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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XXIV (1979 / Heft 166 und 167)

3 Stehende Muttergottes mit Kind. Lindenholz, Rückseite

stark genbhlt: Höhe 96.6 cm; Krcnenzacken ergänzt: alte,

zum Teil übergangene Fassung. Niederösterreich, um

1500, Werkstatt des Zwenler Bernhardi-Altares.

spricht, was in unseren Tagen wohl eine große Seltenheit

 am Kunstmarkt ist.

in den für seine Sammlung entscheidenden beiden

Jahrzehnten vor dem ersten Weltkrieg erwies sich

Oertels außerordentlicher Spürsinn für künstlerische

 Qualität auf dem damals noch wenig erforschten

 Gebiet der spätgotischen Holzplastik. 1907 war

er von Göttingen nach München übersiedelt und

pflegte bald persönlichen Kontakt mit allen jenen

Männern, die den Ruhm des "leuchtendem- Münchens

 begründeten - mit Wilhelm Leibl, Max Sievogt,

 Ludwig Thoma, Thomas Mann, Stefan George,

Richard Strauss und vielen anderen. Oertels Sammeln

 war gewiß nicht kommerziell-spekulativ bestimmt,

 sondern warAusdruck einer großen, leidenschaftlichen

 Liebe. Dem entspricht auch der Eifer,

mit dem Oertel den (nicht selten absichtlich vernebelten)

 Quellen in bezug auf die tatsächliche Herkunft

 der einzelnen Stücke nachgegangen ist, ein

Vorgang, der etwa bei der Figur des thronenden Königs

 aus der Gerichtsstube des Zisterzienserstiftes

Stams (Abb. 2) von entscheidender Bedeutung ist.

wDie Mehrzahl allerauf uns gekommenen gotischen

Hoizfiguren stammt aus den spätmitteialterlichen

Flügelaltären. Nur eine geringe Anzahl gotischer

Biidwerke sind als Einzelfiguren entstanden. Es sind

dies im wesentlichen sechs Darstellungen: der

Schmerzensmann, das Vesperbild, die Christusund

 Johannes-Gruppe. die Schutzmantelmaria, der

Triumphbogen-Kruzifixus und Christus im Grabe.

Eine besondere Stellung nimmt die Darstellung der

Maria mit dem Kinde ein; sie kommt während der

Zeit der Gotik als Andachtsbild und auch als

Schreinfigur vom So schrieb Hubert Wilm von der

gotischen Holzfigur. Aberschon die Darstellung des

am Schreibpuit sitzenden Evangelisten Johannes

(Abb. 1 ) will nicht recht in dieses Schema passen.

Der jugendlich wiedergegebene Heilige sitzt nach

rechts gewandt auf einem Stuhl, dessen vordere

Seitenwange von einem profilierten Rechteckfeld

mit Dreipaßgliederung zwischen verschieden hohen

Pfosten gebildetwird. Das im Profil wiedergegebene

Pult hat einen höheren Antritt, auf den der linke Fuß

gesetzt ist, und eine rundbogige Nische an der Seite.

Die linke Hand des Heiligen greift zwischen die Seiten

 des Buches, über einem gegürteten Rock trägt

er einen Mantel, der von einer Agraffe geschlossen

wird. Oertel hat als Provenienz den kleinen Weiler

Durlesbach bei Waldsee in Württemberg genannt,

was aber nicht der Ort der ursprünglichen Aufstellung

 dieses Meisterwerks gewesen sein dürfte. Denn

auf Grund seiner Maße dürfte es sich bei diesem

Hochrelief kaum um einen Teil der Predelia eines

Flügelaltares handeln. Wahrscheinlicher, so Schädler,

 wäre die Aufstellung mit den anderen Evangelisten

 am Corpus einerKanzel, entsprechend den Reliefs

 der vier Kirchenväter an Pulten an der Kanzel

der Stiftskirche in Tübingen. (Eine ungefähr gleich

große Steiniigur des am Schreibpuit sitzenden

Evangelisten Matthäus aus der Zeit um 1420 befand

sich im ehemaligen Kloster A_sbach in Niederbayern.)

 Demmler und auch Julius Baum haben das Johannes-Relief

 der wSchuleJörg Syrlins des Älteren-i

zugewiesen. Von den meisten Forschern wird jedoch

 heute eine bildhauerische Tätigkeit Syrlins in

Zweifel gezogen. Als führender Bildhauer Ulms ist

von 1469-1522 Michel Erhart nachgewiesen, in dessen

 -Werkbereich" Schädler das Johannes-Relief

einfügt. Tirolischer Provenienz ist die schon er-3


            
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