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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XXVI (1981 / Heft 174 und 175)

Dietrich Fabian

Entwicklung der Roentgen-Mehrzwecktische



Funktion, Konstruktion,

Oberflächenschmuck,

Einrichtung

Dietrich Fabian

Entwicklung der Roentgen-Mehrzwecktische



Funktion, Konstruktion,

Oberflächenschmuck,

Einrichtung

Handwerkliche Erzeugnisse, auch höchster Vollendung,

 lassen sich nicht ohne kaufmännisches

Geschick in das Licht der Öffentlichkeit und damit

an den Erwerber bringen. Für das erste legte der

Vater Abraham (1711 -1793) die Grundlagen im

wesentlichen bereits nach offenbar hervorragender

 Ausbildung in der väterlichen Werkstatt und

Weiterbildung in Holland und England. Für das

zweite sorgte der Sohn David (1742-1807) nach

vortreffiicher herrnhutischer Schulbildung in Niesky,

 Kunsttischlerausblldung in der Werkstatt des

Vaters, Weiterentwicklung und durch Hinzuziehung

 künstlerischer Genies wie Krause (Mechaniker),

 Kinzlng (Uhrmacher, Klavierbauer), Zick (Maier)

 und Gervais (Graveur).'

Vater und Sohn wuchsen zu einem Begriff in der

Möbelbaukunst zusammen, so daß wir heute nur

noch vom Fioentgen-Werk oder von Roentgen-Möbeln

 sprechen! Eine Trennung der Werke wäre

nur in der Frühzeit möglich. Vater Roentgen

schied erst 1784 in Neuwied aus.

Der Mehrzwecktisch, wie wir ihn heute nennen,

hatte sich im 18. Jahrhundert, insonderheit bei

den Roentgen-Möbeln, großer Beliebtheit erfreut

wegen der vielfältigen Nutzungsmöglichkeit, des

geringen Platzbedarfs und des relativ geringen

Preises.

Um die zahlreichen Möbelarten und -formen der

Fioentgen-Werkstatt zu straffen, fassen wir unter

dem Begriff wMehrzwecktisch-i die sogenannten

Verwandlungstische, Pulttische, Frisier- und Zeichentische

 zusammen, Tische mit mehreren Funktionen.

 Etwa 60 Exemplare sind heute noch bekannt.



Durch Archivalien, sonstige Dokumente und einige

 interessante Restaurierungsfaile ist es eigentlich

 erst heute möglich, einen genauen Überblick,

auch in den Details, der Funktion, der Konstruktion,

 der gewählten Holzarten und Schmuckformen

 zu geben. Das Thema verlangt einen Streifzug

 durch die Arbeltsphasen der Roentgen-Werkstatt

 von 1742 in Herrnhaag bis 1795 in Neuwied.

 Aus den verschiedenen Werkstattphasen

kommen hier charakteristische, wenig bekannte

Darstellungen.

1

Funktion

Bis zu fünf Funktionszustände kennen wir an einem

 einzelnen Verwandlungstisch, wie bei unserem

 Beispiel (Bilder 15-22): Konsoltisch, Spieltisch,

 Dame-Schach-Spieitisch, Trlck-Track-Spieltisch

 sowie Schreib, Lese-, Zeichen- und Notentisch,

 später kommt noch die Frisiertischfunktlon

hinzu.

Origineller als eine andere Beschreibung gibt über

die verschiedenen Verwendungszwecke die nachstehende

 handschriftliche Originalbeschreibung

aus der Roentgen-Werkstatt Auskunft, die am alten

 Ort in unserem Beispiel (Bild 15) aufgefunden

wurdel:

„Erklährung wegen dem Spiel Tisch mit 4 Variationen

 (Bild 15). Die Füße (Beine) welche in der Kiste

3

bey dem Tisch liegen sind Marquirt, und dürft

nur nach dern Zeichen eingeschraubt werden, 1

dann drucket man Hinten an einem Fuß an das E

ßerne Knöpfgen, als dann ziehet (schwenkt) m:

den Hintersten Fuß (linkes Bein) heraus, sodai

findet maneinen höltzernen Ftigel, diesen Stell

man gerade aufwärts (Bilder 4 und 26), nach di

sem legt man daß eine Blatt darauf, so hat man i

nen mit grünem Tuch überzogenen SDiQI-TiSt

(Bild 18), als dann legt man den Höltzernen Flieg

halb Nieder, so kan man daß zweyte biatt Ui

schlagen, und da hat man einen schönen Tlsi

um Dames oder Schacht zu spielen (Bild 19), e

dann legt man den Höltzernen riegel gantz nied1

und so legt man daß dritte biatt auf, wo sich da:

ein mit grün Tuch überzogner Schreib-Tisch (Bi


            
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