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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XXIV (1979 / Heft 164)

Für den Kunstsammler



Brigitte Wied

Oberösterreichisches Kunstgewerbe

im Zeitalter des Frühbarock

Keramik

Es ist anzunehmen, daß die heimische Keramikproduktion

 sich in Hafnerware erschöpfte. Von einer Fayenceproduktion

 in Oberösterreich kann vor dem 18. Jahrhundert

 nicht die Rede sein. Alfred Walcher von Molthein

hat in seinen verdienstvollen Arbeiten die Hafnerkeramik

 Oberösterreichs im Zeitraum der Renaissance

bearbeitetl. In Frage kommen für die 1. Hälfte des

17, Jahrhunderts vor allem Steinzeuggefäße und ihre

Imitationen. Walcher erwähnt Krüge mit Darstellungen

von Linz und Wien, die seiner Meinung nach in Waldzell

entstanden seien. Tatsächlich sind jedoch diese Arbeiten

 im Westerwald entstanden und gehören dem Typus

nach in diesen Zusammenhang. Eine große Anzahl ähri-Iicher

 Humperi befindet sich iri Kölnz. Es ist sehr unwahrscheinlich,

 daß in Oberösterreich überhaupt Steinzeugware

 erzeugt wurde, sondern es ist anzunehmen,

daß diese zur Gänze importiert wurde. Aufschlulireich in

diesem Zusammenhang Ist der sogenannte "Schwanenstädter

 Fundu im OÖ, Landesmuseum. Ebenso ergeben

die Rechnungen und Sammlungen der oberosterreichischen

 Stifte ein ähnliches Bild. Von Bedeutung sind vor

allem die zur Ganze publizierten Rechnungen des Stiftes

 Kremsmünster, die einen ausgezeichneten Überblick

über die Situation gewähren. Der Linzer Ostermarkt war

offensichtlich Umschlagplatz für Importe aus Venedig.

Augsburg etc. Auch wandernde Händler brachten Ware

ins Haus. Bezüglich der Keramik enuähnen die Rechnungen

 immer wieder Hafnerware, worunter besonders

viele, leider nicht mehr erhaltene Öfen sind. Besonders

haufig ist die grüne Ware, worunter wohl einfachere Ge

täße und Öfen zu verstehen sind.

Belegt ist ein besonders schöner Oten in der Abtei von

Kremsmünster, für den der Passauer Hofhafner Georg

Wurmhtltinger 1623 und 1624 Zahlungen erhält. Es handelt

 sich um ein schönes Beispiel der süddeutschen

Hafnerkunst und zeichnet sich durch weitgehende Monoohromie

 aus. Der fast nur in Blau gehaltene Ofen

wird durch weiße mit Weinlaub umwundene Ecksäulen

belebt. Den auf Löwen aufruhenden zweistockigen Ofen

ziert oben ein reiches Gespreng. Vergleichbar sind andere

 süddeutsche Ölen, wie etwa ein grun glasierter

Ofen im Museum liJr Kunsthandwerk in Dresden. Ein

weiterer Ofen im Schloß Rosenegg bei Steyr war mir leider

 nicht zugänglich.

Oberösterreichisch dürften die Toriimitationen von deutschen

 Steinzeugwaren sein, da sie in die Tradition der

Hafnerware passen und häufig in heimischen Sammlungen

 vorkommen. Eine Lokalisierung, wie sie Walcher

nach Linz, Ebelsberg und Gmunden vornimmt, ist iedoch

 wohl kaum durchzutühren, da außer vereinzelten

Modelfunden keine Belege dafür vorhanden sind. Walcher

 vermutet, daB die Tonimltationen der deutschen

Steinzeugware den reichen Import verhindern sollte. Für

eine Entstehung in Oberösterreich spricht die reiche

Anzahl solcher Krüge in der Sammlung des OÖ. Landesmuseums3.

 Für Ihre Datierung in die 1. Hälfte des

17. Jahrhunderts spricht ein 1631 datierter Humpen,

ehemals Sammlung Figdor, der einen Kreussner Humpen

 kopiert4. Walcher lokalisiert ihn nach Gmunden.

Tatsächlich wäre Gmunden wegen seiner bis heute fortlebenden

 Tradition an Hafnerware als Produktionsstätte

prädestiniert, jedoch gibt es keinen Beweis der Hervorbringung

 von Kopien nach deutscher Ware. Man wird im

Gegenteil annehmen müssen, daß die begehrte Importware

 an mehreren Produktionsstätten kopiert wurde. Ein

Vergleich mit den Vorbildern ergibt eine Vergröberung,

1 Humpen, Oberösterreich i. H. 17. .iri., Linz. oö. Landesmuseum,

 K 370

2 Krug, Oberösterreich 1. H. 17. m. Linz, 0d. Landesmuseum,

 K 681 __

3 Krug, Oberösterreich 1. H. 17. Jh., Linz, 00. Landesmuseum,

 K 400 __

4 Krug, Oberösterreich 1. H. 17. Jh., Linz, OO. Landesmuseum,

 K 378 __

s Krug, Oberüsterreich 1. H. 17. Jh., Linz, o0. Landesmuseum.

 K sau __

E Humpen, Oberösterreich 1. H. 17. Jh., Llril, OO. Landesmuseum,

 K 111

1 Deckelbecher, Oberösterreich? 1623-1626, Linz, oö. Landes

museum, z 45a ,

e Vlricenz Burel, Humperi. Steyr 1. H. 11 Jh., Linz, 00. Landes

museum, Z. 75

9 Hieronymus Ledeimayi, Erauttlasohe, Wels 162771575, Linz.

O0. Landesmuseum, Z 440.

10. 11 Hieronymus Ledermayr. Brauthumpen, W915 1527 - lG75,

Linz, Oö, Landesmuseum. Z. 437 _

12 gottlried Korber, Humpen, Linz 1612, 00. Landesmuseum,

o 103

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