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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIV (1979 / Heft 163)

els Spruch wAn den Menschen": "Wünsche 
icht zu scharf das Auge, denn wenn Du die 
lll I In der Erde siehst, siehst Du die Blumen 
mehriii 
ite Konversatlonsstücke waren eine schwa- 
3arriere gegen das Eindringen des Operna 
und der nTapezierer-Dramalurgieu ins 
uspiel gewesen. Eine Überbauschung war 
durch fadenscheinig epigonale Dramatik 
ll'I der Rampe schwach skizzierte Charaktere 
irgerufen worden. 4 _ 
Standpunkte konnten aus Konvention nicht 
tnommen werden, selbst in Wilbrandts Tragö- 
fimandraii, die erst 1904 im Burgtheater ge 
wurde, sah sich das Publikum nochmals mit 
erkommenen Moralbegrilfen konfrontiert, 
Diese Bewegung war stilisiert im neuen Burgthea- 
ter nachgebildet: nNur scheu und angstbeklom- 
men I hab diese hohen Hallen ich betreten, I wo 
Marmorsaulen sich vom Boden heben, I in Farben- 
gluthen Wand und Decke schimmert, I wo Glanz 
und Pracht berückend mich umgeben! und aller- 
orts es prangt und gleißt und flimmert I als war ein 
Strom durch diesen Raum gezogen I der Pracht 
und Schönheit trug auf seinen Wogenzg." 
Es war eine Form, die auch für die Suche nach 
dem eigenen Geschichtsbild stehen konnte. Von 
der Bühne her sollte die lebendige Anschauung al- 
le Zuschauer erfassen. Aber der Bühnenapparat 
des 1688 eröffneten Burgtheaters konnte aus 
technischen Unzulänglichkeiten nicht voll benützt 
werden; der als vergoldetes Medusenhaupt ausge- 
individuellen Bedürfnisse lebendiger Verständi- 
gung kräftig ignoriert. Und das zu einem Zeit- 
punkt, an dem die neuere Dramatik deutlich zum 
Kammerspiel tendierte. 
Das in stärkere Bewegung gebrachte Kaleidoskop 
der Geschichte wurde auf der Bühne, unter ande- 
rem durch den Strom der Elektrizität, neu durch- 
leuchtet und zeigte eine solche Formen- und Far- 
benvielfalt, daß ihr Abglanz den Weg in eine glück- 
liche Apotheose oder zumindest sichere Zukunft 
der Menschheit zu weisen schien. Das Bild geriet 
aber ins Ruhlose, die Leidenschaft bemachtlgte 
sich der gemäßigten Formen, die sich als flackri- 
ge Zeichen vom Grund zu lösen begannen. Die neu 
entdeckten Varietäten widersetzten sich der über- 
lieferten Klassifizierung, soziale und individuelle 
chon Laube in "Monaldeschiu (Ill8) mitbe 
net hatte: "Christine: Wofür haben denn also 
tirsten ihre Räthe? Brahe: Für den Staat. 
tine:  Für diese Rechenmaschine!  Ja, 
id ihr alle! ihr seid nicht mehr herauszubrin- 
IUS der Convenienz! Sie ist Euch nicht mehr 
leid, sie ist Euch die Haut selbst geworden." 
lte Schnure befürchtet aus solcher Nichtach- 
der Autorität, daß nder Pöbel nicht mehr an 
öttliche Nothwendigkeit der Dingen glaube, 
tCeremoniel, alles Formgesetz verliert seine 
e, man wagt zu vermuthen, es könnte ja auch 
rs seinu (Illl4). 
lrüche blieben spätestens nach den "sieben 
1 Jahrentt 1866-1873, nach dem Erwachen 
lem Gründungslieber auch gutsituierten Bür- 
nicht mehr verborgen, die Salons blieben 
mehr heil. mit dem gestörten Gesellschafts- 
fiel auch die Maske der "Salon-Sittlichkeit". 
var als vdas große Decorationsstücku be 
net worden, "hinter weichem die Komödian- 
er Gesellschaft sich ins Fäustchen lachen, 
dem sie die Schaubühne, wo sie als Tugend- 
in und Biedermeier aufgetreten, unter dem 
lle des gerührten Publikums verlassen 
nW-t. Nach allen Aufzügen und Paraden war 
nde des 19. Jh.s vviel sentimentale Phanta- 
ind Schwäche des Willens, viel Rückwärts- 
fnrwärtsrnmantikü fthrin nehiiehen 
führte Souffleurkasten stellte eine Hürde zum Zu- 
schauerraum dar und lag vor der "Rekonstruktion" 
(1897) des inneren Theaterbaus mehr im Blick- 
punkt als die tieie Bühne, Medusenhaupt und Kai- 
seradier waren am Bühnenportai ein ähnlicher Ge 
gensatz wie Bacchusfries und der darüber thro 
nende Apoll an der Front des Burgtheaters. Dazwi- 
schen wirkte der reiche Zierat des Zuschauer- 
raums überwältigend in der Beladung wie mit Nip- 
pes; was half es, wenn man es noch verstand, 
breite Treppen in entsprechender Haltung zu be- 
wältigen, wenn man dann in einer engen Loge ei- 
nen Platz fand, der im neuen Haus vom lebendi- 
gen Abbild weiter entrückt wirkte als im alten 
Burgtheater. Das war zum Teil die Folge der Un- 
vereinbarkeit der nachgezogenen Gesellschafts- 
form des Ranglogentheaters mit einem in demo 
kratischer Gesinnung erstrebten Gemeinschafts- 
erlebnis, das in gewissen moralisch-ästhe 
tischen Grenzen zugelassen wurde; das Niveau 
künstlerischen Empfindens wurde nur bei hohen 
Gesellschaftsscnichten als dem Anlaß entspre 
chend, als erwünschte Selbstdarstellung aner- 
kannt. 
Bauernfeid und Speidel bezeichneten das neue 
Burgtheater als tnealralisches Museumß", als 
kostbare Sehenswürdigkeit, die den Schauspie 
Iern und den Zuschauern auch nicht zur Hälfte das 
amam was ein im alten Haus hnsnsman hahnn 
 
Spannungsfelder ließen sich trotz Einordnung in 
die Vergangenheit schon in der Gegenwart nicht 
bewältigen. Psychologisch verfeinerte Beurtei- 
lungsmittei versprachen Aufklärung, man begann 
ihre höhere Meßgenauigkeit statt an großen Le- 
bensbildern an Ungereimtheiten des einzelnen 
Charakters zu erproben. Man folgte neuen Spuren 
zur Wahrheit auf der Bühne und durchbrach dabei 
historische Illusionen, die beim Publikum durch 
ästhetisch eingerichtete Ausschnitte der "wirkli- 
chen Weltu gefördert worden waren. 
Der "Zug zum Ganzen", der künstlerischen Ab- 
sichten im 19. Jh. entsprach, war gestört als 
Kunstwerke auf die Bühne gestellt wurden, in de 
nen man "das letzte Fünkchen Idealismus erlo- 
sehen" glaubte: "Der Mensch erscheint hier nur 
wie ein Conglomerat von vulkanischen Stoffen, 
die sich gegenseitig verzehren und nur eine zer- 
bröckelte Masse von Substanzen übrig lassen, es 
fehlt ihm jede Hoheitßl." 
Deutlich hob sich aus der Glut des versinkenden 
Bacchanals ein Phönix, der langsam sein eigenes 
Gesetz offenbarte, das wieder die ewig wiederhol- 
te Entwicklung vom Anstoß des individuellen bis 
zur rückständigen Verallgemeinerung in sich trug. 
Das dekorative Gesamtbild der historischen Sze 
ne wurde in seine Elemente, in "reine Formenu 
und neue Details zerlegt und gab Voraussetzun- 
den für neue Stile und neue Sachlichkeit,
	        

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