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Full text: Alte und Moderne Kunst XXIII (1978 / Heft 158)

Dokumenten ist eindeutig zu ersehen, daß Simon 
Baldauf durch seine ganze. mehr als dreißigjährige 
Meistertäligkeii zu jenen wenigen, ihre Kunst vö "g 
beherrschenden w-Galanterieu-Tischlern gehörte. 
die auch in einer ganz speziellen und sehr schwieri- 
gen Technik arbeiteten, nämlich nals von Mössing 
und Zün, von feinistem Ebenholz, von Silberund von 
Schildkhrott einzulegen-r (D 12; ähnlich D 9 und 
D 18). Damit ist nachgewiesen, daß Simon Baldauf 
einer der virtuosen Hersteller der sogenannten 
"BOUHBM-Möbel war; jener prunkvollen Erzeugnisse 
also. deren Oberfläche mit reichen lntarsien aus 
 
Schildpatt und Metall, zuweilen noch bereichert 
durch Perlmutt und Elfenbein, überzogen ist. Andre 
Charles Boulle (1642-1732), der, wie andere privile- 
gierte Künstler und Handwerker auch, seit seinem 
dreißigsten Lebensjahr im Louvre wohnen und ar- 
beiten durfte, ist der wohl zu Recht berühmteste 
Hersteller derartiger Möbel gewesen. Die Produk- 
tion seiner Werkstatt, die seine Söhne weiterführten. 
genoß schon unter den Zeitgenossen so großes An- 
sehen, daß sein Name zum Synonym für diese Einle- 
getechnik wurde. 
Boulle galt lange als Erfinder und alleiniger Fertiger 
derartiger Möbel. Erst die jüngere kunsthistorische 
Forschung hat erkannt, daß auch gleichzeitig. ia so- 
gar vor Boulle, an einigen Orten in Europa solche 
Möbel entstanden. Vermutlich waren es niederlän- 
dische Meister, die um die Wende vorn 16. zum 
17. Jahrhundert als erste in Europa die Schale der 
Schildkröte zu Furnieren verarbeiteten. Hans Huth 
hatte schon 1930" eine Antwerpener Werkstatt für 
einen bestimmten Typ kleiner Schreibtische nam- 
haft machen können, der mittlerweile eine erhebli- 
che Zahl ähnlicher Möbel zugewiesen werden konn- 
te" ; zu ihnen gehörtder wohl aus dem persönlichen 
Besitz Max Emanuels stammende Schreibtisch des 

	        
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