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Full text : Alte und Moderne Kunst XXVI (1981 / Heft 176)

rlotte Ziegler

lt Zwettl, seine Handiriften

 und die

ziehung zu Böhmen

rkungen 1 -38 (Anm. 23 738 s. Text S. 8, 9)

turischen Beziehungen von SlifrZwetrI und seinem Gründerecnt,

 den Herren von Kuenring, zu Böhmen sind van der R0-in

 bis zur Neuzeit in Abhandlungen erftißt worden. Als deren

1grundlage dienten vornehmlich Urkundenuberlielerungen

lnil und Abschrilten, Iregrnentlerie Hinweise in Handscrlrilnweisa

 im sogenannten Sliftungsbucn (Bärenhaur) und die

rllche Kiostergeschichte das Zweifler Historiograpiien und

Bernhard Llnck (1645- 1671i.

055i, Böhmen, Ottokar il, Piemysl und die Herren von Kuen-.

 Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich N. F.

15 (1575) 380. K. Kubes, J. Fiössl, Stift Zwettl und seine

lstschälze. Wien 1979, 15-15.

chichtliche Beilagen zum St. Pöltener Diözesen-Blatt.

XIV (1954) 2 - 3.

Friedrich, Codex Diplometicus et eplstolaris regni Bohee,

 Band 1. Prag 1904-1506, 2831., Nr. 311.

Friedrich (Anm. 3), Band 2, 2051., Nr. 218. - J. Rossl (Anm. 1)

Ubersicht der Beziehung von Ptemysl Ottckar zu den Kuenem

 und Zu Stift Zwettl siehe J. Ftossl (Anm. 1) und K. KubBS.

össl (Anm. 1) 44 -45.

Össl (Anm. 1) 393-394.

ossi (Anm. 1) 391.

össl (Anm. 1) 4UZ. 7 K. Kubes, J. RÖSSI (Anm. 1) 45.

uberl, Die Kunsldenkmäler des Zisterzienserklosters Zwettl.

' 29 (1940) 209. - Zu Beginn von Cod. Zwetl. 400 geht in

sfnrm hervor, daß das Graduale unter Abt Pitroif und Prior

ard 1258 VGn Gottfried aus Neuhaus hergestellt wurde. -

.ubes, J. Rossl (Anm. 1) 45.

iuberl (Anm. 9) 20411., Abb. 254-255. 7 Zur böhmischen

xaziehung der illumi "erten Zwettler Handschriften der Rolik

 vgl. cn. Ziegler, Zur Buchmalerei der Romenik im Handiftenstand

 der Stiftsbibliothek von Zwettl, in: Beitrage zur

dschriftenkunde und mittelalterlichen Bibliothekgeschichteferaie

 der 7. Tagung österreichischer Handschriltenbearer

 In Innsbruck, Juni 1979. lnnsbrucker Beiträge zur Kulturisnschalt,

 Sonderheft 47 (1980) 147.

ubes, J. Rossi (Anm. 1) 44.

folgenden historischen Angaben stammen aus dem noch

1er grundlegenden Werk von G. E. Friess, Die Herren von

nrlng (1874) 128.

. Frless (Anm. 12) 152.

. Friess (Anm. 12) 201-205.

. Friess (Anm. 12) 209.

. Friess (Anm. 12) 211.

. Friess (Anm. 12) 2157216.

. Frless (Anm. 12) 211.

.Friass (Anm, 12) 21911. 7 K Kubas, J. RÖSSI (Anm. 1) 53.

Zieglsr, Aspekte zur böhmischen und österreichischen Palraphle

 des 15. Jahrhunderts anhand von Beispielen des Beides

 der Stiftsblbliothek Zwettl. Codices Manuscrlptl 4

B) 122- 127, Abb. 3, 4.

lnterkircher, F. Lackner, Die datierten Handschriften der

zrreichischen Nationalbibliothek (Katalog der datierten

dschriften in lateinischer Schrift in Österreich, Bd. 511

i] und 512 lTafelnl). Wien 1981, Nr. 21a, Abb. 134.

ak, Österreichisches Klosterbuch. Wien 1911, 136, Nr. 16.

zh Richental, Das Konzil von Konsienz(Fakslmlle; Kommen-'.

 OttCl Fsgsr und Lilli Fischel), Starnberg-Konstanz 1954.

Baumann, Die Literatur des Mittelalters in Böhmen.

tsch-latelmach-tschechische Literatur vom 10. bis zum

lahrhundort. Veröffentlichungen des Colleglum Caroiinum

l57B) 7711., 224 - 229 (mit aulührlichen Literaturangabsn).

.ern, Die Handschriften der Umversitatsbiblinthek Graz l

idschriftenverzeichnisse Österreichischer Bibliotheken.

armark, Band 1). Wien 1539, 135.

nterkircher, Inventar der illuminierten Handschriften, Inkuzl

 und Frühdrucke der Österreichischen Nationalbibliothek

1. Teil I, Die Abendiändischen Handschriften. Wien 1557,

7 H. Menhardßyerleichnis der altdeutschen literarischen

dschriflen der Österreichischen Nationalbibliothek, Band

erlin 1961, 838. 7 Katalog, Wissenschaft im Mittelalter.

1 1Q75,177, Nr, 145.

i Wien, COd. 3044, f0i. 74r-76v (Prozsssionszug). - C011.

ist um 147D zu datieren und wahrscheinlich im schwäbitn

 Raum (Bodensee) entstanden.

schel (Anm. 23) 99th; über die verlorengegengene Vorlage

die Bildüberlieferung in den Abschriften.

uinum sanitatis in medicinac, S.N. 2544 der Österreichitn

 Nationalbibliothek (Faksimile, Bd. B der Reihe Codices

ctl). Graz 1966. (Kommentar v. F. Unterkircher) Graz 1967.

den Einfluß der italienischen Malerei, bes. vom Ende des

ahrhundens, in der Naturstudie und Genremotiven auf den

lichen Raum, Vgl. O. Pacht, Early ltalian Nature Studies and

Early Calendar Landscape, in: Journal ol the Werburg und

tauld Institutes 13. London 195D, 13-47. 7 Zur Kopie der

mischen Vorlage der Tacuinum Sanitatis-Fassung im Boieeraum

 des 2. Viertels des 15. Jahrhunderts vgl. O. Pacht.

wiedergefundene Tacuinum-Sanitatis-Handschriit. Münchlahrbuch

 der bildenden Kunst 3 (1952) 172 -1B0.

adlaha, Die Bibliothek des Metropolitankapitels. Topograder

 Historischsn und Kunstdenkmale, Band 2. Prag 1904,

-191, Nr. 42. Abb. 208. - Z. Drobna, Die gotische Zeich-1

 In Böhmen. Prag 1956, 51, Abb. 145.

Jbes, J. Ftössl (Anm. 1) 51, Anm. 101.

nck, Annalas AustrioClara-Vallenses, seu fundationls moaril

 Clerae-Vallis Austrie - Vulgo Zwetl, Ordinis Clsteriis,

 Tomus ii. Vienna 1725, 921.

Obnä (Anm. 31) 50: 51, Abb. 130. 7 E. Urbänkbva, Rukopl-Vläcnä

 Tlsky Frazske Universitni KnihOVny. Prag 1557, 21,

31. 7 J. Krasa, Studie 0 Rukopisech Husitske Doby. Ume-(1974)

 21 f., Abb. 1.

schel. Die nGrcße Schlachte, Analyse eines Kupferstlchs.

en-Richarts-Jahrbuch 21 (1959) 155- 172, Abb. 77. 7

asa (Anm. 34) H, Anm. 22, 24, Abb. 2.

Sterling, Etudes savoyardes I (supplement). L'Oeii (1971)

19, Abb. 5, 6.

Sterling (Anm. 5a) 1a, Abb. 10.

schei (Anm. 35).

Die Lage des Stiftes Zwettl im nördlichen Grenzgebiet

 Niederösterreichs zum böhmischen Raum

hätte eine günstige Voraussetzung intensiver wirtschaftlicher

 und geistiger Kontaktpflege zum

Nachbarland geben können, wenn nicht der angrenzende

 Nordwald bereits ln der 2. Hälfte des

12. Jahrhunderts Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen

 zwischen den Babenbergern

und Sobieslav ll. von Böhmen (1175l76 und 1178)

gewesen wäre, in die der Kuenringer Aibero lll.

(T1182) auf selten der Babenberger teilgenommen

hatte! Der Nordwald, seit 1179 als Grenzmarkierung

 durch Kaiser Friedrich I. festgelegt, band

Stift Zwettl an den niederösterreichlschen Raum.

Dies hatte zur Folge, daß der monastische Wirkungsbereich

 des Stiftes im deutschsprachigen

Gebiet gefestigt wurde, denn Stift Zwettl war eine

Tochtergründung von Heiligenkreuz 1138. Aus verschiedenen

 Quellen können wir iedoch die Kontaktpflege

 des Stiftes und seines Gründergeschlechtes,

 der Herren von Kuenring, zum böhmischen

 Nachbarland in den folgenden Jahrhunderten

 feststellen. Die Beziehungen waren gleichzeitig

 wirtschaftlicher und politischer Natur. Eine Urkunde

 berichtet, daß zwischen 1180 und 1185 Hadmar

 ll. von Kuenring dem Kloster Pomuk in Böhmen

 (Zisterzienserstift Nepomuk bei Pilsen) die

Abgaben bei seiner Maut in Weitra und des gekauften

 Hauses mit Gründen in Schweiggers erläßtß

 Eine weitere Quelle berichtet etwa, daß

Friedrich von Böhmen dem Stift Zwettl 1186 das

Grundstück wLasizichu an-der böhmischen Grenze

mit denselben wirtschaftlichen Zugeständnissen

entsprechend den Zisterzienserstiften im böhmischen

 Lande schenkt? 1221 wird die Schenkung

von Piemysl Ottokar, König von Böhmen, bestätigt!



Der historische Schwerpunkt der Beziehungen der

Kuenringer und von Stift Zwettl zu Böhmen liegt in

der gotischen Epoche, einmal in der Frühgctik des

13. Jahrhunderts, das andere Mal um die Wende

zur Spätgotik und im 15. Jahrhundert selbst. Zusammen

 mit den anderen Landesherren forderten

die Kuenringer Piemysl Ottokar zur Machtergreifung

 der österreichischen Lande auf; Ottokar führte

 ab November 1251 den Titel ndux Austrien?

Durch Heiratsverbindungen wird die Position der

Kuenringer zu Böhmen gefestigt." Sie tragen den

böhmischen Amts- und Verwaltungstitel nZupanu

(Heinrich ll. von Kuenring)! 1278 kam es zur Verschwörung

 der Weltraer Kuenringer unter Heinrich

 V. mit der Wiener Paltramsippe gegen Rudolf

von Habsburg." Die Verschwörung der Anhänger

Ottokars von Böhmen wurde zerschlagen, die

Kuenringer flüchteten nach Böhmen zu Herzog Nikoiaus

 von Troppau. Nach seinem Tod wird Heinrich

 1281 von seiner Mutter nach Stift Zwettl überführt.

 Außer den historischen Beziehungen gab es

in der Rcmanik und Frühgotlk nur vereinzelte

skriptorlenmäßige Verbindungen von Stift Zwettl

zum böhmischen Raum. Sie sind kunsthistorischer

 Art oder personaler, etwa in der Gestalt des

Schreibers Gottfried von Neuhaus (Südböhmen;

vgl. Cod. Zwetl. 400) von 1268." In liturgischer Hinsicht

 überwiegen im Kalendar von Cod. Zwetl. 204

(nJutta-Codexu 1. Hälfte 13. Jahrhundert) böhmische

 Heillge, was Paul Buberlt" veranlaßt hat, den

Codex nach Böhmen oder Polen zu lokalisieren.

Diese Zuschreibung müßte man noch von mehreren

 Gesichtspunkten aus untersuchen.

Erwähnenswert ist dle Wahl eines Böhmen, B0-huslaus

 (1248-1258), zum Abt von Stift Zwettk"

sein allerdings beschädigtes "Portraitu erscheint

im Stiftungsbuch In der sogenannten Bärenhaut.

im 14. und 15. Jahrhundert gibt es manche Überlieferung

 der Beziehung der Kuenringer zu Böhmen,

 von denen hier nur einige Beispiele angeführt

 werden. 1306 begleitete Leutold I. (Dürnsteiner

 Linie) von Kuenring Rudolf lll. von Habsburg

zur Krönung nach Böhmen." Um 133511336 hören

wir, daß Johann von Kuenring an der Seite der Luxemburger

 gegen die Habsburger im Kampf um

das Herzogtum Kärnten teilgenommen hat." 1414

ist König Wenzei IV. von Böhmen bestrebt, mit

Herzog Albrecht V. von Österreich die Grenzfehden

 zu beenden; unter den vornehmsten Vertretern

 Österreichs wird zu Znaim der Friedensschluß

 u.a. mit dem Siegel Achaz' von Kuenring

bekräftigt. Achaz von Kuenring begleitet auch Albrecht

 neben den nEdelsten-t von Österreich, um

die Bemühungen Kaiser Sigismunds in Prag zur

Erlangung der böhmischen Krone zu unterstützen."

 Am 24. März belehnt auf der alten Burg der

Kuenringer im Beisein Achaz" von Kuenring-Seefeld

 Kaiser Sigismund Albrecht von Habsburg mit

dem Herzogtum Österreich." Nach 1439 (Tod Albrechts

 V. Herzog von Österreich, deutscher Kaiser,

 König von Böhmen und Ungarn) traten erneut

Kämpfe zwischen Böhmen und Österreich auf, in

denen Aibero Vlll. vcn Kuenring das Raubrittertum

 bekämpfte." In der Auseinandersetzung mit

Friedrich lll. (ab 1442 deutscher König) als Vormund

 von Ladislaus Postumus von Böhmen

(nachgeborener Sohn Albrechts V. und der Elisabeth

 - Tochter Kaiser Siglsmunds) ergriff wohl

Georg von Kuenring die Partei Ulrichs von Eyczing

und Ulrichs von Cilli zur Freigabe von Ladislaus."

Als König von Böhmen gab Ladislaus Georg von

Kuenring sozusagen als Belohnung große Vollmachten

 und finanzielle Unterstützung." Nach

dem Tod von Ladislaus (1457) kam es zur Auseinandersetzung

 zwischen Kaiser Friedrich lll. und

Georg von Podiebrad, wobei Georg (Jörg) von

Kuenring diesmal auf der Seite des Kaisers stand

und als Friedensvermittler tätig war. 1467168 wurden

 das Gebiet nördlich der Donau und die Umgebung

 von Zwettl von dem Böhmenheer abermals

verwüstet, das Stift war jedoch durch Befestigungsanlagen

 geschützt."

Um die Wende zum Spätmittelaiter geben die

Handschriften in Stift Zwettl Zeugnisse zum böhmischen

 Raum bezüglich der Palaographie

(Schriftkunde), des Textinhaltes und der Überlieferung

 namentlich genannter böhmischer Schreiber.



Der Schreiber und Cantor (Vorsänger) Egidius de

Zwyerotycz aus Budweis ist in Handschriften aus

dem ersten Viertel des 15. Jahrhunderts mehrerer

Bibliotheken nachweisbar." Außer in Stift Zwettl

befinden sich von ihm datierte Codices In der

Stiftsbibliothek der Schotten zu Wien und in der

Benediktinerabtei St. Lambach in Oberösterreich.

Auf welche Weise die Handschriften in die Bibliotheken

 gelangten, ist schwer zu eruieren. Er war

entweder als Wanderschreiber tätig oder die Codices

 waren Fiuchtgut. Cod. Zwetl. 81, 82 (Abb. 1),

Cod. Scot. 26, 27 und Cod. 120 der Stiftsbibliothek

Lambach folgen mit der Datierung 1411, 1412,

1413 und 1415 knapp aufeinander. Lediglich Cod.

Scot. 115 ist mit 1426 viel später datiert (Abb. 2).

Der Kolophon beinhaltet, daß Egidius de Zwyerotycz

 sich zu dieser Zeit in Budwels aufgehalten habe

 (Datierung 5. März 1426) und das Werk von dem

ehrbaren Herrn lohannes Pryndl, Pfarrer von

Vgezd, gekauft wurde (fol. 2020." im Gegensatz

zur herkömmlichen Schriftform des Meisters in

Cod. Zwetl. 81, 82 und Cod. Scot. 26, 27 handelt es

sich um einen mehrfach gebrochenen Bastarda-Typus

 in gedrungenem Duktus. Die oftmalige Bezeichnung

 im Koiophon olym canrorem in Budweys

 weist auf den Mönchsstatus des Schreibers

hin, der nicht nur Vorsänger in der Meßliturgie

war, sondern speziell im Zisterzienserorden auch

die Funktion eines Bibliothekare im Mittelalter innehatte.

 Budweis wurde während der Hussitenwlrren

 mehrmals von Taboritenheeren zerstört, so

1420 das Zisterzienserstift Nepomuk."

Die Herrschaft der milltant gewordenen Hussiten-7


            
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