von der Erde hinwiederum wie Wasser eingeschluckt,
und muB ein jeder mit David aus dem 21.
Psalm endlich klagen ,ich bin ausgeschüttet wie
Wasserü Wie bald wird mich die Erde gar verschlingeniw
Darum nehmen die Wände der Altenburger
Krypta, hinauf bis zum Gewölbeansatz mit
Ausnahme der Bildflachen mahnenden Inhaltes,
das Motiv von dem gleichermaßen von Wasser
und Erde durchdrungenen Totenreich auf. In Erdschichten
und Schollen, die mitunter aufbrechen,
sind Muscheln, Korallen und Algen mit einverwoben.
Der Raum ist der Abgrund, die Wölbung die
Erde, die in all ihrem Reichtum ständig vom Tode
bedroht ist und auf der das ntheatrum mortis humanaerr
stattfindet.
Über eine bühnenartige Treppe kann der Betrachter
in das Reich des Todes hlnabsteigen. verharrt
er aber an der Brüstung der Treppe, so leuchtet
ihm jenseits das erlösende Zeichen des Kreuzes
(Abb. 2) entgegen, er wird durchdrungen von der
Prophetie des lsaias: "Steige auf einen hohen
Berg, Freudenbotin für Zion... Rufe den Städten
Judas zu: Seht da, euren Gott. Seht, der Herr Jahwe
kommt mit Macht und sein Arm unterwirft ihm
alles. Seht, mit ihm kommt sein Siegeslohn und
seine Siegeszeichen gehen vor ihm her.rr Die Wölbung
des ersten Joches überspannt die großartige
Treppenkonstruktion. In den Malereien heiter und
fröhlich erscheinend, den Reichtum der Natur in
üppig besteckten Blumenvasen widerspiegelnd
(Abb. 3). "Der Mensch eine Blumer-ß schrelbt Abraham
a Sancta Clara unter Berufung auf den Propheten
lsaias, nAlles Fleisch ist Gras und alle seine
Schönheit wie die Blume des Feldesrrß. Aus den
vier Ecken des Mittelmedaillons wachsen vier verschledene
Baume: Palme, Eiche, Zeder und Araucaria,
der iiamerikanischer: Baum, stellvertretend
für die vier Kontinente, die alle gleichermaßen von
dem vorgeführten Schauspiel betroffen sind, denn
"Völker sind vor ihm wie ein Tropfen am Eimer,
und wie ein Stäubchen an der Waage gelten sie
vor lhm4t7. In den queroblongen Bildfeldern zu Seiten
der Treppenlaufe mahnen zwei betende und
betrachtende Eremiten zu Buße und Einkehr, rufen
auf zu Ruhe und weltentrückter Einsamkeit"
(Abb. 4).
10
3 Gewölbeansatz und Decke des ersten Joches. nDer
Mensch eine Blumen
4 Bildflachen der rechten Wandzonen des ersten und
zweiten Joches sowie des ersten Gurtbogens: Eremit
- Atlant - das Laster
5 Erster Gurtbogen links: Greis und Tod
6 Erster Gurtbogen rechts: Kind und Tod
7 Linkes Wandbild des zweiten Joches: Die Tugend
8, 9 Gewölbeansatz und Decke des zweiten Joches:
nTod und Tanz-r. nDas Leben besteht, wie der Rauch
vergehtn
10 Rechtes Wandbild des zweiten Joches: Das Laster
11 Zweiter Gurtbcgen links: Der Tod und die Königin
Anmerkungen 8 -14 (Anm. 4 - 7 s. S. 9)
r Seit dem 17. .in. gehören Eiemiieridarstellurigen zur Propaganda
der Gegerlrelorrrlalion, Die Darstellungen sind nicht mehr als
Heiligendarslellungen zu weilen, sondern erheben Anspruch
auf Anonymität, um allgemeingültig das Ideal von Weltflucht
und idyllischer Ruhe zu erweisen. Damit entsprechen Eremitenhilder
dem dem Barock S0 vertrauten Gedanken von Welterltsagung
und Bußhaltung In bewußtem und krassem Gegensatz zur
totalen Lebensfreude. Eln ideal, das letztlich Vorl Karl V. geprägt
worden war.
r Totenkapelle a. a. 0., s. 22a und s. 155
"' Vgl. dazu die Illustration zu: Cum moaiietur hOmO, haeredltabit
sarperltes, iri: Abraham a Sancta Clara, Besorlder meublirte und
gezierie Todtencapelle. Nürnberg 1720. gegenüber p. 4a
ll Tolenkapelle a.a.0., s. iaaii.
i? ebenda, s. 204. Vgl. dazu auch den Kupferstich der Originalausgabe,
Nürnberg 1720, a. a. O.. -Delecerurit siCut lumus dies melgegenüber
p. 164
" Totenkapelle a. a. 0.. S. 183".
H Hipa Cesare lconologia etc, Padua 1611. p. 420 und 501. Vgl. dazu
auch die Analyse der beiden Figuren in: Krypta, Stift Altenburg
und seine Kunslschäize. a. a. 0.