein Aufflammen der Gestalt; ein Vorgang, in
dem die Gegenstände extrem unhaptisch, unkorperlich,
aber als Flachenformen von höchster Be
weglichkeit sind. Stets hat man diese flammenhafte
Form als charakteristisch in Grecos Malerei
empfunden, aber merkwürdigerweise nie mehr
darin erkannt als eine bloße Metapher für die
allgemeine Beschreibung. Dieses eigenartige,
absolut dominierende Element verlangt aber, in
ganz anderer Weise ernst genommen zu werden;
denn als nur uneigentliche und oberflächlich "expressiv-t
verstandene Methapher leistet es nicht
mehr, als es die gängige Auffassung von Grecos
Subjektivismus ohnehin vermochte. Die Eigenart
des Flammenhaften bestimmt nicht nur die Einzelgestalt,
sie schlägt sich nieder in der Flächenstruktur
des gesamten Bildes, im Kleinsten genauso
wie in der Großform, und bleibt dabei
eben vollkommen unabhängig von der iiobjektivenii
Eigengestalt der Gegenstände.
Gleichgültig, ob man ein Stück des Himmels, des
Lendentuches in der Kreuzigung (Abb. 7) oder des
hl. Sebastian (Abb. 10) nimmt, in allem ist als
Grundform des gesamten Aufbaus eingelagert die
flammenförmige Einzelfläche, die ohne räumliche
Ausdehnung als reine Flächenform ein züngelndes,
fiackerndes und im plötzlichen Richtungswechsel
unerhört bewegliches Biidmuster erzeugt.
Damit ist aber schon der Anfang zu einer
"Theorie" der Grecoschen "Macchia" gelegt, denn
die kleinsten farbigen und formalen Elemente eines
Bildes erlauben, richtig gedeutet, manchmal
sehr tiefreichende Schlüsse über die formale Seite
hinaus". Diese kleinsten, nicht weiter zerlegbaren
und daher auch nicht weiter ableitbaren Elemente
sind bei Greco die Farbflecken in flammenförmiger,
zerrissener, wogender Gestalt.
Nichts berechtigt mehr, hier nach der Bedeutung
solcher Farbflecke zu fragen, als jene Bemerkung
in Pachecos "Ei Arte de la Pinturaii, wo er etwas
ratlos und in deutlicher Mißbilligung feststellt:
"Wer würde glauben, daß Dominico Greco so haufig
zu seinen Bildern zurückkehrte und sie wieder
und wieder überging, mit dem Ergebnis, daß er seine
Farben scharf abgesetzt und unverbunden ließ,
so daß sie wie brutale Farbkleckse (crueles borro
nes) aussehen, die Kraft zur Schau tragen sollen?"
In einem Bild wie der "Verkündigung-i in Lugano,
kurz vor 1600 entstanden (Abb. 12), schlägt die
flammenförmige Grundformi? an jeder Stelle In
stärkerer oder schwächerer Unmittelbarkeit
durch. Was bedeutet sie?
1. ist sie die unstatische Form schlechthin, und
das hat seine Ursache In der unablasslgen Bewe
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