MAK

fullscreen: Monatszeitschrift I (1898 / Heft 1)

Atelier allein - machten doch die griechischen Künstler ihre Studien 
auch hauptsächlich in der Palaestra und im Gymnasien. Dieses stete 
Beobachten, das zur zweiten Natur geworden, spricht sich deutlich in 
Myrbachs sämmtlichen Arbeiten aus. Es bildet zusammen mit den 
Erwerbsresultaten eingehender Einzelstudien den Grundstock seiner 
Ausdrucksweise. Er hat das völlige Erfassen einer Situation, die blitz- 
schnelle Erkenntnis dessen, worauf es ankommt, zu einer unglaublichen 
Höhe gesteigert und dies allein befähigte ihn, in so vielseitiger Weise 
sich auszudrücken, als er es gethan. Er ist Zeichner, ja, aber überall 
drängt sich die malerische Empfindung, das Begreifen der Tonwerte in 
den Vordergrund, sonst wäre bei Ausführung seiner Arbeiten sicherlich 
nicht der Pinsel sein Lieblingsinstrument. Nicht als ob er etwa Scheu 
vor dem Strich, vor der präcisen, zugespitzten Ausdrucksweise hätte. 
Eine Unzahl seiner mannigfaltigen Studien landschaftlicher wie figür- 
licher Art hat er, den Stift in der Hand, vor der Natur gemacht. Hatte 
er aber auf diese Weise den Grundzug, das Wesentliche sich ange- 
eignet, was hätte ihn dann abhalten sollen, das Erworbene in frei 
malerischer Weise zu geben? In der Kunst muss jeder selbst am 
besten wissen, was ihm taugt, alle Principienreiterei ist von Übel. 
Wie etwas gemacht ist, das bleibt ziemlich gleichgiltig, die Haupt- 
sache ist, dass es gut gemacht sei und den Nagel auf den Kopf treffe. 
Myrbach ist ein durch und durch moderner Künstler. Er geht in 
allererster Linie der Wesenheit der Sache auf den Grund, er betont 
bei aller malerischen Auffassung immer das Charakteristische, das 
Ausschlaggebende, wobei ihm ein Reichthum von Detailstudien der 
mannigfachsten Art zur Seite steht, der ihn aber nie dazu verleitet, 
sich ins Detail zu verlieren. Er weiss die Richtigkeit des Einzelnen 
stets dem Ganzen im wahren Verhältnisse unterzuordnen, weil er nie 
den Grundgedanken aus dem Auge verliert. Das allein schon hebt 
ihn hoch über das Durchschnitts-Niveau. Was hat er nicht allein 
an Uniformstudien aller Art zusammengebracht, die für Schilderungen 
aus dem Soldatenleben vergangener Zeit zur unumgänglich noth- 
wendigen Bedingung wurden. Er hat daraus aber keine Requisiten- 
Malerei gemacht. Die menschliche Erscheinung in ihrer den zwingen- 
den Umständen entsprechenden Art ist ihm immer Hauptsache 
geblieben. Das aber lernt man nicht wie das Abc, es ist vielmehr eine 
Parallel-Erscheinung zum Zuge des Charakters, der, allen hindernden 
Umständen trotzend, einem gesteckten Ziele zustrebte. Der weniger 
Starke bleibt am Einzelnen hängen, es wird ihm zum Bleigewicht, 
das er nicht abzustreifen vermag. Seine Arbeit sinkt herab zur 
Tiftelei.
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.