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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XXIII (1978 / Heft 157)

verdankt das neugestaitete Museum der Absicht

des Architekten, in der romanischen Basilika ein

Vitrinensystem zu gestalten, das in Korrespondenz

 und gleichzeitig in Kontrast zum mittelalterlichen

 lnnenraum steht. Die Vitrinengestalt ist entworfen

 in den Harmoniemaßen des Goldenen

Schnitts. im konservatorischen Bereich sind alle

Erkenntnisse moderner Museumstechnik bis zur

Installation von Miniventilatoren in den Lichttablaren

 der Vitrinen verwertet. AusstelIungsästhetisches

 Anliegen war, die Zimelien des Schnütgen-Museums

 nlcht auf Glasplatten aufzureihen, sondern

 einen dem Kunstwerk entsprechenderen

Unter- und Hintergrund zu schaffen. Dies erfordert

für jede Etage einen eigenen Lichtraum. in der

Standfiäche der oberen ist jeweils die Beleuchtung

 für die untere Etage installiert. Auch im Tableausystem

 der Kircheninnenwand erscheinen

die kleinen und kleinsten Objekte im individuellen

Lichtambiente. Die Kunstwerke sind nicht gereiht

und gehäuft, die Kostbarkeit des Einzelobjekts

wird hervorgehoben. Den zumeist edlen Werkstoffen

 entsprechend, aus denen die Kunstwerke materiell

 bestehen, fand als Bespannung Wildleder

Verwendung. Beim Einrichten wurde auch darauf

geachtet, daß in den unteren Etagen Gegenstände

Aufstellung fanden, die das besondere Interesse

der Kinder haben. So bietet sich in der niedrigen

Placierung vieler Objekte das Schnütgen-Museum

zugleich als Kindermuseum an.

Die Präsentation der Paramente

Berühmt geworden ist die Sammlung Schntltgen

nicht zuletzt durch ihren reichen Bestand an liturgischen

 Gewändern. Um sie schädlicher Lichteinwirkung

 möglichst zu entziehen, andererseits zugänglich

 zu halten, wurden in der Sakristel und im

südwestlichen Joch große Schränke mit 43 vertikalen

 Vitrinentafeln installiert. Beiderseitig sichtbar,

 zusätzlich durch Lexanglas - wie auch die

frei im Museum aufgestellten Paramente - lichtgeschützt,

 kann der Besucher selbst eine Vitrinentafel

 nach der anderen ausziehen und sich der Beschauung

 des solcherart dargebotenen kostbaren

Stoffes widmen. An einer großen Zahl aufgereiht

ausgestellter Paramente dagegen pflegt man -

wenig aktiviert - erfahrungsgemäß vorbelzuge

hen. Aus der Verflechtung konservatorischer, ästhetischer

 und museumsdidaktischer Überlegungen,

 zum Schutz der Objekte wie zur Selbstbedienung

 des Beschauers, entstand die neue Präsentatlonsart

 einer Auswahl der schönsten sakralen

Gewänder vom Mittelalter bis zum Ornat der Kaiserin

 Maria Theresla.

Rekonstruktion der Kryptafassade

An der Stelle, an der bis vor kurzem in einer raumschließenden

 Wand unter der Nonnenempore Heizungsschächte

 Installiert waren, bietet sich nunmehr

 die wiedererstandene Kryptafassade dar in

der Gestalt, die sie um die Mitte des 19.Jahrhunderts

 nach dem eben damals aufgedeckten mittelalterlichen

 Befund erhalten hatte. Die Rekonstruktion

 des Stadtkonservators - unter Verwendung

von Reimerather Trachyt, belgischem Granit,

Aachener Blausteln, Mayener Schiefer und Weiberner

 Tuff - brachte nicht allein die erforderlich

_ gewordene Sanierung. Großen ästhetischen Fleiz

erzeugen die Diaphanie der raumerweiternden

Durchblickzonen, die Stufungen von Bodenebe

nen und der Zusammenklang der kleinen Bogenfolge

 der Kryptafassade mit der monumentalen

Bogenarchltektur der romanischen PfeilerbasiiIka.

 Eine hohe Raurnqualltat auf engstem Bezirk ist

wiedergewonnen worden.

Sammlung und Bibliothek

Sammlungen waren stets mit Bibliotheken verbunden.

 nMouseionv war bis ins 17.Jahrhundert die

1A

Bezeichnung für Sammlung wie Bibliothek. Nach

dem Ordnungsschema der Bücher erfolgte oft genug

 auch die Ordnung der Sammlung. Die Objekte

sind die Flealien des theoretisch in den Büchern

Dargebotenen. "Was heute Museen zu erreichen

versuchen, durch große Vielfalt von Exponaten

umfassend zu bilden, das war bereits die Aufgabe

des Museums, bevor es sich im 19.Jahrhundert in

verschiedenen Speziaisammiungen aufspaltetem

Kürzlich wurde dargelegt, wie z. B. die Sammlungstheorie

 aus demselben DenkprozeB hervorging,

 der auch die Zentralperspektive hat erstehen

lassen, wie bestimmte Sammlungen unter dem

zentralen Begriff des Theaters im System der vars

memoriaeu als Summe von Objekten im Raum zusammengefaßt,

 von einem einzigen Punkt aus zu

betrachten waren, wie die Präsenz der Objekte im

projektiven Raum ihre ständige Verfügbarkeit in

der imaginierten Sammlung bedeutete: in der Bibliothek,

 wo das gesamte Wissen vereint ist. Um

eine ähnlich perspektivisch-enzyklopädische Sehweise

 bemühte sich die Arbeit des Schnütgen-Museums

 bisher in der Bibliothek ebenso wie bei

der Neugestaltung des Museums.

Didaktik und Information

Das von Uwe Westfehling im Außenreferat der Kölner

 Museen erarbeitete Vermittlungssystem bietet

Informationen zur freien Auswahl an. Neben die

knapp gefaßte Objektbeschriftung treten die Textund

 Biidkommentare der schon erwähnten "Polyvisionu.

 Sieben Geräte mit jeweils dreißig Themen

bringen Erläuterungen und Zitate. Eine pultförmige

 Projektionsfiäche vermeidet bewußt die optische

 Konkurrenz zum ausgestellten Kunstinventar.

 Die Anwahl erfolgt über ein beschriftetes

Tastenfeld. Vielfältige Staffelung in Kompliziertheit

 und Menge charakterisieren das neu entwickelte

 System. Querverweise stellen den didaktischen

 Zusammenhang her. Grundrisse geben die

Flaumorientierung. Ein "Führer zur Kunst des Mittelaltersu,

 ebenfalls von Uwe Westfehling erarbeitet,

 dient als Leitfaden durch die Ausstellung. Au-Berdem

 schafft er zusammen mit der Markierung

an zahlreichen Objekten die Verbindung zwischen

den verschiedenen Mitteilungsformen. Einführende

 Informationen befinden sich in der Eingangshalle.

 Ein Grundrißplan gibt den ersten Überblick,

ein Vldeogerät für die Wiedergabe von Filmen und

zur Nutzung der Fernsehüberwachung als Fernsehübertragung

 tritt hier zum Gesamtkonzept hinzu.

Um die Videoprogramme als werbenden Blickfang

zu nutzen, erscheinen Filme oder Direktübertragungen

 von Aktivitäten aus dem Inneren des Museums

 auch audiovisuell auf einem Monitor vor

dem Hause, dicht an der frequentierten Großstadtstraße.



Technokratle und Informationssystem wollen

nicht als eigene Flezeptionsfelder In Konkurrenz

zu den Kunstwerken treten: dies war die Prämisse

der gesamten Neugestaltung. Allein der architektonische

 Raum und die Qualität der Objekte sollten

 den Maßstab bestimmen. Das Schnütgen-Museum

 in der Cäcilienkirche - Denkmal und Museum

 zugleich - mochte in Raum und Licht, in

Inszenierung und Didaktik sakrale Bildkunst des

Mittelalters zwischen Antike und Neuzeit vergegenwärtigen,

 es möchte die Werte ihrer Präsenz

erfahrbar machen.

l l Anschrift des Autors:

Univ.-Prof. Dr. Anton Legner

Direktor des Schnütgen-Museums

Cäciiienstraße 29

0-5000 Köln 1
            
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