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Full text: Alte und Moderne Kunst XXIV (1979 / Heft 164)

I Aktuelles KunstgeschehenlÖsterreich 
 
Wien 
Osterreichische Galerie 
Gustav Hessing 
Der Maler gehört zu jener Generation und jenen Charak- 
teren, die still und gewissenhaft arbeiten, die ihre 
Werke nicht vorschnell aus der Hand geben und die bei 
einer für sich richtig erkannten Richtung bleiben. Bei 
Hessing ist es der Expressionismus. den er mit der Zeit 
zu einem Flimmern und einer Auflösung in Flecken ent- 
wickelte. Trotz dieses Licht- und Farbflimmerns in den 
Bildern, besonders in jenen der fünfziger Jahre, bleibt 
die Pinselführung temperamentvoll, sehr pastos und 
ausdrucksgeladen. Sein Herkommen von Gezanne wird 
am deutlichsten bei den ruhigen Landschaftsbildern 
spürbar. Eigenwilliger und bewegter sind die Porträts. 
Die Werke um 1945 zeigen zentimenterdicken Farbauf- 
trag, werden zu reliefartige Diaramen von Landschaften 
des menschlichen Antlitzes. Später werden die Bilder 
lockerer und heller, fast möchte man sie heiterer he 
zeichnen. Schade ist, daB in der Ausstellung von der 
Graphik des Künstlers nur ein solch kleiner Ausschnitt 
zu sehen war. Sowohl die Federzeichnungen als auch 
die Druckgraphiken ließen beim Beschauer den Wunsch 
aufkommen, mehr davon zu sehen. Die Sicherheit der 
Strichsetzung sowie die Verteilung von Hell- und Dun- 
kelflächen hatte Eezwingendes. Ein "Aquarell- wie 
riBauernwagen im Burgenlandrr kommt an Picassosche 
Meisterblatter heran. 52 Exponate. (6. 3. - 15. 4. 1979) - 
(Abb. 1) 
Graphische Sammlung Albertina 
Josef Mikl 
Von einer Auswahl von etwa 2500 Blättern wählte der 
Mitarbeiter der Graphischen Sammlung Albertlna 
Dr. Fritz Koreny 124 Arbeiten für diese Schau aus. Sie 
umrissen die Entwicklung von 1947 bis 1978, wobei jede 
wichtige Phase - sehr schön belegt sind die klassi- 
schen Flöhrenkonstruktionenl -, die verschiedenen An- 
näherungen an seine Kollegen, mit denen er In der "Ga- 
lerie St. Stephan-r ausstellte, wie etwa Frltz Wotruba 
oder Andreas Urteil, bis hln zu seinen letzten, oft sehr 
gegenstandsnahen Landschafts- und Stillebenbildern, 
Ausschnitten, Fügungen im Raum, vertreten ist. immer 
und überall, noch in der losesten Kugelschreiberskizze 
ist Mikls Handschrift erkennbar. (2. 11.-22. 4. 1979) - 
(Abb. 2) 
Egon Schiele - Die Dokumentation 
seines Schaffens 
Der Wiener Landtagsabgeordnete und Gemeinderat Max 
Wagner legte mit seiner Sammlung, die er testamenta- 
risch der rrAlbertinau überließ, den Grundstein zu dieser 
Dokumentation. Es handelt sich dabei um Briefe, Photo 
graphien, Akten, Schriften, Notizen. Über 1200 Nummern 
umfaßte dieses Archiv. Die Objekte waren aber nicht ge 
ordnet. Prof. Christian M. Nebehay leistete die ver- 
dienstvolle und oft schwierige Arbeit. die Fülle von Ma- 
terial in eine chronologische Reihung zu bringen. Es ge 
lang ihm auch wertvolle Ergänzungen durchzuführen. In 
der Pfeilerhalle konnte natürlich nur ein kleiner Aus- 
schnitt gezeigt werden. Man beschränkte sich auf inter- 
essante Vergleichsmöglichkeiten von Fotos der Modelle 
und der Reproduktion der Ölbilder, auf Ablichtungen der 
Prozeßakte um die rrNeulengbacher Affareu, auch Briefe 
Schieles und besonders interessante und bisher noch 
nie gezeigte Jugendarbeiten Schieles waren zu sehen. 
(5. 4. - I3. 5. 1979) - (Abb. 3) 
Historisches Museum der Stadt Wien 
Georg Eisler - Bilder aus Wien und 
anderen Städten 
Zwar wird dem unbefangenen Besucher durch den Titel 
die Erwartung assoziiert, daß er Städtebllder zu sehen 
bekommt. Es ist aber dann ganz anders. Fast immer 
sind es Menschen (Eisler bezeichnet sie meist als 
Figur), die ihm bei diesen 64 Exponaten begegnen. Nur 
wenige Stadtlandschaften, wie rrDoneukanal-r, iiSalfordrr, 
nBlechturmgasseir finden wir in dieser Schau, jedoch 
sehr oft Menschen in einer für die Stadt typischen 
Situation. Freilich sind auch diese nicht allzureich gefa- 
chert. Am besten sind einige Porträts und die wenigen 
Graphiken. Manche Bilder der Gruppe nKOflffOHfüÜOHn 
sind malersich ausgesprochen schwach. "Der Pullover" 
(1978) ist traurige negative Spitze! (a. s. - 15. 4. 1979i v 
(Abb. 4) 
Galerie auf der Stubenbastei 
Heinz Göbel 
Der Salzburger Künstler bot sehr fein durchgearbeitete 
Blätter, die fast ausschließlich landschaftliche Forma- 
f-LR 
tionen zeigten. Es ist eine Landschaft mit einem durch 
die Oberfläche dringenden Blick geschaut, so daß 
längst versunkene Kulturzeugen, Reste von Architektu- 
ren, Grundrisse von Siedlungen u. ä. unter der gefaltet- 
ten Erdoberfläche durchzuscheinen im Begriffe sind. 
Dann wieder gibt es sehr subtil gezeichnete Formatio- 
nen, die wie mit einem weichen Tuch (gleich der Gott- 
heit von Sais) verhüllt sind. Auch in seinen Farben ist 
sehr große Zurückhaltung zu spüren, Ungewißheit und 
den Raum nur ahnungsvoll Erschließendes erkennbar. 
(8. 2. - 3. 3. 1979i 7 (Abb. 5) 
Christine Heuer 
Untertitel: wDer Rand von Wienu, Zeichnungen. 
Schon vor Jahren fiel die Heuer in einer Ausstellung bei 
dem späteren Präsidenten des Künstlerhauses Hans 
Mayr in der Alserstraße mit Bildern vom Wiener Stadt- 
rand auf. Damals waren es meist düstere Aquarelle. 
Diesmal präsentierte sie Zeichnungen, die freilich 
durchaus nicht heiterer sind, ja oft sogar etwas recht 
Bedrohliches haben. Auf großen Formaten setzt die 
Künstlerin ein wahres Gewirr von Strichen, die sich zu 
den bedrückenden Anlagen der Ölförderung, des Gas- 
speichers in der Leopoldau, des, wie ein behelmter 
Kopffüßler Hieronymus Boschs, aufragenden Daches 
der Ottakringer Brauerei verdichten. Es ist ein ungeheu- 
erer Schritt nach vorne, den die Graphikerin mit dieser 
Schau unter Beweis stellte. (6. 3. -31. 3. 1979) - 
(Abb. 6) 
Galerie am Graben 
Peter Gangl - Design aus Keramik 
Gangl, der auf der Hochschule für angewandte Kunst in 
Wien unterrichtet, zeigte 46 Einzelobjekte und 7 Service. 
Meist waren es feine Porzellanarbeiten mit schonen und 
vor allem sehr lebendigen Glasuren. Die Formen sind 
einfach und geschlossen und zeichnen sich trotzdem 
auch wohltuend als funktionell und praktisch aus. Das 
macht sich besonders bei den Servicen bemerkbar, sind 
sie doch, je nach Verwendungsart, in Größe und Form 
durchdacht. Die dtlnnwandigen Schalen, meist in blauen 
oder eierschalenfarbigen Tönen gehalten, machen einen 
noblen Eindruck. (26. 3.-21. 4. 1979) 
Galerie Alte Schmiede 
Robert Hammerstiel 
Es sind Holzschnitte, mit denen dieser Künstler, ein 
Autodidakt, uns immer wieder konfrontiert, und es ist 
bei den Arbeiten durchgehend eine kraftvolle Weiterent- 
wicklung festzustellen. Immer mehr ist es der Mensch, 
der in den Mittelpunkt von Hammerstiels Darstellung 
rückt. Die Arbeiten sind expressiv und auch dort, wo die 
Flachen aufgefächerter werden. noch monumental. Die 
Struktur des Holzes wirkt nach wie vor in seinen 
Drucken mit. Hier wird nichts vorgetäuscht. Hier wird 
sich zum Material bekannt, und die Dichte der einzelnen 
Gestalten wirkt beschwerend oder beschwert, je nach- 
dem. Es gelingt dem Holzschneider meist mit wenigen 
Gebärden, diese Haltung herauszuarbeiten. 
(15. 2. - 18. 3. 1979) - (Abb. 7) 
Fritz Fischer 
Es waren hauptsächlich Olbilder. Sie zeigten verschie- 
dene Einflüsse, und sie zeigen auch verschiedene Verar- 
beitungen dieser Einflüsse durch den Maler. Cezanne 
steht weit hinten, vordergründig ist die Nötscher-Schule 
zu spüren, auch Herbert Boeckl und in manchen Bil- 
dern, auch in den Aquarellen, Paul Klee. Fischer gelingt 
es da und dort eigenes daraus zu machen, Immer sind 
seine Bilder aber von einem sauberen, klaren Farbauf- 
trag gekennzeichnet. Da gibt es kein Verschmieren und 
kein Gemantsche. Es sind helle und freundliche Bilder, 
oft zu schön. besonders die Porträts! 9 Tuschezeichnun- 
gen mit harten, geraden Strichen beweisen die sichere 
Hand und das Wissen um Komposition. (21. 3. bis 22. 4. 
1979) - (Abb. 8) 
Modern Art Galerie 
Erwin Thorn 
Die Objekte sind eine logische Fortsetzung jener schon 
in den 60er Jahren in Brescia und Ftorn. Später in der 
Galerie St. Stephan gezeigten monochromen Körper, die 
nur da und dort. quasi an Schnittflachen, kräftige rote 
uAnSChnitte-r aufweisen. Von ähnlichen Überlegungen 
und formalen Voraussetzungen scheint Thorn auch bei 
seinen 3 Meter hohem Objekt, das sich auch 5 Meter 
am Boden ausbreitet, ausgegangen zu sein, von dem ei- 
ne Bilddokumentation gezeigt wird. überdimensionaler 
kanrielierter Knochenstumpf erhebt sich über bre 
ufernder Masse, wobei das Rot auf dem Weiß Bll 
ziiert. (24. 1. -3. 3. 1979) - (Abb. 9) 
Alois Riedi 
Große Zeichnungen mit Tusche, Kohle und Bleis 
Papier, oft auch auf grobem Packpapier, zeigten 
von Riedl immer wieder und in den verschiedens 
riationen angeschlagene Thema Sitzmübel. Es w 
ter seiner Hand oft zu einem e' anständigen Syn 
per, bekommt einmal Aggressivität, dann wieder 
iangsbereite Gelassenheit, schlappe Müdigkeit k 
Riedi mit diesem Vonuurf ebenso ausdrücken, wi 
reizende Bereitschaft. Das ist besonders aufgrur 
sparsamen Verwendung von Farben, einer größtr 
chen Beschränkung auf Schwarz- und Grautöne I 
ders bemerkenswert. (21. 2. - 17. 3. 1979) - (Abb 
Galerie in der Staatsoper 
Herbert Stejskal 
Der Salzburger Künstler bot große abstrakte Farl 
positionen. im Vergleich zu früheren Arbeiten sc 
uns diese heller und ausgewogener geworden zu 
Die Pinselführung hat sich beruhigt, und die hari 
blendungen sind verschwunden. Bei manchen de 
wärmeren Tönen agierenden Tafeln ist nahezu V1 
Aufbruchsstimmung zu sprechen. (6.-31. 3. 197i 
(Abb. 11) 
Galerie Contact 
Hubert Berchtold 
Unter dem Titel Landschaiislormen Körperforme 
der Künstler 27 Guachen und "Olbilder. in den Fa 
scheint Berchtold zurückhaltender zu werden. Dr 
schnitt ist nach wie vor von ihm bevorzugt. Oft g 
Landschaftsfbrmen und Körperformen ineinande 
Manchmal hat man den Eindruck, daß es der K0 
gar nicht darauf abgesehen hat. Eine Geschmeir 
und Weiche zeigt sich, Verletzbarkeit ist durch E 
schnitte und Risse gegeben. Große Flächen woli 
unberührbar erscheinen. (20. 3. -21. 4. 1979) -( 
Pab_lo Picasso - Radierungen aus de 
letzten Lebensiahren 
Die von Salzburg übernommene Ausstellung bra 
die Wiener Sammler die wichtigen letzten Arbeit 
großen Meisters. (15. 5. -30. 6. 1979) 
Galerie Basilisk 
Wolfgang Baminger 
Auch hier waren, wie in der Ausstellung in Eisen 
klare Landschaftszeichnungen zu sehen, jedoch 
sehr gelungene Porträts. besonders zu erwähner 
von "Professor Üu und einige sehr kühne aus de 
den Baminger doch eher ungewöhnlichen) Frosc 
spektive gesehene Akte. im Vergleich mit frühen 
zeichnungen sind diese jetzt härter, der Strich si 
manchmal auch vor Verzerrung nicht zurück. (1. . 
5. 4. 1979) 
Z-Zweigstelle Siebenhirten 
lsolde Jurina 
Die Malerin zeigt 3 Zyklen: rBöse Märchenu, nAu 
heitslandii und "Buchstabenbilder oder Leitfader 
Heranbiidung höherer Töchtern. Allen drei Folge: 
das sehr Persönliche. das Verarbeiten eigener Ei 
se gemeinsam. Die mit Buntstift in Jurinas phan 
voller Weise gestalteten Blätter zeigen besonder 
3. Zyklus Aufhellungen. Hier sind die weiblichen 
ten im Verhältnis zu jenen früherer Gestaltungen 
zarter. Dadurch stechen sie auch stark von den r 
männlichen Dingen. aus denen die Buchstaben r 
giert sind und in denen sie verstrickt sind, ab. In 
ie Welt-i ist eine Scheinwelt. (April 1979) - (Abb 
Aio 
Salzburg 
Salzburg I Kunstverein 
Erwin Reiter 
Seit den Zeiten. in denen Hans Widrich die hGali 
der Marktgassew leitete, ist Erwin Reiter, Leiter z 
Meisterklasse an der Linzer Hochschule für Gas 
in Salzburg ein guter Bekannter. (Eine damals an 
te Graphikmappe ist inzwischen zum gesuchten 
rat der österreichischen Kunstfreunde geworden 
aus uLamellen-r aufgebauten Skulpturen Reiters 
manche Variationen erlebt, immer sichtbarer wui 
ter dem ästhetischen Reiz das hohe bildnerische 
nen. (5. 4.- 3. 5. 1979)
	        

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