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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XXIV (1979 / Heft 164)

Günter Haese



Symbole technischer Poesie

Günter Haese, geboren 1924 in Kiel, studierte von 1950

bis 1957 an der Akademie in Düsseldorf und war anschließend

 einige Jahre hindurch Assistent bei Ewaid

Matare.

Bei der 33. Biennaie in Venedig 1966 sah ich zum ersten

Mai eine geschlossene und sehr wirkungsvoll präsentierte

 Kollektion der Arbeiten von Günter Haese. Die

poesievoiien, felnnervig-grazilen Gebilde des Deutschen

errangen damals in der Fachwelt große Aufmerksamkeit

und wurden zur stillen Sensation dieser Ausstellung.

Haese hob sich durch seine in gleicher Weise eigenständige

 wie eigenwillige Leistung vom Gros dessen ab,

ÖÖÖÖÖ Ü _ ' was damals in der Plastik gerade up to date war.

_;_ . - . ' 4 Venedig festigte den von ihm eingeschlagenen Weg und

"ÖÖÄ -' bestimmte in vorderster Front seinen Rang als international

 anerkannter Künstler, der inzwischen bereits zum

Klassiker geworden ist. Zu den prominentesten öffentlichen

 Sammlungen, die Arbeiten von ihm erwarben,

zählen das Wallraf-Richartz-Museum in Köln, die Tate

Gailery in London sowie das Museum of Modern Art

und das Salomon R. Guggenheim Museum in New York.

Durch eineinhalb Jahrzehnte hat Günter Haese seine

Möglichkeiten als Außenseiter der internationalen

Plastik-Szene konstant weiterentwickelt und vervollkommnei.

 Er konnte dabei an die, seinen Anlagen und

Vorstellungen kongenial entgegenkommende und bereits

 in der Mitte der sechziger Jahre ausgeprägt in Erscheinung

 tretende Grundhaltung anschließen, so daß

vorn Frlihwerk bis zu den Arbeiten von heute ein durchgehender

 Konnex festzustellen ist.

im Zusammenhang mit Haeses Werk wurde wiederholt

der Begriff von iiZeichnungen im Raum-i zitiert und davon

 ausgehend der zweifellos passende, innere Verwandtschaiten

 und Übereinstimmungen zum Ausdruck

bringende Vergleich zu Paul Klee gemacht. Die Zartheit

der aus Draht, Rädern, Teilen von Uhrwerken und ähnlichen

 Materialien gefertigten Gebilde, ihre Skurriiität

und charmant-spröde Schönheit lassen einen derartigen

Vergleich auch durchaus legitim erscheinen, obwohl damit

 über Assoziationen und einen frappierenden Stimmungsgleichkiang

 hinaus noch nichts über die formale

und technisch-materielle Seite der Werke gesagt wird.

Letzteres erscheint nämlich vor allem deshalb wichtig,

weil die Arbeiten von Günter Haese der Assoziation

einen besonders großen, aber auch verführerischen

Spielraum geben und mit einem Spektrum rasch aufkommender

 Eindrücke konfrontieren, das sich durch

 

Tantra, 1975, Unikat

M P ri b . . . . .

ßBäJQgIGIiä 0' mnw Schlagworte wie bizarr, insektenhaft, mikrokosmisch

2 Sirius, 1975. Unikat und dergleichen abstecken läBt. Durch eine alizusehr

äejäyglilälalilcüllofbfolllß von Stimmungen und eher vagen Empfindungen getra-3

 Haeses plas"ken1g7al7gvn de, gene Betrachtungsweise wird iedoch dem gestatten-Neiieri

 Galerie der Stadt Linz schen Anliegen des Künstlers und den Qualitäten seiner

g Eägtzgrjegäg unlm Plastiken nur zum Teil Rechnung getragen. Entschei-Messingüpnosbhonmonze

 dend scheint mir vielmehr die innere wie äußere

A9.5x 32x 7 crri Organisation dieser Gebilde, ihr Aufbau, die Verwen-5

 Ame P0"aS"-1969-U"'kßl dung gleichartiger bis ähnlicher addiliver Elemente die

messirigiPriospnorbronze . _ . . . '

,oax5zxa3 cm in spannungsreicher Formation der ieweiis deutlich

nachvollziehbaren Grundvorsteiiung untergeordnet werden.

 Dieser präzise, doch keineswegs stereotype und

auch in handwerklicher Hinsicht von hohen Ansprüchen

und großem Zeitaufwand getragene Aufbau unterstreicht

 den formalen Aspekt der in ihren Dimensionen

richtig abgesteckten, nie zur Gigantonomie und falschen

 Maßverhaitnissen neigenden, meist mittelgroßen

Arbeiten.

Günter Haese praktiziert in seinem Werk ein gestaiterisches

 Grundprinzip, das im Gleichartigen die kleine

Abweichung sucht, daraus seine Spannung bezieht und

in der additiven Organisation spezifisch gewählter Eiemente

 zu einer beherrschenden Grundstruktur und

Grundform findet (nKonventii, iiSiriusii). Allen diesen

Arbeiten ist ein architektonisches, den Raum definierendes

 und in seinen Proportionen absteckendes Grundgeri.ist

 eigen. Es fungiert als Träger und bestimmendes

Ordnungsgefiige für die mit viel Feingefühl vorgenommene

 Piazlerung und Reihung gleichartiger, in ihrer

Größe allerdings meist unterschiedlichervorgefertigter

Teile. Haeses Plastiken lassen in der partiturähniichen

Anordnung dieser Elemente deutlich Zentren und

Rhythmen, Strömungen und Dynamik erkennen. Raum

wird von ihm nicht illustriert, sondern im Sinne jeweils

neu eriundener Organismen von allen Seiten aus und

nach allen Seiten hin definiert.

Zum Symptomatischen seines Werkes z'a'hit auch das

Moment der Musikalität und des Fragiien. in der Polarität

 von Intellekt und Emotron, von Ratio und irrationaiem,

 erschließen Haeses Plastiken einen genau definierten,

 den Betrachter jedoch keineswegs eingrenzenden

Spielraum anregender Rezeption. innerhalb der heutigen

Piastikszene setzen sie in ihrer unauldringlichen

Symbolik Llfld technischen Poesie einen von hohen

asthetischen Ansprüchen getragenen Akzent Kammermusikalischer

 Art. Peter Baum

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