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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XXVI (1981 / Heft 176)

eine Schlange, die sich selbst in den Schwanz

beißt. Sie krönt somit den Toten mit dem Symbol

der Ewigkeit. Die andere Hand dieser weiblichen

Figur hält über dem Haupt Leopolds ll. die Krone

der Toskana, damit auf seine Stellung anspielend.

Sein Vater, Franz Stephan, mußte 1735 im Vorfrieden

 von Wien auf sein Erbland Lothringen zugunsten

 des vertriebenen Polenkönigs Stanislaus

Leszczynski - der Landstrich ging später an

Frankreich - verzichten und erhielt dafür das

Großherzogtum Toskana zum Ausgleichlß Dieses

Gebiet wurde als Sekundogenitur der Habsburger

installiert. Joseph ll. verzichtete am 12. Janner

1765 zugunsten seines Bruders Leopold auf die

Toskana. Leopold hält in der rechten Hand den

Marschallstab, während die linke den habsburgischen

 Hausorden vom Goldenen Vlies umfaßt, der

auf einem Band über seinem Brustpanzer hängt.

Diese Gesten sollen ebenso wie der um seine

Schultern gelegte hermelinverbrämte Mantel einen

 gewissen Herrschaftsanspruch aufzeigen.

Neben ihm steht sein jüngerer, 1754 geborener

Bruder Ferdinand, der 1771 Maria Beatrix von

Este, die Tochter des Herzogs von Modena, heiratete.

 Im selben Jahr wurde er Generalgouverneur

der Lombardei und residierte in Mailand. Der Knabe

 ist auf diesem Bild mit einem reichbestickten

Gewand bekleidet und mit dem St.-Stephans-Orden

 dekoriert dargestellt. Mit der rechten Hand

weist er auf die neben ihm sitzende Mutter Maria

Theresia hin.

Die Herrscherin sitzt auf einer Art Thronsessel unter

 dem traditionellen Baldachin. Dieser Rückgriff

auf das Barockmotiv und die für 1765-67 sehr

modern anmutende Fiaumarchitektur zeigen eine

gewisse Gegensätzlichkeit auf. Man kann in dieser

 Zeit recht oft das Nebeneinander des alten

und modernen Stils, die ohne abrupte Trennung

ineinander übergehen, bemerken.

Maria Theresia ist in ein weißes reichbesticktes

Kleid gehüllt, um das ein pelzgefütterter Mantel

gelegt ist (Abb. 5). Auf dem Kopf trägt sie als äußeres

 Zeichen ihrer Witwenschaft eine schwarze

Haube mit Schleier. Mit beiden Händen halt die

Herrscherin das Zepter. Auch sie tragt den

SL-Stephans-Orden an die linke Brustseite geheftet.

 Hinter ihr iiegen auf einem Polster der Reichsapfel,

 die ungarische Königskrone und weitere,

nicht näher zu bestimmende lnsignien. Maria Theresia

 wurde bekanntlich 1741 zur Königin von Ungarn

 und 1743 zur Königin von Böhmen gekrönt.

Im äußersten rechten Bildteil ist der jüngste Sohn

der Herrscherin, Maximilian, zu sehen.

Der 1756 geborene Knabe war ursprünglich für

den Militärdienst bestimmt. Eine Krankheit hinderte

 ihn jedoch daran, seinen Neigungen zu folgen.

 Seine Mutter hatte ihn bereits mit 13 Jahren

zum Koadjutor des Deutschordensgroßmeisters

wählen lassen, ohne daß er zunächst die geistliche

 Laufbahn ergreifen sollte. Maximilians angegriffene

 Gesundheit führte schließlich dazu, daß

er 1780 Kurfürst von Köln und 1784 Bischof von

Münster wurde." Franz Anton Palko malte den damals

 9- bis 10iährigen Knaben in einem reichverzierten

 Gewand, mit dem Goldenen Vlies dekoriert.



Hinter Maria Theresia ist der Staatskanzler Wenzel

 Anton Fürst Kaunitz-Fiiedberg - leicht nach

vorne gebeugt stehend - wiedergegeben (Abb. 4).

Der Staatsmann war einige Zeit in Paris als Botschaltet

 tätig, bevor er 1752 in Wien bei außerordentlichen

 Beratungen dem Staatsrat beigezogen

wurde. Maria Theresia erkannte seine Fähigkeiten

und ernannte ihn 1753 zum Minister für auswärtige

 Angelegenheiten und bald darauf zum geheimen

 Haus-, Hof- und Staatskanzler.

Zu diesem Gemälde hat sich, von diesem nur in einigen

 Punkten abweichend, eine Ölskizze erhalten

(Abb. 6). Dieser Bozetto war in den dreißiger Jah-4



I Franz Anton Palko, "Joseph ll. und Josepha von Bayein",

 1165166. ÖllLeinwand

6 Franz Anton Palko, Ollskizze zu dem Gemälde irMaria

Theresia und ihre Sdhneii (Abb. II)


            
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