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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XXV (1980 / Heft 169)

ern sehr gerafften Überblick auf die österreihe

 Kunst der siebziger Jahre möchte ich

so sehr über ihre Begleitumstände als vielanläßlich

 bestimmter Entwicklungen schrei-Jas

 "über" wird hinlänglich besorgt, und der

olick auf ein Jahrzehnt wirft Aspekte auf, die

e es sein soll - weit über Kunst hinaus, ununst

 hinweg, auf Kunst dahin - wohin? -

lfl. Ein wenig unorthodoxe Kunst-(und Gehts)betrachtung

 wird in diesem Zusammenerlaubt

 sein, weil ohnedies alles ineinander

- weil in einem Überblick deutlich erkennerden

 sollte, in welchen gemeinhin verschüt-,

 vorn Gedanken-Unrat einer geistfeindlichen

lberschütteten Regionen Künstler zu schürtegonnen

 haben. Und zwar auf eine Weise.

lem mitunter inferioren Optimismus der sech-Jahre

 und angesichts des Onivell-Jahrzehnts

s entgegengestellt werden konnte, das ausochenen

 Rückzugsbewegungen in die Tiefe

ieschichte, eines Herkommens, einer Fluchtgung

 nach hinten - auch genannt "Spureneu

 oder "individuelle Mythologie" etc. - elidäquaten

 Ausdruck geben konnte.

lso im öffentlichen Leben, in seinen verschien

 Ausdrucksformen zwischen Selbsterhalund

 den damit verbundenen Zwängen, zwi-1

 politischen Rochaden, die den gelegentli-Wähler

 bei guter Laune zu erhalten suchen

2 den sogenannten Medien mehr niedergehalwerden

 muß als offengelegt wird, dringen

tler unter die so geschaffene Oberfläche und

r aus nicht mehr wahrgenommenen Tiefen

lf, was von allen Teilen und Richtungen einer

nach wie vor um Arbeitszeitverkürzungen und

eitvermehrung kümmernden Gesellschaft zu

ieren versucht wird: Bohrende Fragen nach

rerlorengegangenen Idealen, nach den Mögeiten,

 Löcher aufzufüllen, die sich hier und da

n und die man immer wieder notdürftig zul,

 mit einer geistigen Von-der-Hand-in-denl-Mentalität

 überkittet. Von ihr leben Psychoi,

 Politologen, Soziologen, Ärzte und Predi-(V0

 alles so eng und auf wenige Fetische hln

erichtet wird, träumen Künstler einerseits

Expansionen (so bereits 1971 in einer der Gralrigon-r-Veranstaltungen,

 zuletzt im Sommer

in der Wiener Secession, die unter dem The-Expansion-i

 stand) - graben sie sich andeits

 ein und entwickeln eine Art Ersatz-Kult.

ai man auf der einen Seite stets an Erweitean

 über "Kunstri hinaus denkt, denn "solange

.unst nicht von der Kunst befreit" ist, "wird

t auch weiterhin von der herrschenden Gezhaftsideologie

 vereinnahrnt bleiben". So der

er Richard Kriesche, Videokünstler und

ttherapeut besonderer Art 1976: "Kunst ist

ufhebung von Kunst durch Kunst,"

1 Kunst aber (auch) Hilfe bedeutet, wie der

lauer Karl Prantl immer wieder und darin

1 verstanden betont hat - ein Künstler, der

zwanzig Jahren die Bildhauer-Symposien im

enländischen St. Margarethen begründet hat

o muB sie auch von irgend jemandem als solverstanden

 und angenommen werden. Gerade

ersuche der Bildhauer, die sich zu Aufgaben

orzutasten suchten, mit denen ein Angebot

ie Gesellschaft verbunden ist, schlugen fehl;

dort, wo sie unter sich experimentierten, vor

1 aber vor einem großen Projekt, dem der Errung

 des Stephansplatzes in Wien. Trotz an-'engter

 und meist sehr selbstloser Bemühunerwies

 sich einmal mehr, daß die Pragmatiker,

"laner, Techniker und Politiker, mit Künstler-:ellungen

 nichts mehr anzufangen wissen,

wie zu Zeiten eines Adolf Loos konsequent

Leeren gesprochen wird. Etwa auch von iedie

 Videoproduktionen zum Anlaß von Kamlen

 nehmen, Bewußtwerdungsprozesse ins

Rollen zu bringen, und kläglich an den Vorstellungen

 der Programmacher scheitern. Kein Zufall also,

 wenn versucht wird, Kunst anders und übergeordnet,

 weniger von einem "Werk- her zu verstehen

 - es sei denn, ein solches entstehe in der

Folge des Einwirkens mittels nsozialer

Strategiem, über die Künstler im vergangenen

Jahr anläßlich eines der Kunstgespräche der Galerie

 nächst St. Stephan diskutiert haben.

Künstler hätten mitunter allen Grund, zu verzweifein;

 andererseits machen sie sich weniger vor als

die Gesellschaft, innerhalb derer sie zu operieren

suchen und in der sie nach Möglichkeiten Ausschau

 halten, für ihre Vorstellungen so zu werben,

daB ihr Nutzen evident wird. Neue Weichenstellungen

 vor allem an der Hochschule für angewandte

 Kunst suchen die Grundlagen dafür zu

schaffen. Speziell in Wien hat das Kunstleben im

vergangenen Jahr eine Expansion rein äußerlich

erfahren; durch die Gründung eines neuen modernen

 Museums etwa oder durch gesteigerte Galerieaktivitaten

 und die damit verbundenen Vermitt-Iungsformen.



1 Arnulf Rainer, "Schlinger. Aus der Serie "Frauenakte -

Frauenposenri. Uberzeichnungen 1979

Bruno Gironcoli, Objektstudie. Grafik

Fritz Wotruba, Kirche zur Heiligsten Dreifaltigkeit,

Mauer-Georgenberg. Eingeweiht Oktober 1978

Haus Rucker 8 00., wOasew, 1972. Projektstudie.

Zeichnung

Hans Hollein, Museumsprojekt für Monchengladbach.

Modell (Fertigstellung geplant für 1981)

Joseph Bauer, Taktil, 1969

(DOIJIQN

Die "Situtationenir oder "Positionenu (Titel zweier

Ausstellungen vorwiegend junger Künstler an der

Jahreswende 1979180 in den Wiener Galerien

nächst St. Stephan und Modern Art) erweisen sich

dennoch keineswegs als rosig: "Was wir gemeinsam

 haben . die Isolation-i, bemerkt Karin

Schöffauer und fährt fort: uWir produzieren, jeder

für sich, wir preisen uns an, jeder für sich, wir wollen

 alle von unserer Kunst leben können, wir müssen

 uns bekämpfen, uns gegen unsere Konkurrenten

 durchsetzen. Wir werden durch unsere Isolation

 gegeneinander ausgespielt, wir verlieren, wir

gehen unter."

Das klingt alles andere als optimistisch, klärt aber

zunächst einen Sachverhalt, läßt eine Erkenntnis

zu, von der aus wStrategienv für die achtziger Jahre

 ausgearbeitet werden könnten, für deren Verwirklichung

 (oder Entwicklung) Künstler allerdings

 der Mithilfe jener bedürfen, die ihnen mitunter,

 nicht völlig uneigennützig, den Hof machen:

die Kulturpolitiker, weil sie wissen, was künstlerIsch-unorthodoxes

 Denken, das über engste Bereiche

 hinauszudrangen versteht, mitunter bewirken

 kann - vor allem, wenn es sich um mehr handelt

 als um Hundertwassers Humus-WC oder das

"Recht aufs Fenstern. Was in den späten sechziger

 Jahren zumindest theoretisch an Verweigerungsdikta

 entwickelt worden war, hat für wichtige

 Künstler seine Rolle im übrigen nicht ausgespielt

 - im Gegenteil.

Zur Sache: Während der siebziger Jahre hat eine

Reihe österreichischer Künstler noch dominieren

können, obwohl sie zu einem gewissen Abschluß,

zur verbindlichen Artikulation ihrer selbst, zum

Überschreiten eines Zenits im wesentlichen

schon zuvor gekommen waren (wie überhaupt auffallen

 muß, daß wahrend der siebziger Jahre wenig

 auftrat, das nicht wenigstens seine Vorbereitungen

 im vorangegangenen Jahrzehnt gefunden

hätte). Drei von ihnen sind in den letzten fünf Jahren

 verstorben: Fritz Wotruba (1975, ein Jahr vor

der Einweihung seiner Kirche "Zur Heiligsten Dreifaltigkeitu,

 einer Skulpto-Architektur besonderer

Art), der Zeichner Kurt Moldovan (1977) und der

Maler Mario Decleva (1979). Die anderen haben ihre

 zuvor errungenen Positionen, Denkweisen und

Ausdrucksformen im wesentlichen beibehalten:

die Maler Georg Eisler, Adolf Frohner, Johann

Fruhmann, Wolfgang Hollegha, Joseph Mikl, Peter

 Pongratz, Markus Prachensky, Franz Ringel

oder Max Weiler, um ein auch altersmäßig buntes

Gemisch aufzustellen, das die Situation der

Vierzig- bis Sechzigjährigen aber kennzeichnet.

Dann der Objektmacher Curt Stenvert (ohne das

ihn begünstigende Fahrwasser der kritischeren

sechziger Jahre nicht denkbar); die Bildhauer-Maler

 Rudolf Hoflehner (1972 im Museum des

20. Jahrhunderts mit seinen existentiell bestimmten

 Bildern) und Karl Anton Wolf; die Aktionisten,

von denen sich nur Günther Brus zum Zeichner

und Neo-Romantiker gewandelt hat. Schließlich

die Bildhauer: Roland Goeschl, Alfred Hrdlicka,

Rudolf Kedl, Karl Prantl und Erwin Reiter, um jeweils

 signifikante Persönlichkeiten für bestimmte

Ausdrucksbereiche zu nennen und hervorzuheben.



Andere, die sich schon während der sechziger

Jahre eine bestimmende Position erworben hatten,

 bauten in den siebziger Jahren aus und verdichteten,

 was die zuvor Zitierten lediglich noch

auszubauen vermochten. Bei ihnen ist eine fortschreitende

 Entwicklung, sind Wandlungen, Neuansätze,

 "Expansionenu festzustellen. Sie bilden

daher auch den eigentlichen Kern der Entwicklung

während des letzten Jahrzehnts. Einige unter ihnen

 entwickelten eine exemplarisch wirkende Tätigkeit.

 Zunächst aber eine Liste von Namen, die

ln diesem Zusammenhang zu notieren waren und

sind:

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