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Volltext: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Bukowina

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Schwiegertochter, ebenso wenig ein Ehepaar oder eine schwangere Frau das Kind aus der 
Tause heben, da dies nach dem Volksglauben sündhaft wäre. Bei der Taufe erhält das 
Kind den Namen eines Verwandten oder Freundes, doch nie den eines Verstorbenen, da es 
sonst bald sterben müßte. Und nun geht es lustig im Hause der Eltern des Neugeborenen zu; 
bei dem festlichen Mahle, bei welchem Hühner- und Schweinsbraten, doch fast nie Rindfleisch 
genossen wird, da es nach der Volksanschauung sündhaft wäre, das Fleisch derjenigen 
Zugthicre zu genießen, welche dem Bauern das Feld bearbeiten und ihn ernähren. Hier 
singen die Taufpathen folgendes Lied: 
„ Hci, mein Gevatter, gut ist der Fusel, 
Werden bis Montag trinken im Dusel, 
Dann nach dem Montag Dienstag mag kommen, 
Gut ist dein Branntwein, G'vatter willkommen! 
Dienstag wenn flieht, ist Mittwoch so wonnig, 
Wohl schmeckt der Branntwein auch ohne Honig. 
Hei, mein Gevatter, merk' dir es heute, 
Donnerstag trinken auch noch die Leute. 
Hei, mein Gevatter, heut' ist's mir wohlig, 
Trinken wir Freitag, wird's gar so drollig. 
Hei, mein Gevatter, Samstag ist 'kommen, 
Unsere Wonn' hat ihr Ende genommen. 
Hei, mein Gevatter, was thun wir denn weiter? 
Heut' ist 'ne Woche, seit wir sind heiter. 
Lasset uns senden um unsere Frauen, 
Daß sie des Schnapses Seligkeit schauen.' 
Kaum hat Gevatter dieses gesprochen, 
Kommt schon Gevatterin langsam gekrochen. 
,Grüß Gott, mein Mann, wie ist's dir ergangen, 
Denkst du nach Hause nicht zu gelangen? 
Auch du Gevatter könntest dich trollen, 
Hättest doch längst schon dich schämen sollen.'" 
In der Dniestrgegend singt der Hauswirth seinen Gästen: 
„Gäste, Freunde, wie denn soll ich 
Heute euch bewirthen? 
Sei denn, daß 'neu Sperling fang' ich, 
Der im Garten schwirrte. 
Aus den Rippen koch' ich Sulz euch, 
Aus dem Kopf 'ncn Braten, 
Reicht schon aus zum Frühstück, Mittag, 
Nachtmahl für die Pathen." 
Wenn das Kind todtgeboren wäre oder ungetanst stürbe, so müßte man nach dem 
Volksglauben sein Grab sieben Jahre lang niit Weihwasser besprengen; erst dann dürfte 
die arme Seele um Mitternacht bei schlafenden Christen ans Fenster pochen und um die 
Taufe bitten. »Lrostü, lrisskü« (Taufe, Taufe) ruft da der gequälte Geist und wer es 
hört, muß ein Kreuz schlagen, die Taufformel recitiren und ihm als sichtbares Zeichen 
(kroLmn) der vorgenommenen Taufe ein Stückchen Leinwand heranswerfen. Sehr ver 
dienstlich vor Gott ist es auch, ein Judenkind insgeheim mit Weihwasser zu besprengen 
und selbes derart zu taufen. Wehe aber der Mutter, welche ans irgend einem Grunde den 
Tod des Kindes herbeiführen würde. Jenseits müßte sie es zur Strafe essen und an jedem 
Samstage würde die Leiche wieder ganz sein. 
Seltene Mutterliebe umfängt den Säugling und bei besonderer Pflege fängt der 
kleine Ruthene gewöhnlich schon nach dem ersten Lebensjahre die den Eltern so lieben 
Kinderausdrücke zu lallen an: etwas Schönes nennt er etwas Widerwärtiges:
	            		
VolMypen aus der Czeremoszgegend. Kairo; etwas Genießbares: papa-, etwas Furchterregendes: >voeva; den Hund: eiueia; das Schlafen: liuliu; die Wiege: liulia; Gott und die Heiligenbilder: boxia; den Vater fe nach der Gegend: elfotlia (am i§zeremosz) oder noirio, tato (am f^nitß, 2)nieftr), die Mutter ironia oder iwama; einen älteren Mann: baäiira oderrvufiro; eine ältere Frau: rvufna oder tsta; das Geld: ämn; das Springen: lropa; u. s. w. So fest ist das Volk von der Bedeutung der Muttermilch überzeugt, daß selbst dem tobten Säugling in einem ans Wachs geformten Schälchen die Milch mit in das Grab
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